Helfen Hanfprodukte als Beruhigungsmittel?

Hanfprodukte als Beruhigungsmittel? Hier und heute 22.02.2021 07:57 Min. Verfügbar bis 22.02.2022 WDR

Helfen Hanfprodukte als Beruhigungsmittel?

Dünne Nerven, wenig Schlaf, innere Unruhe – dagegen sollen freiverkäufliche Beruhigungsmittel wie zum Beispiel Hanföle helfen. Die sind meist sehr teuer. Lohnt sich diese Investition? Wir fragen Ernährungsexpertin Nicole Merbach von der Stiftung Warentest.

Die Stiftung Warentest hat sich freiverkäufliche Beruhigungsmittel genauer angeschaut, insbesondere Produkte aus Hanf. Das teuerste Produkt lag bei 80 Euro für wenige Milliliter Hanföl. Dabei stecken in der Zusammensetzung dieser Hanföle meistens nur zwei Dinge: Hanföl und Cannabidiol-Extrakte, die aus den Blättern der Hanfpflanze gewonnen werden.

Warum sind diese Produkte derzeit so beliebt?

Eine Cannabispflanze

Hanfprodukte können auch problematisch sein.

Zum einen ist der Leidensdruck bei Vielen krisenbedingt im Moment sicher hoch. Zum anderen mag es daran liegen, dass pflanzlich gewonnene Produkte automatisch Unschädlichkeit und eine gewisse Harmlosigkeit suggerieren, was bei Hanfprodukten aber eindeutig nicht der Fall ist.

Beruhigungsmittel aus Hanf sind nicht unbedenklich

In den meisten solcher Produkte steckt der Wirkstoff Cannabidiol (kurz CBD), der nicht harmlos ist, sondern im Körper sehr komplex und auch sehr unterschiedlich wirkt, weswegen er fast mit einem Arzneimittel verglichen werden kann.

Die Wirkungsweise als Beruhigungsmittel ist bisher zu wenig erforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass Hanföl gegen Schlafstörungen hilft. Aber wissenschaftliche Beweise gibt es bislang nicht.

Was kann schlimmstenfalls passieren?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen: CBD kann auch gegenteilig wirken, also Unruhe auslösen. Vor allem aber kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen und die Leberfunktion beeinflussen. Um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden, sollte man vor der Einnahme solcher Produkte Rücksprache mit dem Arzt halten.

Haben diese Beruhigungsmitteln eine berauschende Wirkung?

Der THC-Gehalt im Produkt ist verantwortlich für eine berauschende Wirkung und der darf bei solchen Mitteln nicht über 0,2 Prozent liegen, um genau diesen Effekt zu verhindern. Tatsächlich ergab die Warentest-Untersuchung aber, dass viele Produkte diesen Wert überschreiten, so dass es durchaus sein kann, dass es durch die Einnahme zu sogenannten psychomotorischen und psychogenen Reaktionen kommt, das heißt zu verzögerten Reaktionen oder gestörten Wahrnehmungen.

Forderung: Zulassung regulieren

Ernährungsexpertin Nicole Merbach von der Stiftung Warentest befürwortet eine Regulierung: „Die EU sollte diese Art der Beruhigungsmittel als neuartiges Lebensmittel zulassen“. So dürfte der CBD-Gehalt im Produkt eine gewisse Grenze nicht überschreiten. Für bestimmte Personengruppen könnten Mittel verboten werden, weil noch nicht eindeutig erwiesen ist, welche Wechselwirkungen mit Medikamenten es beispielsweise geben kann.

Was ist mit Baldrian und Co.?

Pflanze mit vielen rosafarbenen Blüten mit Mörser

Baldrian kann auch als Schlafmittel fungieren.

Baldrian ist ein mildes Beruhigungsmittel, das in höherer Dosierung aber auch als Schlafmittel funktioniert. Es ist von allen freiverkäuflichen Beruhigungsmitteln am ehesten zu empfehlen, wenngleich es auch hier unterschiedliche Extrakte und Zubereitungen gibt, die ebenfalls noch nicht einheitlich gut untersucht sind.

Ein gelbes Fläschchen Lavendelöl nebst einigen Lavendelzweigen.

Lavandelöl soll bei inneren Unruhen helfen.

Johanniskraut kann in Form von bestimmten, industriell hergestellten Extrakten und richtig dosiert nachweislich gegen depressive Stimmung helfen. Das ist hinreichend belegt. Die  therapeutische Wirksamkeit gegen Nervosität und Unruhe wurde in klinischen Studien allerdings nicht belegt.

Produkte mit Lavendelöl sollen bei Unruhezuständen helfen. Das ist aber nicht belegt. Es gibt nur positive Hinweise in wissenschaftlichen Studien. Die Daten reichen aber nicht aus, um therapeutische Wirksamkeit als belegt ansehen zu können. Gleiches gilt für Melisse, die zu diesem Zweck angewendet wird.