Eine Computermaus auf einem Geschenk.

Geschenke-Kauf im Netz

Stand: 23.11.2021, 06:00 Uhr

Weihnachtsgeschenke kaufen findet in großen Teilen online statt. Doch welche Rechte hat man beim Umtausch? Wie ist das, wenn man Geschenke im Ausland bestellt? Und was kann man tun, wenn die Ware nicht rechtzeitig ankommt? Darüber sprechen wir mit Rechtsanwältin Nicole Mutschke.

In einer Umfrage des ifo-Instituts klagten 100 Prozent der deutschen Einzelhändler noch dazu über zu wenig Nachschub. Und auch der übrige Handel leidet unter extremen Lieferausfällen – wie etwa Baumärkte, Elektronik- und Möbelhändler. Die Folge: Manche Geschenke sind nicht erhältlich, andere nur mit langen Lieferzeiten.

Weihnachten: Geschenke-Kauf im Netz

Hier und heute 23.11.2021 09:08 Min. Verfügbar bis 23.11.2022 WDR

Privater oder gewerblicher Verkäufer

Zwei Menschen auf einem Flohmarkt.

Ware von Privat ist meistens günstiger und kann verhandelt werden.

Einen großen Unterschied macht es, laut Rechtsanwältin Nicole Mutschke, ob man bei einem privaten oder gewerblichen Verkäufer bestellt. Was für den Privatkauf spricht: Der Preis ist meist günstiger, beziehungsweise verhandelbar. Und so manches „alte Schätzchen“ findet man vielleicht auch gar nicht mehr auf dem Markt.

Der große Nachteil: Wer etwas privat kauft, hat häufig keinen Gewährleistungsanspruch. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Ware fehlerhaft ist, kann man im Grunde nichts machen. Beim Kauf bei einem Händler ist das anders.

Was ebenfalls für den Kauf bei gewerblichen Händler*innen spricht: Der Verkäufer trägt das Versandrisiko – und nicht, wie bei einem privaten Anbieter, der Käufer. Geht die Ware auf dem Postweg verloren, muss der Händler die Ware erneut versenden. Außerdem hat der Käufer in der Regel ein 14-tägiges Widerrufsrecht. In dieser Zeit kann er ohne Angabe von Gründen vom Kaufvertrag zurücktreten.

Auf die Versandkosten achten

Doch auch beim Kauf beim Händler kann es Probleme geben: „Eine echte Kostenfalle kann zum Beispiel der Versand sein“, sagt Mutschke. Dadurch könne die Ware auf einmal viel teurer werden als gedacht. Die Versandkosten müssen zwar immer angegeben werden – sind das aber manchmal nur versteckt. Hat man durch den Kauf den Versandkosten zugestimmt, muss man diese auch akzeptieren.

Lieferengpässe

Pakete auf einem Fließband.

Gerade zu Weihnachten hin kann es zu Lieferengpässen kommen.

Die allgemeinen Lieferengpässe bereiten den Händlern zunehmend Probleme. Dabei gilt: Der Händler muss die Lieferzeit angeben. Macht er das nicht, ist die Ware „sofort lieferbar“. Momentan ist das aber wohl eher die Ausnahme. Fallen einem die langen Lieferzeiten erst nach dem Kauf auf, hat man beim Online-Kauf meist noch die zweiwöchige Widerrufsfrist. Ist diese allerdings verstrichen, muss man die lange Lieferzeit akzeptieren – auch wenn sie vermeintlich „versteckt“ auf der Seite zu sehen war. Kommt die Ware allerdings am Ende auch nicht zum zugesagten Termin, dann kann man – am besten nach Setzen einer erneuten Frist – vom Vertrag zurücktreten, sagt Mutschke. Und muss dann auch nichts bezahlen. Die Ware hat man dann allerdings auch nicht.

Fehlerhafte Ware

Ist die Ware fehlerhaft, muss der Kunde diese grundsätzlich auf eigene Kosten zurückschicken. Es sei denn, der Händler hat vorab eine andere Regelung angeboten. Hierzu hat der EuGH gerade ein verbraucherfreundliches Urteil gesprochen: Demnach reicht es bei sperrigen Sachen aus, „wenn der Käufer den Verkäufer über den Mangel informiert und die Ware an seinem Wohnort zur Begutachtung oder Abholung bereitstellt“, sagt Mutschke.

Rücksendung bei Nichtgefallen

Gefällt dem Käufer aber die gekaufte Ware nicht, besteht wiederum das Problem der Rücksendung. Der Verkäufer muss allerdings rechtzeitig vor Vertragsabschluss darauf hinweisen, dass der Käufer die Kosten trägt. Fehlt dieser Hinweis, muss der Verkäufer die Kosten der Rücksendung erstatten, sonst muss der Käufer zahlen.

Vorsicht vor Fake-Shops!

Taste mit der Aufschrift "Fake Shop".

Ein Fakeshop zu erkennen ist garnicht so leicht.

Man sollte genau darauf achten, wo man die Ware bestellt. Denn: „Es gibt immer mehr Fake-Shops“, erklärt Mutschke. Wer dort bestellt, bekommt voraussichtlich nicht nur keine Ware. Unter Umständen droht sogar ein noch größerer Schaden als die Einkaufssumme – wenn etwa die Kreditkartendaten missbraucht werden.

Einen Fake-Shop zu erkennen, das sei häufig gar nicht so einfach. Nicole Mutschke rät, sich immer vorab zu fragen: „Sind die Preise unrealistisch günstig? Gibt es etwas, was es sonst gar nicht gibt? Gibt es ein Impressum? Was steht im Impressum? Welche Zahlungsmethoden werden akzeptiert?“

Ware aus dem Nicht-EU- Ausland

Vorsichtig sollte man auch immer dabei sein, Ware im Nicht-EU-Ausland zu bestellen. Denn gibt es dann Probleme, kann man im Grunde nicht viel machen. „Eine solche Klage im Nicht-EU-Ausland ist mit einigen Schwierigkeiten und verhältnismäßig hohen Kosten verbunden“, erklärt Mutschke. In Anbetracht der meist überschaubaren Ausgaben, mache das in der Regel keinen Sinn.

Weiteres Risiko bei Auslandsbestellungen: Ist die Ware fehlerhaft, muss der Kunde sie auf eigene Kosten zurückschicken – was ebenfalls eigentlich niemand mache. Und schließlich kann es immer sein, dass der Zoll die Ware abfängt. Dann muss man nicht nur gegebenenfalls Steuern auf die Ware nachzahlen. Es dauert dann noch länger, bis man sie in den Händen hält.