Senior zahlt mit Geldscheinen

Betrug an der Haustür

Stand: 28.04.2022, 06:00 Uhr

Es gibt sie noch – sogenannte Haustürgeschäfte. Und sie kommen die Opfer häufig teuer zu stehen. Wie die Betrüger vorgehen und wie wir uns schützen, erklärt Kriminalhauptkommissar Udo Rechenbach vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen.

Betrug an der Haustür ist bei Kriminellen nach wie vor beliebt: Zwar werden Fälle sogenannter Haustürgeschäfte in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst. Doch Udo Rechenbach von Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen bestätigt: „Das ist nach wie vor ein Problem.“

Grundsätzlich gibt es dabei zwei unterschiedliche Herangehensweisen, so der Kriminalhauptkommissar. Bei der einen Masche bieten die Kriminellen bestimmte Leistungen an – wie etwa das Dach zu reparieren oder die Wasserrohre zu überprüfen.

Diese Leistungen werden aber nicht erbracht – oder lediglich begonnen, um den Schein zu wahren. Stattdessen verlangen die Betrüger von ihren Opfern, in Vorkasse zu treten. Und sobald das Geld gezahlt wurde, „sind die Kriminellen über alle Berge“, sagt Rechenbach.

Fälle in Aachen und Duisburg

Gerade erst wieder habe es solche Fälle in Aachen und Duisburg gegeben, bei denen die Opfer um mehrere Tausend Euro betrogen wurden.

Bei der zweiten Masche wollen sich die Kriminellen unter einem Vorwand Zugang zu Wohnung oder Haus verschaffen – indem sie sich als Hilfsbedürftige, Bekannter, Amtspersonen oder Mitarbeiter:innen seriöser Firmen oder der Stadtwerke ausgeben. Anschließend lenkt eine Person das Opfer ab, während eine zweite unbemerkt die Räume nach Wertsachen durchsucht.

Locken mit Schnäppchen

Symbolbild: Enkeltrick

Von direkten Bezahlungen an der Haustür ist dringend abzuraten.

Und schließlich gibt es noch diejenigen, die an der Haustüre vermeintliche Schnäppchen versprechen – etwa ein günstiges Haushaltsgerät, einen Stromtarif oder eine Versicherung. Ziel dabei sei es, entweder gleich Geld von den Opfern zu kassieren oder eine Unterschrift unter einem Vertrag zu bekommen – um dann im Nachhinein abzurechnen. „Das muss nicht unbedingt rechtswidrig sein“, sagt Rechenbach. Anrüchig aber sei es allemal.

Die Tipps der Polizei

Rechenbachs erster Tipp: „Nicht einfach die Tür öffnen, wenn jemand klingelt, sondern erst einmal durch den Türspion oder das Fenster schauen.“ Und kennt man die Person nicht: Die Tür immer nur mit Sperrriegel öffnen.

Sein zweiter Tipp: „Seien Sie immer kritisch.“ So sollte man sich von vermeintlichen Amtspersonen oder Mitarbeiter:innen der Stadtwerke immer den Dienstausweis zeigen lassen. „Klar, man weiß natürlich häufig nicht, wie die in Wirklichkeit aussehen“, gibt Rechenbach zu bedenken. Wer sich unsicher sei, sollte daher beim jeweiligen Amt, der Behörde oder dem Arbeitgeber anrufen – und diese Nummer immer selbst raussuchen.

Außerdem: „Normalerweise kommen Menschen mit solchen Anliegen nicht unangemeldet.“ Daher sollte man nur Handwerker oder Mitarbeitende der Stadtwerke in die Wohnung lassen, die man selbst bestellt hat oder die von der Hausverwaltung angekündigt wurden.

Sollte trotzdem jemand Unbekanntes klingeln: „Sagen Sie, dass er oder sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen soll, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist“, rät Rechenbach. So könne man zum Beispiel grundsätzlich mit Nachbarn vereinbaren, sich in solchen Fällen gegenseitig Beistand zu leisten.

Und ganz wichtig: „Zahlen Sie nie per Vorkasse und lassen Sie sich nicht verwirren oder unter Druck setzen“, sagt Rechenbach. „Und unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht ganz genau verstanden haben.“

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