Das Geschäft mit der Mode: Wer zahlt die Zeche für nachhaltig produzierte Kleidung?

Achtung Mogelpackung! – Yvonne Willicks deckt auf

Das Geschäft mit der Mode: Wer zahlt die Zeche für nachhaltig produzierte Kleidung?

Von Niklas Kümpers

  • Bio-Produktlinien im Test
  • Greenpeace und die zertifizierten Siegel
  • Schlagen wir beim Outlet-Kauf wirklich ein Schnäppchen?
  • Sind Produkte mit Rotstiftpreisen immer gleich ein Schnäppchen?

Die meisten kennen es – die Kleidung stapelt sich in den Schränken und Schubladen, trotzdem kaufen wir immer und immer mehr. Rund 65 Milliarden Euro wurden alleine im Jahr 2018 in Deutschland für Kleidung ausgegeben. Von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken werden gut zwei Milliarden sehr selten oder nie getragen. Das sind knapp 40 %.

Das Bild zeigt die getesteten Outlet-Produkte.

Dabei gehört die Mode-Industrie zu den größten Umweltsündern auf diesem Planeten. Gut, dass es da Hersteller gibt, die auf Nachhaltigkeit setzen. Aber: Sind die angebotenen Bio-Produktsiegel wirklich so nachhaltig wie angegeben oder wird gemogelt? Außerdem: Halten Outlets Ihre Versprechen, gleiche Qualität zu günstigerem Peis anzubieten?

Bio-Produktlinien im Check

Die Fast-Fashion Modeketten H&M, C&A, Zara und Esprit sind heute für die meisten Leute der Inbegriff von schneller Mode und günstiger Qualität. Diese Hersteller haben in den letzten Jahren aufgestockt: die meisten führen inzwischen ihre eigenen Bio-Linien und suggerieren uns Verbrauchern eine nachhaltige und faire Produktion – frei von Chemikalien. Wir wollten wissen, ob die Bio-Linien der Mode-Riesen wirklich so nachhaltig und frei von Pestiziden sind, wie sie uns glauben machen?

Dazu haben wir folgende Shirts ins Labor geschickt:

  • C&A Cotton Bio, 7€

Es handelt sich um ein unternehmenseigenes Siegel, welches für die Verwendung von Baumwolle aus nachhaltigem Anbau steht. Bis 2020 will C&A 100% der Baumwolle aus nachhaltigen Quellen beschaffen.

  • H&M Conscious, 9,95€

Auch hier handelt es sich um ein unternehmenseigenes Siegel, welches für Nachhaltigkeit steht. Bis 2020 will H&M nur Baumwolle benutzen, die bio-zertifiziert, recycelt oder im Rahmen der Better Cotton Initiative abgebaut wurde.

  • Esprit Organic, 19,99€

Ziel von Esprit ist es, bis 2021 100% des Baumwollbedarfs aus nachhaltigem Anbau zu gewinnen.

Das Labor in Krefeld prüfte die Shirts und tatsächlich: Es wurden keine Pestizide und Chemikalien gefunden. Wenn Nachhaltigkeit so einfach ist, dann könnte doch die gesamte Kollektion der Fast Fashion-Marken diesen Kriterien folgen, oder nicht?

Greenpeace und die zertifizierten Siegel

Greenpeace setzt sich schon seit Jahren mit Aktionen wie der Detox-Kampagne für eine chemiefreie Modewelt ein. Laut Greenpeace sind die von den Marken eigens vergebenen Bio-Siegel keineswegs so vertrauenswürdig. Oftmals werden absichtlich nur Teile der Produktion als „nachhaltig“ betitelt, über die anderen Aspekte der Produktion wird jedoch geschwiegen. Gerade bei der Einfärbung von Stoffen werden toxische Mittel eingesetzt, die später nicht mehr nachweisbar sind. Diese Chemikalien werden in den Herstellerländern ausgewaschen und gelangen am Ende in unser Grundwasser.

Die Detox-Kampagne:

Es gibt jedoch Siegel, denen Verbraucher vertrauen können und die sich tatsächlich für Nachhaltigkeit und eine chemiefreie Produktion in der Textilindustrie einsetzen.

Drei Siegel werden von Greenpeace empfohlen:

  • GOTS – Global Organic Textile Standards

Zu den Zielen des Siegels zählt der Aufbau eines weltweit einheitlichen kontrollierbareren, sozialen und ökologischen Standards. Dabei wird die gesamte Produktionskette der Textilien berücksichtigt.

  • IVN Best

fokussiert sich in jeder Hinsicht auf eine umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung von Naturfasertextilien. Nur Produkte, bei denen alle Prozesse der Produktion zertifiziert sind, dürfen dieses Siegel tragen.

  • Made in Green

ebenfalls für schadstofffreie Textilprodukte, Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung

Alternativen zum Kleiderkauf sind Klamottentauschpartys und das Schenken alter Klamotten. Aktionen wie Tchibo Share tragen ebenfalls zu nachhaltigerem Konsum bei. Dabei kann man sich die schönste Kleidung aussuchen, sie sich gegen eine Gebühr nach Hause schicken lassen, die Kleidung mieten und nach einem Monat Mindestmietdauer tagesgenau bezahlen und wieder zurückgeben. Man kann die Kleidung so lange tragen, wie man will und sich danach wieder neues aussuchen.

Das Bild zeigt eine Tafel mit Bio-Siegeln.

Outlet – Gute Qualität zum kleinen Preis?

Jeder liebt das Gefühl, ein richtig gutes Schnäppchen gemacht zu haben. Outlets gelten dabei als Anlaufstelle, um gewünschte Klamotten zu einem wirklich günstigen Preis zu bekommen. Doch halten die Outlets ihre Versprechen? Wir vergleichen die Qualität von Outlet-Ware im Vergleich zu den Produkten, die es außerhalb der Outlets zu kaufen gibt.

Hosen:

  • Levi’s, 114,95€
  • Levi’s Outlet, 76,00€ (vorher 109,95€)

Name und Modell sind identisch. Aber: die Zusammensetzung ist anders. Die Outlet-Hose besteht aus 62% Baumwolle, 21% Viskose, 15% Polyester und 2% Elasthan. Die Jeans aus der Filiale besteht zu 85% aus Baumwolle, 9% Polyester und 6% Elasthan. Insgesamt erscheint die Hose aus der Filiale hochwertiger, das Markenpatch am Bund ist bei der Outlet Hose ein Pappgemisch, während es sich beim Original um echtes Leder handelt.

Ergo: Wer sicher gehen will, dass es sich im Outlet um dasselbe Produkt handelt, der muss auf das Etikett und die Zusammensetzung achten und am besten vor dem Kauf davon ein Foto machen.

Jacken:

  • Hallhuber, 159,99€
  • Hallhuber Outlet, 111,99€ (vorher 159,99€)

Die Hallhuber Outlet-Jacke wirkt schon allein durch die Optik minderwertiger. An vielen Details merkt man den Unterschied in der Verarbeitung: besonders an der Leistentasche und an den Nähten. In der Zusammensetzung ist die Outlet-Jacke ebenfalls nicht ganz so wertig, wie das in den Läden auffindbare Gegenstück. Der Oberstoff der normalen Jacke besteht aus 50% Polyester, 45% Baumwolle und 5% Polyamid, das Futter besteht aus 100% Acetat. Das Futter der Outlet-Jacke besteht aus 100% Polyester. Acetat wird aus Holz gewonnen, lädt sich nicht elektrostatisch auf und gilt als das hochwertigere Material.

Polo-Shirts:

  • Hugo Boss, 69,99€
  • Hugo Boss Outlet, 58,95€ (vorher 84,95€)

Eindeutige Unterschiede machen sich in der Verarbeitung bemerkbar. Das bestickte Logo des Shirts aus dem Geschäft ist deutlich hochwertiger. Auch die höhere Anzahl von Nähten an den Ärmeln, Schultern und dem Kragen des normalen Shirts ist ein klarer Hinweis auf einen Qualitätsunterschied.

Stand: 04.06.2019, 17:30

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