Faszination Kosmetik – Schönheit um jeden Preis

Faszination Kosmetik – Schönheit um jeden Preis Der Haushaltscheck 12.12.2020 43:45 Min. UT Verfügbar bis 12.12.2021 WDR

Faszination Kosmetik – Schönheit um jeden Preis

Von Michelle Mink

Über 150 Euro geben die Deutschen im Schnitt jährlich für Kosmetik und Pflegeprodukte aus. Ob Schminke, Cremes, Shampoo oder Duschgel: Der Markt boomt! Yvonne Willicks schaut genauer hin.

Zeigen Cremes und Masken aus der Drogerie tatsächlich Wirkung? Und warum sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch bei Kosmetik ein großes Thema? Unterstützt wird die Verbraucherjournalistin von ihrem Kollegen Daniel Aßmann – denn Frauen sind längst nicht mehr die einzige Zielgruppe der Drogeriemärkte.

Was ist Naturkosmetik?

Das Bild zeigt das Natrue-Siegel auf einer Verpackung.

Das Natrue-Zertifikat

Kosmetik mit grünem Anstrich liegt voll im Trend. Aber: Hinter vielen Produkten versteckt sich eine Mogelpackung. Das Problem: Der Begriff Naturkosmetik ist gesetzlich nicht geschützt. So kann jedes Produkt mit einem geringen Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen als Naturkosmetik deklariert werden. Wer auf Nummer sichergehen will, sollte sich daher beim Kosmetikkauf an Siegeln orientieren. Verbraucherverbände empfehlen etwa folgende Siegel:

  • BDIH Kontrollierte
  • Naturkosmetik
  • Ecocert Natrue

Das Natrue-Zertifikat wird in drei unterschiedliche Qualitätsstufen unterteilt:

  • Naturkosmetik
  • Naturkosmetik mit biologischem Anteil (hierfür müssen mindestens 70% der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen)
  • Biokosmetik (hier müssen sogar mindestens 95% der Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau verarbeitet werden)

Welche Produkte mit dem Zertifikat versehen werden, kann im Internet nachrecherchiert werden:

Inhaltsstoffe im Check: So lesen Sie die INCI-Liste

Die Inhaltsstoffe vieler Kosmetikprodukte klingen kryptisch und sind für Laien kaum verständlich. Mit ein paar Tipps erkennen Sie aber wichtige Zutaten. Das sollten Sie zur INCI-Liste (übersetzt: Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) wissen:

  • Reihenfolge: Die Zutaten werden nicht willkürlich, sondern nach ihrem Anteil am Gesamtprodukt sortiert. Das bedeutet, je größer der Anteil eines Stoffes im Produkt, desto weiter oben steht er in der INCI-Liste. In den meisten Fällen werden Wasser, Fette, Alkohole und Tenside ganz oben gelistet. Darauf folgen Wirkstoffe, Konservierungs- und Farbstoffe.
  • Duftstoffe: Diese müssen in Kosmetik nicht einzeln aufgeführt werden, sondern werden als Parfum/Perfume (manchmal auch Fragrance/Aroma) zusammengefasst. Besonders allergieauslösende Duftstoffe müssen einzeln aufgelistet werden, wenn ihr Anteil 0,01% (bei Produkten, die abgewaschen werden) oder 0,001% (bei Produkten, die auf dem Körper bleiben) übersteigt. Kennzeichnung der besonders allergieauslösenden Duftstoffe:
Das Bild zeigt Inhaltsstoffe eines kosmetischen Produkts laut INCI-Liste
  • Pflanzliche und natürliche Stoffe: Diese werden mit dem lateinischen Namen der Pflanze und der englischen Bezeichnung für den verwendeten Pflanzenteil sowie der Verarbeitungsmethode gekennzeichnet. Beispiel: Olea Europaea Fruit Oil = Olivenöl. Eine Liste der lat. Namen finden Sie hier: Industrieverband Körperpflege und Waschmittel – lateinische Bezeichnungen:

Problematische Bestandteile:

Viele Kosmetikprodukte enthalten umstrittene Zutaten wie Erdöl, Palmöl oder Mikroplastik. Doch sie zu erkennen, ist oft schwierig. Hier eine kleine Hilfestellung:

  • Die umstrittenen Konservierungsstoffe Parabene erkennen Sie am Namensbestandteil -paraben
  • Aluminiumsalze erkennen Sie an den Begriffen Aluminium Chloride und Aluminium Chlorohydrate
  • Erdöl in verschiedenen Verarbeitungsformen findet man in der Zutatenliste oft als Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, (Microcrystalline) Wax, Vaseline, Mineral Oil, Petrolatum, Cera Microcristallina, Ceresin oder Ozokerite
  • Mikroplastik und andere synthetische Kunststoffe heißt Acrylate Copolymer (AC), Acrylate Crosspolymer (ACS), Polyamide, Nylon-6, Nylon-12, Polyacrylate (PA), Polymethylmethacrylate (PMMA), Polyethylene (PE), Polyethylenterephthalate (PET), Polypropylene (PP), Polystyrene (PS), Polyurethane (PUR), Polyquaternium (PQ)
  • Palmöl erkennen Sie am Wortbestandteil palm Zuckeralkohol (auf pflanzlicher, tierischer oder Erdöl-Basis) wird in der Zutatenliste meist als Glycerin aufgeführt
Das Bild zeigt ein Peeling mit Mikroplastik.

Tipps zum nachhaltigen Kosmetikeinkauf

Das Bild zeigt zeigt ein Produkt mit einem „Mikroplastik-frei-Siegel“.

Jährlich gelangen über 922 Tonnen fester Kunststoff und 23.700 Tonnen flüssiger Kunststoff ins Abwasser. Mikroplastik, abgelagert im Klärschlamm, wird beim Düngen auf Feldern verteilt oder fließt ins Meer, wo andere Lebewesen es aufnehmen. Auch wir Menschen schaden uns selbst damit, denn letztlich gelangt Kunststoff so auch in unsere Nahrungskette. Hier ein paar Tipps, um Mikroplastik in Kosmetik zu vermeiden:

  • Produkte mit „Mikroplastik-frei-Siegeln“ kaufen. Dabei sollte im Internet überprüft werden, was der Hersteller als Mikroplastik definiert.
  • Inhaltsstoffe per App (bspw. die App CodeCheck) auf Mikroplastik oder andere schädliche Substanzen kontrollieren.
  • Shampoo und Duschgel in Seifenform kaufen. Seife ist biologisch besser abbaubar als flüssige Produkte, weil sie auf Konservierungsstoffe verzichten kann.
  • Die Produktauswahl auf ein Minimum reduzieren. So fällt die Überprüfung der Inhaltsstoffe auch einfacher.

Auf die richtige Pflege kommt es an

Jede Haut ist anders und hat individuelle Bedürfnisse. Wer seine Haut kennt, dem fällt die Wahl der richtigen Pflege nicht schwer:

  • Normale Haut mit ausgeglichener Talgproduktion ist pflegeleicht. Die Reinigung mit Wasser und eine leichte Feuchtigkeitscreme reichen als Pflege.
  • Trockene Haut produziert wenig Talk und fühlt sich trocken an. In extremen Fällen schuppt sie sich oder reißt ein. Sie reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse wie Heizungsluft, kann rau, gerötet und schmerzhaft sein und jucken. Zur Pflege sollten fettende Wirkstoffe wie Sheabutter oder Jojobaöl verwendet und aggressive Inhaltsstoffe wie Alkohol, Mineralöle oder künstliche Duftstoffe vermieden werden.
  • Fettige Haut ist häufig on einem Ölfilm überzogen und neigt zu Pickeln. Bei der Pflege sollte auf austrocknende Produkte wie Alkohol, Eukalyptus, Minze und Menthol, verzichtet werden, da sie die Talgproduktion auf Dauer anregen. Wichtig bei der Pflege ist eine gute Reinigung mit milden Reinigern und Peelings sowie eine leichte Creme mit Antioxidantien, ein Gel oder Serum.
  • Bei Mischhaut ist die Haut ist an bestimmten Stellen im Gesicht (T-Zone) ölig, an den Wangen jedoch trocken oder normal. Die Poren an Kinn, Nase und Stirn sind häufig vergrößert und es entstehen Unreinheiten. Die Pflege muss auf beide Hauttypen abgestimmt sein. PH-neutrales Reinigungsgel ohne aggressive Inhaltsstoffe, klärendes Gesichtswasser für die T-Zone, eine Pflegecreme für Mischhaut und Multimasking mit Heilerde- und Aloe-Vera-Masken eignen sich als Pflege.
Das Bild zeigt eine Analyse von einem Hautbild.

Peelings nachhaltig selber machen

Das Bild zeigt eine Frau, die Peeling auf ihr Gesicht aufträgt.

Wer sich sicher sein will, was die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten angeht, kann sie auch selber herstellen. Peelings etwa entfernen abgestorbene Hautzellen und verhindern so, dass sie die Poren verstopfen und Hautunreinheiten entstehen. Ein Peeling besteht generell aus:

  • etwas Körnigem – z.B. Salz, brauner Zucker oder Haferflocken sorgen für Reibung, wodurch Ablagerungen entfernt werden.
  • eine pflegende Zutat – natürliches Olivenöl bspw. pflegt die Haut.
  • zusätzliche nährende Zutat – z.B. ein Teelöffel Honig.
  • Das Mischverhältnis ist 2:1: Zwei Teile pflegende Zutat, ein Teil Peeling-Zusatz.
  • Für unreine und ölige Haut: Zucker oder Salz + Quark oder Tonerde. (Die Peeling-Körner sind feinkörnig und Quark oder Tonerde absorbieren Öl.)
  • Für trockene Haut: Kaffeesatz oder Mandelkleie + Traubenkernöl oder Honig. (Die Peeling-Körner sind weich und die Pflege reichhaltig.)
  • Für sensible Haut: Mandelkleie oder Mohn + Naturjoghurt oder Honig. (Die Peeling-Körner sind sanft und Honig oder Naturjoghurt soll die Haut nähren und pflegen.)

Stand: 09.12.2020, 16:03

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