Hygiene im Haushalt – Wie sauber muss es sein?

Hygiene im Haushalt – Wie sauber muss es sein? Der Haushaltscheck 08.04.2020 43:48 Min. UT Verfügbar bis 08.04.2021 WDR

Hygiene im Haushalt – Wie sauber muss es sein?

  • Das Coronavirus – Was müssen wir beachten?
  • Vorbeugen statt heilen – Wie reinige ich meinen Haushalt optimal?
  • Ökobilanz – Mit Rücksicht auf die Umwelt

Diese Frage beschäftigt in Zeiten der Coronakrise Menschen auf der ganzen Welt. Die Deutschen geben jedes Jahr mehrere Milliarden Euro für den Kauf von Reinigungsmitteln aus. 99,9% der Keime und Bakterien werden angeblich verlässlich abgetötet.

Nahezu 1,3 Millionen Menschen verwenden täglich Desinfektionsmittel – und das schon bevor uns das neuartige Coronavirus Sorgen bereitete. Doch wie sauber muss das Haus wirklich sein? Und wo verstecken sich eigentlich die meisten Keime? Yvonne Willicks macht den Check und holt sich Unterstützung eines Experten-Trios. Ebenfalls stets an ihrer Seite: MikrobiologeProf. Dirk Bockmühl, unser Corona-Experte.

Das Coronavirus – Was müssen wir beachten?

Derzeit fürchten sich die Menschen in Sachen Keime und Bakterien am meisten vor dem Coronavirus, in der Fachsprache SARS-CoV-2- Virus, das für die Krankheit COVID-19 verantwortlich ist. Leichte Erkältungssymptome bis hin zu schweren Lungeninfektionen, die gerade für Vorerkrankte lebensbedrohlich sein können, können die Folgen der Erkrankung sein. Das Gebot der Stunde: Soziale Isolation, um den exponentiellen Anstieg an Neuinfektionen zu minimieren.

Infektionsrisiko mindern

Übertragen wird das Virus in der Regel über die Tröpfcheninfektion. Bei Husten oder Nießen also weiterhin die Armbeuge vor das Gesicht halten. Darüber hinaus kann es auch zu Schmierinfektionen kommen. Die Hände also möglichst vom Gesicht fernhalten, um die Infektion über die Schleimhäute wie Mund, Nase und Augen zu verhindern. Regelmäßiges Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden, entfernt einen Großteil der Keime und minimiert somit das Risiko sich anzustecken.

Sich zur Begrüßung die Hand geben ist derzeit untersagt. Ein Mindestabstand von 1,50 Metern ist vorgeschrieben. Kontakt zu mehr als einer Person wird derzeit mit 200,00 € Bußgeld bestraft. Ausgenommen sind hier der Familienkern und Personen, die im selben Haushalt leben.

Yvonne Willicks besucht den Mikrobiologen Prof. Dirk Bockmühl.

Tipps von unserem Experten Prof. Dirk Bockmühl zu Hygiene im Haushalt in Corona- Zeiten

  • Bislang ist keine Infektion mit SARS-CoV2 über Oberflächen bestätigt. Der häufigste Übertragungsweg ist und bleibt die Tröpfcheninfektion.
  • Viel wichtiger als die ständige Desinfektion von Oberflächen ist die gründliche Händehygiene. Denn: Über die Hände gelangt das Virus an unsere Schleimhäute, dort angekommen kann es zu einer (Schmier-)Infektion führen. 20-30 Sekunden sollten es schon sein.
  • Seifenstück oder Flüssigseife: beides ist sicher. Wichtig ist, dass die Seife ausreichend in den Händen verteilt wird, damit die Tenside das Virus abtragen und dessen Schutzhülle zerstören können.
  • Die Reinigung der Oberflächen im Privathaushalt: ein handelsüblicher Allzweckreiniger reicht völlig aus. Es kommt auf die Tenside in Seifen und Reinigern an, die dafür sorgen, dass die Schutzhülle des Virus zerstört wird. Einen speziellen Hygienereiniger oder Desinfektionsreiniger braucht es nicht, wenn keine Krankheiten vorliegen.
  • Desinfektionsmittel nicht zuhause herstellen und die Produktion den Profis überlassen. Apotheken haben eine Sondergenehmigung für die Herstellung von Desinfektionsmitteln erhalten, um die Nachfrage zu bedienen. Selbst hergestellte Mittel können gefährlich sein, da Laien das Fachwissen für die Zusammensetzung fehlt.
  • Behüllte Viren, wie SARS-CoV2, können in der Waschmaschine bei 40 °– 60 ° abgetötet werden. Ein bleichehaltiges Vollwaschmittel verstärkt diesen Effekt und ist ratsam. Zur Herstellung von Behelfsmasken sollten Stoffe verwendet werden, die bei hohen Temperaturen gewaschen werden können. So können alle Viren, die sich auf dem Stoff befinden, in der Waschmaschine abgetötet werden (z.B. weiße Baumwolle).
  • Textilien, die von mehreren Menschen genutzt werden, wie (Hände-)Handtücher im Badezimmer, sollten häufiger ausgetauscht und gewaschen werden, um die Ansteckungsgefahren zu verringern. Die eigene Kleidung stellt generell keine Gefahr dar und muss nicht besonders gereinigt werden.

Allgemein:

Unterschied zwischen Corona, Covid19 und SARS-CoV2:

  • Coronaviren = „behüllte“ Viren. Die Viren sind mit einer Fetthülle umgeben, der sogenannten Corona. Alle Viren, die diese Eigenschaft aufweisen, gehören zu den Corona-Viren.
  • SARS-CoV2 = Dies ist das spezielle Virus, das die Welt gerade in Atem hält. Es gehört zu den SARS-Viren.
  • Covid19 = Hierbei handelt es sich um die Erkrankung, die in Folge der Infektion eintritt.

Desinfektionsmittel

Im privaten Haushalt ist eine Desinfektion in der Regel nicht erforderlich. Ausnahmen sind hier die Haushalte, in denen Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko leben oder gepflegt werden. Hier kann es sinnvoll sein, nach jedem Händewaschen die Hände auch zu desinfizieren. Das Herstellen eigener Desinfektionsmittel ist theoretisch möglich, jedoch raten ExpertInnen davon ab, da die Rohstoffe zur Produktion knapp werden. Den gesundheitlichen Institutionen fehlt es an Mitteln, sodass Apotheken zur derzeitigen Ausnahmesituation eigens Desinfektionsmittel herstellen dürfen.

Mundschutz

Die Atemschutzmaske und die klassische OP-Maske sind derzeit Mangelware. Aufgrund dessen sollten sie ausschließlich den gesundheitlichen Institutionen zur Verfügung stehen. Mittlerweile nähen sich Menschen eigene Stoffmasken. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Studien, dass diese Art von Maske einen Nutzen hat, sie könnte aber unter Umständen einen Beitrag zur Verringerung der Ausbreitung eines Virus leisten, laut des Virologen Prof. Christian Dorsten.

Vorbeugen statt heilen – wie reinige ich meinen Haushalt optimal?

Regelmäßiges Putzen beugt vielen Krankheiten vor. Richtiges und regelmäßiges Händewaschen ist das A und O, gerade in der derzeitigen Lage. Aber für die verschiedenen Bereiche im Wohnraum gibt es natürlich auch unterschiedliche Tipps zur Reinigung.

Das Bild zeigt Yvonne Willicks.

Marcus Gast, unser Experte vom Umweltbundesamt, gibt folgende Tipps für ein sauberes Badezimmer:

  • Beim Putzen immer Handschuhe tragen – Die Reinigungsmittel schaden der Haut
  • Nasse Flächen wie Badewanne, Dusche und Waschbecken nach der Nutzung trocken wischen
  • Regelmäßig lüften
  • Für die Reinigung der Toilette immer einen separaten Lappen verwenden
  • Schwämme und Lappen regelmäßig (alle 3 Tage) wechseln
  • Verstopfte Rohre vorzugsweise mit einem Pömpel oder der Rohrreinigungsspirale befreien
  • Auf Rohrreiniger sollte man unbedingt verzichten (giftige Natronlauge)
  • Reine Citronensäure entfernt selbst hartnäckigste Kalkverschmutzungen
Das Bild zeigt Yvonne Willicks.

Um die Vermehrung von Keimen in der Küche zu verhindern, holt sich Yvonne Unterstützung von Hygieniker Dr. Björn Friedrichs. In der Küche gilt generell:

  • Schwämme und Spüllappen regelmäßig wechseln und trocken halten
  • Separate Schneidebretter für Fleisch und andere Lebensmittel
  • Küchenutensilien nach der Nutzung direkt abspülen
  • Reinigung des Kühlschranks mindestens einmal im Monat
Das Bild zeigt Yvonne Willicks.

Für die saubere Wäsche im Schlafzimmer gibt Textilexperte Prof. Lutz Vossebein grundlegende Tipps:

  • Bettwäsche mindestens alle 7-14 Tage wechseln
  • Erst ab 60°C werden die meisten Keime beim Waschen abgetötet
  • Pulver-Waschmittel enthält Bleiche, die zuverlässig Keime abtötet
  • Waschmaschine und Einspülkasten zwischen den Waschgängen lüften

Ökobilanz – Mit Rücksicht auf die Umwelt

Zahlreiche Reinigungsmittel stehen den VerbraucherInnen im Haushalt zu Verfügung. Am Ende bleibt das dreckige Schmutzwasser, das den Abfluss runter gespült wird. Die Wohnung ist sauber. Doch hier geht die Arbeit dann erst richtig los und zwar in der Kläranlage. Unzählige Mikroorganismen sind dafür verantwortlich, dass unser Wasser wieder trinkbar ist. Doch existieren auch schwer biologisch abbaubare Stoffe, die besonders belastend für unsere Umwelt sind.

Will man der Umwelt etwas Gutes tun, sollte man auf Folgendes achten:

  • Benutzen Sie Reinigungsmittel sparsam und verzichten Sie auf antibakterielle Biozidprodukte.
  • Kaufen Sie ökologische Putzmittel, die Umwelt und Gesundheit weniger belasten. Auch diese sollten Sie allerdings sparsam verwenden.
  • Achten Sie auf Siegel wie das EU-Umweltzeichen „Euroblume“ oder „Blauer Engel“. Diese kennzeichnen Produkte, die weniger umwelt- und gesundheits-schädlich sind als konventionelle Produkte
  • Mit einem Dampfreiniger können Sie mit klarem Wasser ohne Chemikalien reinigen.
  • Reiniger auf der Basis von Citronensäure, Essigsäure und Ameisensäure sind schonender für die Haut, Oberflächen und die Umwelt.

Stand: 08.04.2020, 17:00

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