Mogelpackung Brille – Klarer Durchblick oder teure Verbrauchertäuschung?

Mogelpackung Brille - Klarer Durchblick oder teure Verbrauchertäuschung? Der Haushaltscheck 07.04.2021 43:48 Min. UT Verfügbar bis 07.04.2022 WDR

Der Haushalts-Check mit Yvonne Willicks

Mogelpackung Brille – Klarer Durchblick oder teure Verbrauchertäuschung?

Von Simone Mandt

Ob Alltagsbrille, Lesebrille, Gleitsichtbrille oder Arbeitsplatzbrille – rund 41 Millionen Menschen in Deutschland sind auf eine Sehhilfe angewiesen. Grund genug, die sogenannten Spekuliereisen mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Welche Fehlsichtigkeiten gibt es?

Wer kurzsichtig ist, sieht in der Ferne schlecht. Umgekehrt können weitsichtige Menschen Dinge in der Nähe nicht genau erkennen. In Deutschland leiden 25 % der Menschen an Kurzsichtigkeit (Myopie). Wiederrum 35 % der unter 60-Jährigen sind weitsichtig (Hyperopie). Auch eine Hornhautverkrümmung ist häufig, aber seltener als die anderen beiden Fehlsichtigkeiten. Sie kann auch in Verbindung mit Kurzsichtigkeit auftreten.

Was zeichnet einen guten Sehtest aus?

Sehtestgerät

Wer eine neue Brille benötigt, der muss einen Sehtest (Refraktion) machen. Wurde vorher keine Brille getragen, sollte dieser bei der Augenärztin oder dem Augenarzt stattfinden. Bei schon bekannter, unkomplizierter Fehlsichtigkeit kann auch ein*e Optiker*in den Test vornehmen. Ein guter Sehtest wird in zwei Schritten durchgeführt. Zuerst wird die objektive Sehstärke mittels eines Autorefraktometers ausgemessen. Danach folgt der subjektive Abgleich. Hierbei lässt die Optikerin oder der Optiker den Kundinnen und Kunden verschiedene Linsenstärken ausprobieren, bis die persönlich angenehmste Stärke gefunden wird.

Weiterhin sollte sich die Optikerin oder der Optiker nach bestehenden Vorerkrankungen und etwaiger Medikamenteneinnahme erkundigen. Auch wann der letzte Sehtest stattgefunden hat und welche Werte dabei ermittelt wurden, erfragt ein*e gute*r Optiker*in. Zudem sollte sich darüber erkundigt werden, ob Beschwerden am Auge vorliegen.

Optiker ist nicht gleich Optiker

Sind alle Optiker-Geschäfte gleich gut? Macht es einen Unterschied, ob man zu einer Optikerkette oder einem Einzelgeschäft geht? Um das herauszufinden, wurden stichprobenartig jeweils drei Einzelgeschäfte und drei Optikerketten aus NRW getestet. Die eigenständigen Optiker und Optikerinnen schnitten allesamt gut ab. Bei den Ketten überzeugte von den drei getesteten nur ein Optiker. Bei der einen Kette lag das Augenmerk merklich auf dem Verkauf von Ware, und nicht auf dem optimalen Ergebnis für den Kunden bzw. die Kundin. Bei der anderen Kette wurde lediglich eine objektive Refraktion- und kein subjektiver Abgleich der Sehstärke durchgeführt. Also: Augen auf beim Brillenkauf!

Schnäppchen aus dem Internet?

Das Bild zeigt drei Brillen.

Stellt der Optiker oder die Optikerin veränderte Sehwerte fest, braucht man eine neue Brille. Besonders bei teuren Gleitsichtbrillen verlocken die günstigen Angebote aus dem Internet zum Kauf. Allerdings dürfen diese Brillen nicht ohne den Hinweis verkauft werden, dass die Benutzung im Straßenverkehr eine Gefahr darstellen kann. Da bei der Online-Bestellung entscheidende Werte der Kundinnen und Kunden nicht ermittelt werden können, rät der Zentralverband für Augenoptiker vom Onlinekauf ab. Das Tragen einer Gleitsichtbrille aus dem Internet kann für den Träger bzw. die Trägerin lebensgefährlich werden.

Neuer Trend: Blaulichtfilterbrille

Das Bild zeigt eine Person vor dem Computerbildschirm.

Wer abends viel vor dem PC oder Smartphone sitzt, der hat vielleicht mit Symptomen wie Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und Kopfschmerzen zu kämpfen. Denn die modernen LED-Leuchten aus Smartphones und PCs strahlen viel blaues Licht aus. Das wiederrum wirkt sich unmittelbar auf den menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus aus. Abhilfe kann eine sogenannte Blaulichtfilterbrille oder Arbeitsplatzbrille schaffen. Diese wird beim Arbeiten am Bildschirm (vorzugsweise ab dem Nachmittag) getragen. Wer die Brille einige Wochen regelmäßig trägt, der sollte eine deutliche Verbesserung der Symptome verspüren.

Geputzt wie!

Das Bild zeigt eine Brille, die geputzt wird.

Egal ob Blaulichtfilter-, Gleitsicht- oder Einstärkenbrille – sie alle müssen geputzt werden. Deswegen haben unsere Zuschauerinnen und Zuschauer verschiedene Brillenputz-Varianten getestet:

  • Spülmittel und Wasser (ca. 0,01 pro Anwendung)
  • Ultraschallreinigungsgerät (ab ca. 40)
  • Brillenshaker (UVP 29,90)
  • Einwegbrillenputztücher (0,02 je 1 Stk.)
  • Brillenputztuch (ca. 2 in der Drogerie)

Fazit: Grundsätzlich sauber werden die Gläser mit allen Methoden. Aber auch wenn neue Produkte wie ein Brillenshaker verlockend aussehen, rät der Optiker zu Spülmittel und Wasser. Insbesondere Brillenputztücher sind zwar praktisch, verursachen aber zusätzlichen Müll. Im schlimmsten Fall können sie die empfindliche Beschichtung der Brillengläser beschädigen. Als zusätzlichen Service bieten viele Optikerinnen und Optiker ihren Kundinnen und Kunden eine kostenlose, professionelle Reinigung an.

Stand: 07.04.2021, 17:00

Weitere Themen

Alle Sendungen