Buchtipp: "Die Frau, die nicht alterte"

Buchtipps vom 14.11.2019

Von Christine Westermann

Buchtipp mit Christine Westermann: "Die Frau, die nicht alterte" Frau tv 14.11.2019 02:41 Min. UT Verfügbar bis 14.11.2020 WDR

Titel: Die Frau, die nicht alterte
Autor: Grégoire Delacourt
Verlag: Atlantik 
ISBN-10: 3-455-00651-5
ISBN-13:  978-3-455-00651-3

Der Autor

Wie wäre es, würde man nicht für jedermann sichtbar alt werden? Stattdessen immer so aussehen als wäre man 30? Jung also, attraktiv, makellos, keine Augenringe, kein Doppelkinn, keine Chickenwings an den Armen. Sich das auszumalen, hat etwas ähnlich Faszinierendes, wie sich zu überlegen, was man mit einem Millionen-Lotto-Gewinn machen würde.

Die Handlung

Im Mittelpunkt dieses Romans steht so ein Frauen-Wunder: Betty, die mit sechzig noch so jung aussieht, dass die Leute ihren erwachsenen Sohn für ihren alternden Liebhaber halten. Die ihrer Freundin Odette beim Altwerden und Faltenkriegen zusieht und sich nichts lieber wünscht, als so auszusehen wie sie. Betty hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren, 30 war die Mutter. Und 30 bleibt Betty jetzt viele Jahre lang, gleichbleibend schön. Sie konsultiert viele Ärzte, aber es gibt keine medizinische Erklärung für dieses Phänomen. Immer jung bleiben? Warum kann das irgendwann auch eine Bürde sein? Warum könnte es wichtig sein, zu erleben, dass Attraktivität und Schönheit langsam verblassen und etwas anderes an ihre Stelle tritt?

Die Bewertung

Es ist eine spannende Geschichte, die der Franzose Delacourt erzählt. Nicht als schönes Märchen geschrieben, sondern sehr nahe an der Wirklichkeit. Bettys Leben ist nicht nur bunt und fröhlich, sie lebt mit einem Vater, der schwerverletzt aus dem Krieg zurückkommt, für dessen Traurigkeit sie erst sehr spät eine Erklärung findet. Schicksalsschläge, die es durchaus in Bettys Leben gibt, werden fast beiläufig erzählt, was diesem Roman eine feine Leichtigkeit und Gelassenheit gibt. Das Happy End wird sehr geschickt versteckt, nur in ein paar Zeilen angedeutet. Das Alter und die Frauen, ein Buch, von einem Mann geschrieben. Keine Kritik, aber ein Gedanke beim Lesen. Wieviel anders würde eine Frau eine solche Geschichte erzählen? Würde sie einen anderen Verlauf nehmen, hätte sie ein weniger rosarotes Ende? Wie gut weiß ein fast 70jähriger Autor wie das ist, mit den Frauen und dem Älterwerden? Ich glaube, eine Menge. Vom Hörensagen ganz sicher. Jedenfalls bedankt sich Grégoire Delacourt am Ende bei mindestens drei Dutzend Frauen. Darunter bei Christine Lagarde, der Präsidentin der europäischen Zentralbank. Und sie ist immerhin Mitte 60. „Das Alter ist ein Triumph“ heißt der letzte Satz des Romans. Kann ich bestätigen. Jedenfalls meistens.

Stand: 14.11.2019, 16:51

Startseite

Frau tv in den Sozialen Medien