Buchtipp: "Otto"

Buchtipps vom 12.09.2019

Von Christine Westermann

Buchtipp mit Christine Westermann: Otto Frau tv 12.09.2019 01:35 Min. UT Verfügbar bis 12.09.2020 WDR

Titel: Otto
Autor: Dana von Suffrin
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN-10: 3-462-05257-8
ISBN-13:  978-3462052572

Die Autorin

Dana von Suffrin, ist 34 Jahre alt, in München geboren. Studierte in München, Neapel und Jerusalem. Arbeitete als Museums- und Stadtführerin in München . Wurde vor zwei Jahren an der Uni München promoviert, wo sie auch zur Zeit arbeitet. Otto ist ihr erstes Buch, ihr literarisches Debüt.

Die Handlung

Die Geschichte beginnt in einem Münchner Krankenhaus, springt zurück in die Vergangenheit, in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, in den Zweiten Weltkrieg, um wieder in München bei Otto und seinen Töchtern zu landen. Otto, der Mann, der dem Roman seinen Namen gab, ist Jude, geboren in Siebenbürgen, dem Holocaust irgendwie entkommen. Er ist der Bestimmer, ein Patriarch, ein unerträglicher Besserwisser, der Frauen inklusive seiner Ehefrau, beharrlich aus seinem Leben vergrault. Er manipuliert seine Mitmenschen, Distanz, Höflichkeit, Rücksichtnahme sind ihm völlig fremd. Eine Heimsuchung eben, wie es so treffend im Buch heißt. Am Ende seines Lebens angekommen, wird er zum Pflegefall, und will von seinen beiden erwachsenen Töchtern Babi und Timna vor allem eines: ich verlange, dass ihr immer für mich da seid. Na dann mal los.

Die Bewertung

Eine leicht verstörende Familiengeschichte, bei der man anfangs schon mal gleich grinsen muss, aber zögert, weil man sich nicht sicher ist, ob lachen erlaubt ist. Mit solchen Überlegungen kann man sich nicht lange aufhalten. Man muss lachen, weil die Autorin mit soviel leisem Sarkasmus schreibt. Stiller, schwarzer Humor, der fast unbemerkt daherkommt, und wenn man ihn bemerkt, ist er schon um die Ecke verschwunden, um sich erneut an zu schleichen. Dana Suffrin erzählt aus dem Leben einer Familie, wo alles und zu jeder Zeit in Schräglage ist. Wo die Tochter Timna versucht, dem ganzen Balance und Halt zu geben. Aussichtsloses Unterfangen, sie scheitert immer wieder aufs Neue, versucht dabei noch irgendwie selbst, ein Stück vom Leben abzukriegen. Otto, das ist ein Patriarch mit hohem Nervfaktor. Und dennoch, und das ist das kleine Kunststück, das diesem Buch gelingt, versteht man, warum man diesen Mann auch lieben muss . Lieben kann. Otto, das ist eine Verbeugung vor einem Vater, der sein Bestes versucht. Was ER für das Beste hält. Eine feine Lektüre für Töchter und Väter hat. Und für Familien, in denen einer wie Otto der Bestimmer sein will.

Stand: 11.09.2019, 22:57

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