Buchtipp: "Der Sommer Meiner Mutter"

Buchtipps vom 21.02.2019

Buchtipp: "Der Sommer Meiner Mutter"

Titel: Der Sommer meiner Mutter
Autor: Ulrich Woelk
Verlag: C.H.Beck
ISBN-10: 3-406-73449-9
ISBN-13: 978-3-406-73449-6

Der Autor

Der Autor: schreibt nicht nur ausgezeichnet, er ist auch studierter Astrophysiker. Für dieses Buch, dessen Rahmenhandlung sich um die erste Mondlandung der Amerikaner dreht, eine geniale Kombination, denn er kann verständlich, spannend und ohne dass es zu wissenschaftlich würde, von diesen Ereignissen erzählen. Der erste Roman von Ulrich Woelk erschien vor fast dreißig Jahren und wurde damals mit dem „aspekte“-Literaturpreis ausgezeichnet. Seine Romane werden unter anderem ins Englische, Französische, Chinesische und Polnische übersetzt.

Die Handlung

Die Handlung: schon der erste Satz des Buches ist ein Paukenschlag: „Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“ Warum sich die Mutter von Tobias das Leben nimmt, wird man erst am Ende des Romans erfahren. Vorher spekuliert man, man ahnt etwas, aber wird mit dieser Vermutung komplett falsch liegen. Tobias ist elf Jahre alt, begeistert sich für den Mond, die Raumfahrt, fiebert der ersten Mondlandung entgegen. Sein Vater ist Ingenieur, die Mutter Hausfrau, man ist katholisch, wohnt in Köln -Porz im Haus mit Garten. Alles scheint ihn bester Ordnung. Ist es aber nicht. Das wird deutlich , als im Nebenhaus die etwas anderen Nachbarn einziehen, politisch engagiert, der Mann Philosophieprofessor, seine Frau Übersetzerin, die 13-jährige Tochter heißt Rosa, weil die Eltern Rosa Luxemburg verehren. Die Familien freunden sich an, die Kinder auch. Aber zwischen einer 13 jährigen und einem Elfjährigen ist es keine Kinderfreundschaft. Es ist mehr.

Die Bewertung

Ein Roman, in dem schon zu Beginn klar ist, das am Ende eine Tragödie steht. Könnte einen dazu bewegen, mit dem Lesen erst gar nicht anzufangen. Aber das wäre ein Fehler. Es ist ein ungemein beeindruckender, berührender Roman, der von seiner großen Stille lebt. Eher spröde, lakonisch, kein bisschen dick aufgetragen erlebt man, wie eine scheinbar harmonische Familie sich auflöst. Wie ein Elfjähriger zu verstehen versucht, was Liebe meint. Wie sich seine Mutter nicht länger nur Hausfrau sein will. Keine Lust hat, mit ihrem Mann zu schlafen, nur weil er es will. Wie das zu einem still ausgetragenen Machtkampf führt, auch weil die neuen Nachbarn so ganz anders leben. Wie die traditionelle Rollenverteilung einer Familie in Frage gestellt wird, die Mutter arbeiten und Jeans tragen will. Der Junge, heißt es an einer Stelle, spürte, dass sich die Mutter verändern will, und er war sich nicht sicher, ob das gut für ihn ist. Tobias fiebert in diesem Jahr, in dem sich alles für ihn verändern wird, der Mondlandung entgegen und genau in jener Nacht, als der erste Amerikaner den Mond betritt, passiert….nein, das darf man nicht preisgeben, das muss man unbedingt selbst lesen.

Stand: 21.02.2019, 20:07

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