„Vater und Macht, ist das ein Widerspruch?“

Die beiden Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefehring und Cornelia Möhring

„Vater und Macht, ist das ein Widerspruch?“

Die Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering (SPD), Siemtje Möller (SPD), Bärbel Bas (SPD) und Cornelia Möhring (DIE LINKE) haben einige unserer Fragen zum #Ungleichland schriftlich beantwortet.

Als Frau in der Politik – spielt ihr Geschlecht eine Rolle?

Siemtje Möller: „In den ersten Sitzungswochen im Bundestag wurde ich häufig bei den ersten Treffen von Männern jeden Alters angesprochen und gefragt, für welchen Abgeordneten ich arbeite. Dass ich selber Abgeordnete sein könnte, schienen diese Herren nicht erwogen zu haben: Ich frage mich wirklich, wie vielen männlichen und insbesondere älteren MdB Kollegen das so passiert.“

Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller

Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (Bildquelle: Deutscher Bundestag / Thomas Koehler/photothek)



Michelle Müntefering: „Auch im Journalismus sind Klischees und Sexismus noch weit verbreitet. Schon mit 19 Jahren erlebte ich, wie Berichte mehr mein Aussehen, als meine politische Meinung thematisierten. 
Nach der Heirat mit Franz brachen dann alle Dämme - eine Überschrift  lautete ‚Pin-up für Genossen.‘”

Bärbel Bas: „Als ich mich Ende der 80er Jahre um einen Ausbildungsplatz in technisch-orientierten Betrieben beworben habe, kamen viele Absagen mit der Begründung: Die sanitären Anlagen sind nicht auf weibliche Auszubildende zugeschnitten. Im Klartext: Es gab keine Damenklos. Das war ziemlich frustrierend, einen Ausbildungsplatz wegen seines Geschlechtes nicht zu bekommen – obwohl natürlich die eigene Bewerbung und die eigenen Zeugnisse zählen müssen.“

Die SPD- Abgeordnete Bärbel Bas

Die SPD- Abgeordnete Bärbel Bas (Foto: Benno Kraehahn)

Mutter und Macht – ist das ein Widerspruch?

Siemtje Möller: „Nein. Vater und Macht, ist das ein Widerspruch?“

Cornelia Möhring: „Nein, das ist kein Widerspruch, zumindest kein natürlicher. Unsere gesellschaftlichen Strukturen verhindern aber, dass Frauen mit Kindern in machtvolle Positionen kommen. Das bricht zwar sehr langsam auf, aber die Voraussetzungen, die es für Macht braucht, sind immer noch höchst ungleich verteilt: Zeit und/oder die finanziellen Mittel, sich Zeit zu schaffen, in dem Sorge- und Betreuungsarbeit ausgelagert werden. Eine alleinerziehende Mutter mit einer Teilzeitstelle in der Pflege hat sicherlich keine Kraft und Energie, nebenher die politische Karriereleiter emporzuklimmen, und zu wenig freie Stunden für all die Abendtermine, bei denen geklüngelt wird.“

Stand: 21.12.2017, 11:01