Läuft bei Dir – Was tun, wenn die Blase schwächelt?

Läuft bei Dir – Was tun, wenn die Blase schwächelt? Doc Esser - Der Gesundheitscheck 13.10.2021 44:29 Min. UT Verfügbar bis 13.10.2022 WDR

Doc Esser – Der Gesundheits-Check

Läuft bei Dir – Was tun, wenn die Blase schwächelt?

Von Tina Jakob

Ähnlich wie ein Ballon dehnt sich die Harnblase, wenn sie sich füllt. So hilft sie dabei, dass wir nicht ständig auf Toilette müssen. Doch wenn sie „streikt“, wird es schmerzhaft und unangenehm. Den Urinfluss nicht kontrollieren zu können – für Betroffene nicht nur mit Scham verbunden, sondern im Alltag auch eine extreme Belastung. Mehr als vier Millionen Deutsche leiden darunter. Dabei können viele Probleme gut behandelt werden.

Schwache Blase

Wenn sich die Blase ungewollt entleert, dann ist das für die Betroffenen ausgesprochen unangenehm. Los geht es meist mit einigen Tropfen Urin, die abgehen, bis zu hin zu Situationen, in denen sich der gesamte Blaseninhalt komplett und unkontrolliert ergießt.

Kann das Entleeren der Blase willentlich nicht unterdrückt werden, heißt das in der Medizinsprache Harn- oder Blaseninkontinenz. Es gibt sie in unterschiedlichen Formen:

  • Reflexinkontinenz: Eine Schädigung des Rückenmarks, wie etwa bei Menschen mit Querschnittslähmung, führt zu einer Störung des Blasenschließmuskels. Bei Personen mit Reflexinkontinenz kommt es so zu einer unangekündigten Entleerung der Blase.
  • Dranginkontinenz: Wenn nur kleine Urinmengen in der Harnblase gespeichert werden können, bevor das Bedürfnis des Wasserlassens entsteht, spricht man von einer Dranginkontinenz. Ursachen hierfür sind neurologische Erkrankungen wie Demenz oder multiple Sklerose, aber auch eine Prostatavergrößerung bei Männern.
  • Stress- oder Belastungsinkontinenz: Ist der Blasenverschluss durch eine erschlaffte Beckenbodenmuskulatur geschwächt, kann der Urin beim Husten, Lachen oder Niesen nicht gehalten werden. Man spricht hier von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz.

Fitter Beckenboden

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Beckenorgane trägt und den Bauchraum unten abschließt. Wird der Druck im Bauchraum ruckartig erhöht, sorgt der Beckenboden normalerweise durch automatisches Anspannen dafür, dass wir nicht „auslaufen“. Ist er kraftlos, funktioniert der Mechanismus nicht mehr – man nässt ein.

Das Bild zeigt eine Übung, die den Beckenboden trainiert.

Sowohl Männer als auch Frauen haben einen Beckenboden. Bei Frauen wird der Muskel im Laufe des Lebens aber meist stärker strapaziert. Maßgeblich wirken sich Schwangerschaft und Geburt aus. Aber auch fehlende Hormone während der Menopause lassen den Beckenboden erschlaffen. Bei Männern kann eine Prostatakrebs-Operation Auswirkungen auf die Funktion der Blase haben. Manchen Betroffenen ist ihre Blasenschwäche so peinlich, dass sie den Gang zum Arzt meiden. Doch keine falsche Scheu! Oft kann mit Therapien geholfen werden oder zumindest durch den Einsatz von Hilfsmitteln dafür gesorgt werden, dass man trotz Blasenschwäche im Alltag nicht allzu eingeschränkt ist oder sie sogar wieder komplett los wird.

Training

Das Bild zeigt Doc Esser und Protagonisten bei Sportübungen gegen Blasenschwäche.

Wer gänzlich ohne Hilfsmittel auskommen möchte, dem hilft vor allem Beckenbodentraining. Denn das stärkt die Muskeln im unteren Bereich des Beckens, die unter anderem die Blase stützen. Gerade bei einer leichten Belastungsinkontinenz ist das sinnvoll. Dabei werden die Beckenbodenmuskeln aktiv angespannt und die Übungen (wie zum Beispiel das richtige Anheben und Tragen von Gegenständen) mehrmals täglich wiederholt. Das klassische Beckenbodentraining wird dabei in der Regel von Physiotherapeuten begleitet und die Kosten von den Krankenkassen erstattet. Eine weitere Option ist zum Beispiel das Training nach der sogenannten Cantienica-Methode. Anders als ein reines Beckenboden-Training, dass sich vor allem die äußere Ebene des Beckenbodens konzentriert, ist die Cantienca-Methode ein Ganzkörpertraining.

Dabei geht es vor allem darum, den sogenannten Organheber zu stärken, der Enddarm, Gebärmutter und Blase trägt. Die Übungen, die oft im Sitzen und Liegen ausgeführt werden, trainieren u.a. die Rumpfkraft. So soll die Spannung im Oberkörper gehalten und der Beckenboden entlastet werden können. 

Das Bild zeigt eine vaginale Sonde.

Neben diesen Trainingsformen kann auch der Einsatz eines Elektrostimulationsgeräts sinnvoll sein. Dabei wird eine Sonde in Stabform, die über Kabel mit einem kleinen Handmonitor verbunden ist, vaginal eingeführt (bei Männern rektal). Diese Sonde dient in diesem Fall als eine Art ‚Kontrollstab‘: Werden einzelnen Muskeln angespannt, leiten die im Stab eingebauten Sensoren die Impulse an den Handmonitor weiter, der diese Signale mittels einer Skala optisch darstellt. Über das „Biofeedback“ bekommen Anwender mit der Anspannung der richtigen Muskeln eine visuelle Rückmeldung. So können sie ein besseres Gefühl für ihre Beckenregion entwickeln und diese anschließend gezielter trainieren.

Hilfsmittel

Sowohl für den Mann als auch für die Frau gibt es zahlreiche Optionen, die unkontrollierten Tropfen dezent ‚aufzufangen‘. Was für wen geeignet ist, hängt vom eigenen Körper, von den eigenen Vorlieben und der Menge des Urinverlustes ab.

Mittel für den Mann:

  • Kondomurinal: Das Prinzip erinnert an ein gewöhnliches Kondom. Über einen verbundenen Schlauch kann der Urin dezent in einen Beinbeutel ablaufen.
  • Penisklemme: Die Harnröhre wird von außen manuell komprimiert, so dass der Urin nicht ablaufen kann. Bei richtigem Gebrauch können keine Schäden entstehen.
Das Bild zeigt Hilfsmittel für Blasenschwäche bei Männern.

Mittel für die Frau:

  • Inkontinenz-Tampons: Ähnlich wie ein Tampon wird er zunächst in die Scheide eingeführt. Von dort aus wird die Harnröhre bei körperlicher Belastung gestützt, wodurch der Urin leichter gehalten werden kann.
  • „Liebeskugel“: Mithilfe der Kugel kann der Beckenboden im Alltag trainiert werden. Ziel ist es, die kleinen Gewichte durch Muskelkraft im Körper zu halten.
  • Darüber hinaus gibt es saugende Hilfsmittel und Vorlagen. Praktische Einwegprodukte sind vor allem für diejenigen eine Hilfe, die etwas mehr Urin verlieren. Im Vergleich zu alten Modellen sind die modernen Produkte saugfähiger und hautfreundlicher. Für Betroffene, die nur hin und wieder ein paar Tropfen verlieren, gibt es in der Drogerie oder im Sanitätshaus praktische Inkontinenz-Unterwäsche. Diese sind im Inneren mit einem zusätzlichen Stoff verstärkt, der den Urin aufsaugen kann.
Das Bild zeigt Hilfsmittel für Blasenschwäche bei Frauen.

Das verrät der Urin über unsere Gesundheit

Das Bild zeigt mögliche verschiedene Farben menschlichen Urins.

Meist will man den Urin schnell loswerden – doch vor dem Abspülen ergibt ab und an ein kurzer Blick darauf durchaus Sinn, denn unser Urin steckt voller Informationen und sagt eine Menge über den aktuellen Zustand unseres Körpers aus. Zum Beispiel darüber, ob die Nieren gut arbeiten, man Diabetes hat oder ein Baby erwartet. Insgesamt etwa 1,0 bis 1,5 Liter Urin scheidet ein Erwachsener täglich aus. Normalerweise besteht der Urin – ähnlich wie Körperschweiß – zu einem Großteil aus Wasser. Darüber hinaus sind unter anderem Harnstoff und -säure, Salze und Hormone enthalten.

Auch giftige Stoffe und Substanzen, die der Organismus nicht verwerten kann, werden mit dem Urin aus dem Körper geschwemmt. Verändert sich der Urin, kann das auf ein Ungleichgewicht im Körper hinweisen – etwa durch eingenommene Stoffe wie Alkohol, oder durch Krankheiten. Riecht der Urin beispielsweise nach Hefe oder Ammoniak, kann das auf Nierenprobleme hindeuten. Ein fischiger Geruch kann hingegen ein Anzeichen einer sonst häufig symptomlosen Chlamydien-Infektion sein.

Neben dem Geruch sind vor allem die Farbe und Konsistenz des Urins aufschlussreich. Eine Verfärbung kann zum Beispiel ein Anzeichen einer Blasenentzündung, Infektion oder sogar eines Blasentumors sein.

Die Urin-Farbskala

Unter normalen Umständen sieht der Urin eines gesunden Menschen hellgelb bis gelb aus. Weicht er plötzlich von dieser Färbung ab, muss nicht zwangsläufig eine ernste Ursache dahinterstecken. Auch Lebensmittel wie rote Beete können einen Einfluss haben. Gleiches gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.

Ist der Urin jedoch über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich gefärbt, und ist dies nicht durch Speisen, Getränke oder Arznei zu erklären, dann sollte vorsorglich ein Mediziner zu Rate gezogen werden.

  • Farblos – Zu viel getrunken: Wer grundlos ständig starken Durst verspürt, sollte sich auf Diabetes testen lassen.
  • Hellgelb/gelb – Ausreichend getrunken: Alles in Ordnung, so soll der Urin eines Gesunden aussehen.
  • Bierfarben – Etwas zu wenig getrunken: Kein Grund zur Sorge, aber es sollte mehr getrunken werden. Lediglich Morgenurin darf etwas konzentrierter sein.
  • Bernsteinfarben – Deutlich zu wenig getrunken: Der Körper braucht dringend Wasser! Die Farbe ist ein Zeichen für Dehydrierung oder eine Lebererkrankung.
  • Rot – Blut im Urin: Wenn Lebensmittel als Ursache ausgeschlossen werden können, dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.
  • Grün oder Blau – Bakterien im Harntrakt oder seltene genetische Erkrankung: Auch Medikamente und Lebensmittel können diese ungewöhnlichen Farbtöne erzeugen.
  • Schwarz – Hinweis auf einen Tumor: Schwarzer Urin sollte unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden.
  • Schaumig – Falsche Ernährung oder Nierenerkrankung: Treten die Bläschen im Urin dauerhaft auf, sollte das bei einem Arzt abgeklärt werden.

Die optimale Trinkmenge hängt von unserem Alter, der Körpergröße und dem Aktivitätslevel ab. Auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Laut offizieller Empfehlung sollte ein gesunder Erwachsener im Schnitt etwa 1,5 Liter am Tag trinken. Sportliche Betätigungen erhöhen den Verbrauch entsprechend.

Blasenentzündungen – Wer ist besonders gefährdet?

Brennt, sticht und schmerzt es beim Wasserlassen, liegt das möglicherweise an einer Blasenentzündung. Häufigster Auslöser dafür sind Kolibakterien. Sie sind Teil der menschlichen Darmflora und können hier sogar nützlich sein. Gelangen sie jedoch in die Blase, können sie das Organ krank machen.

Das Bild zeigt

Jede zweite Frau erkrankt einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Damit sind Frauen viermal so häufig betroffen wie Männer. Gründe dafür liegen in den unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten der Geschlechter:

  • Abstand zwischen Harnröhre und Darmausgang: Bei Frauen liegen diese beiden Mündungen deutlich näher zusammen als bei Männern.
  • Länge der Harnröhre: Bei Männern führt die Harnröhre durch den Penis und ist etwa 20 Zentimeter lang. Bei Frauen mündet sie oberhalb des Scheidenausgangs und hat nur eine Länge von circa 3-5 Zentimeter.

Die Darmbakterien können bei der Frau also viel schneller von der Harnröhre in die Harnblase aufsteigen. In der Blase angekommen, docken sich die Erreger mit ihren Greifarmen an und verursachen die typischen Symptome.

Die richtige Behandlung bei Blasenentzündung

Generell gilt: Wer erstmals eine Blasenentzündung hat, Schmerzen hat oder unsicher ist, sollte bei einer Blasenentzündung einen Arzt aufsuchen. Häufig werden Blasenentzündungen antibiotisch behandelt. Dabei ist es wichtig, das jeweilige Präparat mit Bedacht zu wählen. Denn es gibt gravierende Unterschiede zwischen den Substanzklassen mit teils erheblichen Nebenwirkungen für den Patienten.

Antibiotikum ist nicht gleich Antibiotikum

Das Bild zeigt Antibiotika gegen Blasenentzündung.

Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt empfehlen die Leitlinien spezifische Antibiotikaklassen (d.h. mit schmalem Wirkungsspektrum). Diese wirken zielgerichtet auf die Erreger der Blasenentzündung und haben wenig Nebenwirkungen. Außerdem ist das Risiko geringer, dass die Bakterien Resistenzmechanismen entwickeln und das Antibiotikum an Wirkkraft verliert. Denn trotz hoher Wirksamkeit kann es unter Einsatz bestimmter Antibiotikaklassen (Fluorchinolone, Cephalosporine) mit breitem Wirkungsspektrum langfristig zu Resistenzbildung und schlimmstenfalls sogar zu Nerven- und Sehnenschäden kommen. Diese Präparate sollten daher nur bei einem komplizierten Harnwegsinfekt oder einer Nierenbeckenentzündung eingesetzt werden.

Alternativen zur Antibiotika-Therapie

Doch nicht immer sind Antibiotika notwendig. Leichte bis moderate Blasenentzündungen können mit alternativen Präparaten behandelt werden:

  • Pflanzliche Mittel: Tripelkombinationen aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckel und Rosmarin vereinen alle Eigenschaften, die auch ein Antibiotikum hat: Sie wirken krampflösend, schmerzlindernd und antientzündlich.
  • Zuckersubstanz D-Mannose: Die Zuckermoleküle im Präparat blockieren die Ärmchen des Kolibakteriums, so dass sich diese nicht mehr an die Blasenwand anheften können und als Zucker-Bakterien-Komplex ausgeschieden werden. Wichtig bei der Alternativtherapie ist allerdings, auf Warnsignale des Körpers zu achten. Das heißt: Fühlt sich der Patient zunehmend schlechter und entwickelt sogar Fieber oder Schüttelfrost? Dann sollte unbedingt erneut ein Arzt aufgesucht werden.

Chronischen Infekten vorbeugen

Vier Prozent aller Frauen kämpfen mehrfach im Jahr mit Blasenentzündungen. Mediziner sprechen in diesen Fällen von sogenannten rezidivierenden Infekten. Bei dieser chronisch-wiederkehrenden Form ist vorbeugendes Handeln entscheidend – und das folgt einem klaren Stufenplan:

1. Verhaltensmaßnahmen:

  • ausreichend trinken
  • Blase regelmäßig und vollständig entleeren
  • innerhalb von 15 Minuten nach dem Sex Wasser lassen
  • nach dem Stuhlgang von „vorn nach hinten“ säubern
  • keine übermäßige Intimhygiene
  • Baumwollunterwäsche tragen und diese bei 60°C waschen
  • Unterkühlung vermeiden

2. Immunprophylaxe mittels Impfstoff

3. langzeitantibiotische Therapie

Auch die Wechseljahre begünstigen wiederkehrende Blasenentzündungen. Sinkt der Östrogenspiegel, verändert sich der pH-Wert in der Scheide. Die Schleimhaut wird anfälliger und Bakterien können leichter in die Harnblase aufsteigen. In solchen Fällen können Hormone als Zäpfchen oder Salbe verabreicht werden.

Stand: 11.10.2021, 15:21

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