Gesunde Füße für alle – trainieren statt operieren

Gesunde Füße für alle – trainieren statt operieren

Wir kommen mit gesunden Füßen zur Welt, doch was wir daraus machen, ist erschreckend. Zweidrittel, also die große Mehrheit, aller Deutschen sind von Fußproblemen betroffen. Operationen bringen nicht immer eine Besserung und sind ein massiver medizinischer Eingriff.

Doc Esser sucht nach sanfteren Methoden und stellt fest: Das richtige Training beginnt im Kopf. Dadurch kann man tatsächlich schmerzhafte Fehlstellungen korrigieren.

Aufklärung durch Fußdruckmessung

Das Bild zeigt ein Diagramm einer Fußfehlstellung.

Unsere Füße sind wahre Wunderwerke. Sie tragen unseren gesamten Körper, federn im Durchschnitt täglich 2.520 Tonnen durch Bewegung entstehendes Gewichtes ab und melden dank tausender Nervenenden jede Veränderung des Untergrundes an unser Gehirn. Mit Hilfe einer Fußdruckmessplatte können Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten oder Mediziner einen genauen Blick auf unsere Füße und unseren Gang werfen.

Beim Barfußlaufen über die mit Sensoren ausgestattete Platte zeichnet ein Computer in zwei- und dreidimensionalen graphischen Zeichnungen exakt die Druckbelastung auf. Genauer: Die Maximalkraft des Auftritts, die Kontaktfläche sowie die Kontaktzeit des Fußes, der Spitzendruck und die Ganglinie werden dargestellt und analysiert.

Auf diese Weise können die Füße und der Bewegungsablauf vermessen und Fußprobleme herausgefunden werden. So lassen sich Fußfehlstellungen und Fehlbelastungen der Körperachsen feststellen und in einem zweiten Schritt mittels Therapieansätzen oder speziellen Sohlen und Schuhen behandeln. Die Fußdruckmessung, auch Pedographie genannt, kann in verschiedenen Sanitätshäusern und sportmedizinischen Einrichtungen ab ca. 30 EUR durchgeführt werden.

Fußfehlstellungen

Durch die ununterbrochene Belastung sind Schmerzen in den Füßen ein ernstzunehmendes Symptom. Gefährlich werden die Fehlstellungen, wenn sie gar nicht oder zu spät erkannt werden oder bereits Auswirkungen auf Knie- und Hüftgelenke haben. Die häufigsten Fußfehlstellungen im Überblick:

  • Spreizfuß: Verbreitert sich der Vorfuß und klaffen daher die Mittelfußknochen zunehmend auseinander, entsteht der sogenannte Spreizfuß, der auch in einen Hallux valgus übergehen kann. Übergewicht und ein schwaches Bindegewebe, aber vor allem das Tragen hoher und spitzer Schuhe begünstigen die Verformung des Vorfußes. Schmerzen in den Füßen, insbesondere beim Gehen, sind häufig mit dem Spreizfuß verbunden. Auch fällt es vielen Betroffenen schwer, bequeme Schuhe zu finden, da sie meist an den Seiten drücken.
  • Knick-Senkfuß: Bei dieser Fehlstellung senkt sich zunächst das Längsgewölbe, die Innenseite des Fußes, ab. Damit einhergehend ist häufig auch das Abknicken des Fußes zur Innenseite.
  • Plattfuß: Die Kombination von Spreiz- und Knick-Senkfuß ist meist die Auswirkung geschwächter Sehnen und Bänder. Auch Übergewicht oder Rheuma können die Fehlbildung begünstigen. Zur Krankheit wird der Plattfuß, wenn Schmerzen entstehen, die Innenseite des Fußknöchels anschwillt oder sich entzündet.
  • Hallux rigidus: Bezeichnet eine vererbbare oder durch Verletzungen oder Fehlbelastungen hervorgerufene Erkrankung, bei der der große Zeh steif ist und Schmerzen bereitet.
  • Hallux valgus: Bei der auch als Ballenzeh bekannten Fehlstellung verschiebt sich der erste Mittelfußknochen zum inneren Fußrand. Dadurch verbreitert sich der vordere Fußteil ähnlich wie beim Spreizfuß, gleichzeitig nähert sich der große Zeh den mittleren Zehen an: Es kommt zum typischen Aussehen. Nicht immer bestehen hier Schmerzen im Fuß, oft scheuern die Schuhe jedoch an der verdickten Stelle und verursachen dadurch Beschwerden.

In den meisten Fällen kann ein Arzt bereits mittels Blickdiagnose feststellen, ob und um welche Fußfehlstellung es sich handelt. Bei einem Verdacht oder Schmerzen in den Füßen, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen und sich zu möglichen Behandlungen und Therapieansätzen beraten lassen.

Das richtige Training

Das Bild zeigt eine Frau beim Fußtarining.

Bestimmte Sportarten, die sprungintensive oder ruckartige Bewegungen erfordern, vererbbare körperliche Faktoren wie verkürzte Sehnen oder Muskeln und schließlich äußere Einwirkungen, beispielsweise unpassendes Schuhwerk oder langes Stehen, können zu Fußfehlstellungen führen. Ist es einmal so weit, helfen therapeutische Maßnahmen, bevor es zu medizinischen Eingriffen kommen muss. Spezielle Trainings wie das der Neuroathletik sind perfekt geeignet, um schnell Erfolge zu erzielen. Um Fußfehlstellungen vorzubeugen, sollten Sie die folgenden Tipps aber bereits im Vorfeld beherzigen:

  • Bequemes Schuhwerk und möglichst selten High-Heels tragen: Sneaker dämpfen leicht und haben eine flexible Sohle. So bleiben Fuß und Gelenke mobil und die Haltung wird verbessert.
  • Laufschuhe nicht im Alltag nutzen: Die Nerven in den Füßen werden durch die starke Dämpfung so sehr geschont, dass Fehlbelastungen in Knie, Hüfte und Rücken auftreten können.
  • Fuß-Übungen in den Alltag integrieren.
  1. Setzen Sie sich hin und spreizen Sie die Zehen für einige Sekunden so weit wie Sie können auseinander. Ziehen Sie die Zehen anschließend so kräftig wie möglich zusammen. Wiederholen Sie beide Varianten fünfmal.
  2. Stellen oder setzen Sie sich und ziehen Sie den großen Zeh so nah wie möglich an den Körper bzw. nach oben, ohne dass die anderen Zehen vom Boden abheben. Wiederholen Sie die Übung einige Male.
  3. Im Anschluss drehen Sie die Übung um: Der große Zeh bleibt am Boden, die restlichen Zehen ziehen Sie nach oben in Richtung Körper. Auch hier einige Wiederholungen.
  • Barfußlaufen – immer, wenn es geht: Stärkt die Füße und verbessert Kraft und Funktionalität. Sie können sich leicht angewöhnen, zu Hause ohne Socken und Hausschuhe zu laufen. Vermeiden Sie allerdings barfuß zu laufen auf gefährlichem Untergrund (Glasscherben, Splitter, etc.).

Mit Spiraldynamik gegen den Hallux Valgus

Ist bereits ein Hallux valgus vorhanden, kann das Prinzip der Spiraldynamik helfen, bevor es zu einem operativen Eingriff kommen muss. Als Grundlage des Konzeptes dient die Erkenntnis, dass die Knochen, Bänder, Muskeln und Faszien des menschlichen Körpers wie eine Spirale funktionieren. Dem Drehwinkel kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Der Fuß als Beispiel: Durch Drehung und Gegendrehung von Vor- und Rückfuß und diverse Muskelbögen entsteht ein spiralartiges Fußgewölbe, das auf die lebenslängliche Belastung ausgerichtet ist.

Das Bild zeigt wie mit Spiraldynamik gegen den Hallux Valgus vorgegangen wird.

Das Therapiekonzept der Spiraldynamik hilft, gesunde Bewegung zu lernen und gleicht damit einer Gebrauchsanweisung für den eigenen Körper. Es kann Fehlstellungen und -belastungen nicht nur heilen, sondern wirkt sich auch präventiv auf die Haltung aus. Für den gesamten Körper anwendbar, ist die Spiraldynamik unter anderem eine ideale Behandlung für einen Hallux valgus im Anfangsstadium. Durch gezieltes Beinachsentraining und spezielle Übungen, wird die Muskulatur im Vorfuß, das muskuläre Quergewölbe, wieder aufgebaut und die Deformation geht zurück. Viele Physiotherapeuten haben sich mittlerweile auf das Prinzip spezialisiert und bieten Einzelstunden oder auch Tageskurse an. Die Einzelbehandlung erfolgt auf privatärztliches Rezept und kostet pro Trainingsstunde ca. 90 EUR. Dabei wird das bisherige Bewegungsfehlverhalten diagnostiziert und mit speziellen Übungen, die in den Alltag integriert werden können und täglich angewendet werden sollten, in gesunde Bewegung umgewandelt.

Barfuß - der neue Trendschuh

Das Bild zeigt einen Fuß auf einer Blumenwiese.

Schuhe sind nicht nur modisches Accessoire, sondern erfüllen auch eine Schutzfunktion. Trotzdem, sagen Sportmediziner, überwiegen die Vorteile des Barfußgehens. Neuen Studien zufolge gibt es sogar einen Unterschied in der Physiognomie, je nachdem, ob Menschen in ihrer Kindheit häufig Schuhe trugen oder häufiger barfuß liefen. Dazu wurden die Füße von Kindern und Jugendlichen aus Deutschland, einem klassischen „Schuh-Land“ und Südafrika, wo das Barfußlaufen unabhängig vom sozialen Status sehr verbreitet ist, untersucht. Die Kinder aus Deutschland neigten deutlich öfter zu einem Plattfuß während die südafrikanischen Kinder weiter springen und besser balancieren konnten. Da die Stellung der Füße erwiesenermaßen auch ausschlaggebend für eine gesunde Hüfte und Körperhaltung ist, kann das Barfußlaufen im Kindesalter also insgesamt zur körperlichen Leistungsfähigkeit beitragen.

Die richtige Pflege

Um seine Füße richtig zu pflegen, braucht es nicht massenhaft Equipment, wie uns die Werbung meist suggeriert. Am besten fährt man mit einfachem Präzisionswerkzeug.

  • Eine Feile: zum Kürzen der Nägel
  • Ein Bimsstein: zum sanften Entfernen der Hornhaut
  • Höchste Vorsicht ist bei dem Hornhauthobel geboten: Wenden Sie sie nicht selbst an, da die Verletzungsgefahr sehr groß ist. Nur ausgebildete Podologen dürfen zu dem Werkzeug greifen.

Ein Fußbad vor der Pflege sowie das Eincremen danach, sollten zum Verwöhn-Programm dazu gehören.

Stand: 15.07.2019, 18:15