Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck!

Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck! Doc Esser - Der Gesundheitscheck 27.10.2021 44:34 Min. UT Verfügbar bis 27.10.2022 WDR

Doc Esser – Der Gesundheits-Check

Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck!

Teil 2/3 - So kann Venenleiden vorgebeugt werden

Bei fast 80 Prozent aller Deutschen schwächeln die Venen in den Beinen im Laufe ihres Lebens. Knapp ein Fünftel davon ist genetisch vorbelastet, die übrigen Venenleiden sind erworben und könnten vielleicht vermieden werden.

Denn wer sich tagtäglich wenig bewegt und dazu viel sitzt oder steht, provoziert sein Venenproblem quasi selbst. Die Regel lautet daher:

L wie Laufen und Liegen ist gut,
S wie Sitzen und Stehen ist schlecht!

Regelmäßige Bewegung

Um unsere Venen agil zu halten, ist regelmäßiges Bewegen der Beine unabdingbar. Ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause oder nach Feierabend hilft, die Venenpumpe in Gang zu setzen. Je mehr und je öfter wir gehen, desto besser. Die 6.000 bis 10.000 Schritte-Regel der WHO ist dafür ein guter Richtwert.

Wer seine Venen optimal unterstützten möchte, kann zusätzlich seine Beinmuskulatur trainieren. Stramme Muskeln in den Waden komprimieren die Venen und sorgen dafür, dass das Blut schneller in Richtung Herz transportiert wird.

Auch Joggen ist mit Krampfader kein Problem, klärt Professor Markus Stücker, Direktor des Venenzentrums am Bochumer Maria-Hilf-Krankenhaus, auf. Für diesen Mythos gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.

Kompression

Kompression kann aber auch von außen erfolgen - mittels Kompressionsstrümpfe. Das Prinzip dahinter: Durch Druck sollen die schlaffen Venen zusammengehalten werden und die schwachen Klappen so müheloser schließen.

Das Bild zeigt einen medizinische Kompressionsstümpfe.

Dabei ist es wichtig, auf die genaue Warenbezeichnung zu achten. Während handelsübliche Stützstrümpfe überall den gleichen Druck ausüben, sitzen medizinische Kompressionsstrümpfe (z.B. aus dem Sanitätshaus) am Knöchel enger und weiten sich nach oben hin. Es gibt sie in unterschiedlichen Stärken - je nach Grad des Venenleidens.

Kraft des Wassers

Ob bei Sport oder Kompression – ein Element dient dem Körper besonders: Wasser. Hiervon sollte nicht nur ausreichend getrunken werden, um das Blut im Fluss zu halten - auch das Bewegen im Wasser ist gut für die Beine. Denn unter Wasser werden die Beine durch den Wasserdruck automatisch komprimiert. Wird sich dazu noch im Wasser bewegt, profitieren die Beine doppelt.

Das Bild zeigt Wassertreten in einer Wanne.

Zu Hause helfen Wechselduschen und Wassertreten (in Wanne oder Eimer). Der Umschwung von Wärme auf Kälte lässt die Gefäße abwechselnd weiten und zusammenziehen. Dieser Mechanismus fördert die Leistung der Venen und kann Symptome mildern.

Fußgymnastik

Auch für die Dauer zwischen den Sporteinheiten brauchen die Venen die Unterstützung der Wadenmuskelpumpe, um gut arbeiten zu können. Vor allem gilt das, wenn wir beruflich lange Zeit sitzen oder stehen. Denn bereits nach 1,5 Stunden sitzen beginnt sich das Blut in den Beinen zu stauen.

Wer dann nicht vom Schreibtisch weg kommt, kann seine Venen mit einfachen Übungen wie Fußwippen zwischendurch trainieren. Dazu einfach im Sitzen oder Stehen auf die Zehenspitzen stellen und die Ferse bis kurz vor den Boden absenken. Die Übung sollte mehrmals täglich so lange wiederholt werden, bis ein leichtes Ziehen in der Wade spürbar ist.

Zudem sollten, wo es geht, die Beine hochgelegt werden. So muss das System nicht gegen die Schwerkraft arbeiten.

Die richtigen Schuhe

Im Alltag sollten möglichst flache Schuhe getragen werden. Der Grund: Wer lange auf hohen Absätzen geht, verringert die Wirkung der Wadenmuskelpumpe, da der Fuß flach aufsetzt und nicht abrollt. High-Heels und Plateau-Schuhe sollten daher die Ausnahme bilden.

Das Bild zeigt eine Person, die auf einer Wiese barfuß gehen.

Zuhause sollte am besten barfuß gelaufen werden. Das regt zusätzlich die Fußsohlenpumpe an. Beim Auftreten und Abrollen des bloßen Fußes werden so die Gefäße der Füße regelrecht ‚ausgepresst‘ und somit der Rückfluss des Bluts zum Herzen unterstützt.

Die aufgeführten Maßnahmen dienen zum einen der Prävention, können aber auch bei bestehenden Krampfadern helfen, die damit verbundenen Beschwerden zu lindern.

Venenpräparate

In Apotheken und Drogerien werden ergänzend auch Salben und Tabletten zur Venenstärkung angeboten. Diese Präparate lassen die Krampfadern nicht verschwinden, können aber bei den damit verbundenen Beschwerden helfen. Venenspezialist Professor Markus Stücker hat selbst Studien dazu ausgewertet und erklärt, dass bei Einnahme von Tabletten mit Wirkstoffen aus Rosskastaniensamen oder rotem Weinlaub ein Rückgang der Schwell-Neigung nachgewiesen werden konnte. Gele und Salben haben dagegen meist nur eine kühlende Wirkung.

Passende Produkte sollte man sich am besten ärztlich empfehlen lassen, zahlen muss man sie allerdings selbst. Trotzdem: Die Pille für die Vene ist maximal ein Add-On zur Therapie, stellt der Spezialist klar. Damit allein lässt sich keine Venenschwäche beheben. Wer eine Venenschwäche bei sich feststellt, erste Anzeichen von Krampfadern erkennt, sollte diese auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen, um gegebenenfalls notwendige Maßnahmen und Behandlungen einzuleiten.

Stand: 27.10.2021, 17:00