Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck!

Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck! Doc Esser - Der Gesundheitscheck 27.10.2021 44:34 Min. UT Verfügbar bis 27.10.2022 WDR

Doc Esser – Der Gesundheits-Check

Gesunde, schöne Beine - der große Venencheck!

Dicke Knöchel, Besenreiser und Krampfadern – was rasch als rein kosmetischer Makel abgetan wird, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal des Körpers. Denn geschwollene Beine deuten meist auf eine Venenschwäche hin. Ein weit verbreitetes Defizit, das unbehandelt zu Thrombosen oder gar lebensbedrohlichen Lungenembolien führen kann. Wer ist gefährdet und wie kann man vorbeugen?


Venen sind Gefäße, die Blut aus dem Körper zum Herzen transportieren. Neunzig Prozent der Blutmenge im venösen System tragen die tiefen Venen, die eingebettet in der Muskulatur verlaufen und dort das Blut einsammeln. Die oberflächlichen Venen bilden ein dichtes Netzwerk direkt unter der Haut und leiten das Blut von dort zurück.

Die Herausforderung: Insbesondere im Stehen muss das venöse Blut gegen die Schwerkraft fließen. „Pumpen“ sind allein unsere Muskeln, sofern sie sich bewegen. Damit das Blut nicht nach unten absackt, gibt es vor allem in den Venen der Arme und Beine sogenannte Venenklappen, die wie Rückschlagventile arbeiten.

Ist die Funktionsweise gestört, fließt das Blut in die falsche Richtung zurück und staut sich.  Weiten sich dadurch die kleinen Venen in der obersten Hautschicht, sehen wir sie als Besenreiser. Sind dickere Gefäße betroffen, entstehen Krampfadern.

Krampfadern – in der Medizin als Varizen bezeichnet – gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Deutschen. Unterschieden werden zwei Arten des Krampfaderleidens:

  •  Primäre Varikose: Diese Form ist entsteht durch Blutstau infolge von schwachen Venenwänden oder eingeschränkt funktionierenden Venenklappen. Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann in Deutschland ist davon betroffen. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter.
  • Sekundäre Varikose: Die Schwächung der Venenwand entsteht hier oft als Folge einer tiefen Beinvenenthrombose. Durch den (stückweisen) Verschluss wird der Großteil des Blutes aus den tiefen Venen über die oberflächlichen Gefäße umgelenkt. Der Druck in den übrigen Gefäßen steigt, die Venenwände werden überdehnt und die Venenklappen können nicht mehr richtig arbeiten. Diese Variante des Krampfaderleidens kommt deutlich seltener vor.
Das Bild zeigt Krampfadern am Fuß.

Wie entsteht eine Thrombose?

Üblicherweise gerinnt Blut nicht, solange es in Bewegung bleibt. Bei Patienten mit schwachen Venen ist dieser Strom dagegen verlangsamt. In Folge dessen können sich Blutplättchen im Gefäß festsetzen und an der betroffenen Stelle zunehmend verklumpen.

Das Blutgerinnsel, der sogenannte Thrombus, verschließt die Vene dabei teilweise oder sogar vollständig und führt zum Blutstau im betroffenen Körperteil. Das Tückische: Die akute Venenthrombose ist zunächst kaum bemerkbar. Erst die schrittweise Blockade sämtlicher Zuflüsse führt zu Symptomen wie:

  • ansteigenden, chronischen Schwellungen
  • krampfartigen Beinschmerzen
  • Schwere- und Spannungsgefühl
  • Krampfadern
  • Hautverfärbungen am Unterschenkel
  • Geschwüre am Knöchel

Löst sich das Blutgerinnsel von der Venenwand, kann es die Lunge erreichen und dort ein Blutgefäß verschließen – es kommt zur Lungenembolie. Im schlimmsten Fall wird das Herz dadurch so überlastet, dass es zum Herzstillstand kommt.

Risikofaktoren einer Thrombose

Die Gefahr, an einer Venenthrombose zu erkranken, ist individuell sehr verschieden und kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören:

  • verminderte Fließgeschwindigkeit des Blutes durch geringe Pumpleistung des Herzens, Einnahme bestimmter Medikamente oder Flüssigkeitsmangel
  • Mangel an gerinnungshemmenden Faktoren
  • eingeschränkte Beweglichkeit durch lange stehende oder sitzende Tätigkeiten, eine längere Bettruhe oder das Ruhigstellen der Extremitäten
  • Abdrücken der Venen durch Tragen zu enger Kleidung, Überschlagen der Beine oder starkes Übergewicht

Auch Schwangerschaften und die Einnahme der „Anti-Baby-Pille“ stehen mit der Entstehung einer Venenthrombose in Zusammenhang. Zudem steigt das Risiko mit zunehmendem Lebensalter sowie durch den Konsum von Alkohol und Nikotin.

Sollten in der Familie häufig Thrombosen auftreten, kann dies ein Indiz für das eigene genetische Risiko sein. In dem Fall kann ein Bluttest zur Bestimmung des persönlichen Gerinnungsfaktors Aufschluss über die damit verbundene Thrombosegefahr geben.

Stand: 27.10.2021, 17:00