Endlich Abnehmen

Doc Esser – Der Hausbesuch Doc Esser - Der Gesundheitscheck 28.07.2021 44:42 Min. UT Verfügbar bis 28.07.2022 WDR

Doc Esser – Der Hausbesuch

Endlich Abnehmen

Seien wir mal ehrlich: Wenn es um Bewegung, Ernährung und Stress geht, können wir alle etwas Unterstützung gebrauchen! Doc Esser kommt zu den Familien nach Hause und bleibt über Nacht. So kann er das Leben in der Familie hautnah miterleben. Ausflüchte und Schönreden, wie es bei der kurzen Begegnung in der Arzt-Sprechstunde möglich ist, lässt der Doc nicht durchgehen.

Der erste "Patient" ist Familienvater Sebastian. Bei dem 41-Jährigen Architekten haben in den letzten Jahren vor allem Stress im Beruf und eine einseitige Ernährung dafür gesorgt, dass er einiges an Gewicht zugelegt hat. Und zwar so viel, dass sich nicht nur seine Frau Kristin und die zwei Kinder Sorgen um seine Gesundheit machen, sondern auch Doc Esser. Gemeinsam mit Ernährungswissenschaftlerin Anja Tanas und Fitnesscoach Eike Zywietz wird ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm entwickelt, das die Pfunde bei dem stark übergewichtigen Vater purzeln lässt.

Wie viel Körperfülle ist noch gesund? BMI und Bauchumfang

In Deutschland sind rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen gilt sogar als stark übergewichtig, also adipös. Doch wie viel Körperfülle ist normal, ab welchem Punkt sollte man abnehmen, weil man nicht einfach „nur ein paar Pfunde“ zu viel auf den Rippen hat? Der sogenannte Body-Mass-Index, kurz BMI, ist die gebräuchlichste Formel um das festzustellen. Neuerdings weiß man, dass die Fettverteilung im Körper auch eine große Rolle spielt und nimmt den Bauchumfang zusätzlich als Maßstab zur Einordnung des individuellen Gesundheitsrisikos.

Der Body-Mass-Index ergibt sich aus der Formel "Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern". Mit einem Taschenrechner oder einem BMI-Rechner im Netz ist das leicht zu berechnen. Laut WHO beginnt Übergewicht bei einem Wert von 25, Fettleibigkeit (Adipositas) bei 30. Ein Beispiel: 41-jähriger Mann mit einem Körpergewicht von 153 Kilogramm hat bei einer Körpergröße von 1,84 Metern einen BMI von 45,5 und ist damit stark übergewichtig. Das Gefährliche daran ist, dass damit auch das Risiko für weitere Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes enorm steigt. Der BMI ist ein erster Anhaltspunkt, ob mit dem eigenen Körpergewicht alles in Ordnung ist. Das Alter spielt aber auch eine Rolle, der Stoffwechsel verändert sich und inzwischen gilt für Menschen zwischen 55 und 64 Jahren ein BMI zwischen 23 und 28 als gesund.

Da der BMI in der Regel weder zwischen den Geschlechtern noch zwischen Fett und Muskelmasse unterscheidet und auch nicht das Alter berücksichtigt, wird er häufig kritisch betrachtet. Wer z.B. viel Sport treibt und deshalb viel schwere Muskelmasse besitzt, kann mit der Berechnung des BMI fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft werden. Trotzdem ist der BMI eine schnelle und einfache Methode, das eigene Körpergewicht einzuordnen. Insbesondere, wenn man ihn als Richtwert betrachtet. Neueren wissenschaftlichen Einschätzungen zufolge, ist neben dem BMI vor allem auch der Bauchumfang ein wichtiger Hinweis, um die Gesundheitsgefährdung durch Übergewicht besser einordnen zu können. Damit kann man selbst relativ einfach bestimmen, ob das gefährliche Bauchfett zu viel ist. Es ist hormonaktiv und produziert Stoffe, die das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.

Bei Frauen sollte der Bauchumfang nicht mehr als 80 Zentimeter sein, bei Männern nicht mehr als 94 Zentimeter. Zeigt das Maßband mehr an, steigt das Erkrankungsrisiko. Wer über 88 bei den Frauen und 102 bei den Männern aufweist, hat ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Gemessen wird übrigens am besten am Morgen, etwa auf Nabelhöhe, wenn man gerade ausgeatmet hat - also nicht den Bauch einziehen oder rausstrecken. Wer seine Taille nicht mehr findet, sollte dies als Alarmsignal deuten, denn mit dauerhaft massivem Übergewicht gerät man schnurstracks in die Falle der Wohlstandskrankheiten.

Beim metabolischen Syndrom aus Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes ist besteht Handlungsbedarf.

Wieso werden wir zu dick?

Wir futtern mehr Kalorien als wir verbrauchen, das ist die einfachste Antwort. Die Frage ist allerdings: warum essen wir zu viel? Die Antwort darauf ist vielschichtig. Essen hat inzwischen nicht nur die Funktion, uns satt zu machen, sondern wird in vielerlei Hinsicht als Ersatzbefriedigung genutzt. Wir essen aus Frust, weil etwas schief ging, weil wir zurückgewiesen wurden, weil wir unter Stress stehen, weil wir uns belohnen wollen - aber auch aus Gewohnheit und Bequemlichkeit.

Alarmsignale sind, wenn man sein Essen - und dazu zählen natürlich auch Snacks, Süßigkeiten und Softgetränke - häufig heimlich verzehrt oder die tatsächliche Menge leugnet oder verschweigt. Betroffenen fällt es sehr schwer, die Grenzen der körperlichen Sättigung zu spüren und ihr Essverhalten zu kontrollieren. Sie fühlen sich den Heißhungeranfällen hoffnungslos ausgeliefert. Solche Essanfälle können die Funktion haben, eine fehlende emotionale und persönliche Zuwendung zu ersetzen oder unerfüllte Bedürfnisse zu befriedigen. Ebenso kann das Essen zur Stressbewältigung eingesetzt werden.

Aufgrund des starken Übergewichts wird oft auch körperliche Aktivität vermieden. Es kommt häufig zu sozialem Rückzug. Menschen mit Adipositas fühlen sich nicht selten sehr gehemmt und haben große Schwierigkeiten neue Kontakte zu knüpfen. Es können sich auch Schamgefühle, emotionale Probleme oder depressive Verstimmungen entwickeln. In diesem Fall sollte man sich unbedingt fachliche Hilfe über seinen Arzt oder direkt bei einem Psychotherapeuten holen.

Was essen wir überhaupt - Das Ernährungstagebuch

Wer Körperfett verlieren und dauerhaft seine Figur halten will, muss natürlich seine Ernährungsgewohnheiten umstellen. Der erste Schritt: ein Ernährungstagebuch führen. Dann lässt sich schnell feststellen, was man überhaupt zu sich nimmt und vor allem: in welchen Mengen. Das kann erschreckend sein, wenn man wirklich ehrlich ist, aber auch gerade dadurch heilsam. Indem wir genau festhalten, was wir wann gegessen haben und wieviel, können wir uns einen Überblick darüber verschaffen, wie unsere Essgewohnheiten tatsächlich aussehen. Oftmals neigen wir dazu, uns selbst zu beschummeln – ein Ernährungstagebuch macht deutlich, an welchen Stellen wir unsere Gewohnheiten aber noch verbessern können.

Günstig ist, wenn man täglich Obst, Gemüse, Vollkornprodukte zu sich nimmt. Die meisten profitieren davon, wenn sie pflanzliche Fette und Proteine zu sich nehmen und tierische Fette und Eiweiße weniger essen. Also eher zu Olivenöl, Hülsenfrüchten und Nüssen greifen als zu Wurst und Fleisch. Ein*e ausgebildete*r Ernährungsberater*in kann helfen, die schlechten Essgewohnheiten durch gesündere Alternativen zu ersetzen – und auch das Ernährungstagebuch auswerten. Darüber hinaus kann ein Speiseplan erarbeitet werden, der ganz individuell auf den Geschmack und die Bedürfnisse der jeweiligen Person zugeschnitten ist. Expert*innen raten davon ab, einfach irgendeinem Ernährungsprogramm zu folgen.

Das individuelle Ernährungsprogramm mit der persönlichen Betreuung ist bei starkem Übergewicht erfolgsversprechender als es auf eigene Faust zu probieren. Es ist wissenschaftlich erwiesen: häufige Diäten machen uns dick. Je einseitiger und reduzierter die Diät ist, desto weniger Chancen haben wir, sie durchzuhalten.

Rezepte von Anja Tanas

Hinweis: Leider können wir nur die gemeinsam mit Sebastian Kuhnhaus gekochten Rezepte zur Verfügung stellen. Der in der Sendung thematisierte zweiwöchige Ernährungsplan ist nach der Auswertung des Ernährungstagebuchs genau auf Sebastian Kuhnhaus‘ Bedürfnisse und Werte abgestimmt und daher nur individuell für ihn anwendbar.

Bewegung – Nicht ohne meinen Doc!

Wer gesund abnehmen will, muss sich mehr bewegen. Wobei der gewichtssenkende Effekt häufig überbewertet wird. So viel mehr Kalorien werden durch Sport alleine nicht verbraucht. Um ein Pfund Körperfett zu schmelzen, muss man ungefähr 3500 Kalorien verbrennen. Wer eine halbe Stunde schnell läuft, verbraucht etwa 400 Kalorien. Aber durch den erzielten Muskelzuwachs steigt auch der Grundumsatz des Körpers, so dass man sowohl beim Training als auch im Ruhezustand mehr Kalorien verbraucht.

Außerdem fühlt man sich auch besser, wenn der Körper straffer und trainierter ist. Gut ist eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Das kann Walken, Schwimmen, Radfahren oder Joggen sein, kombiniert mit Krafttraining zu Hause, Übungen mit dem eigenen Körper oder im Fitnessstudio an Geräten. Manche genießen aber auch Outdoortraining im Wald und nutzen Bänke und Holzstämme für Liegestütz und Kniebeugen mit Gewicht. Bevor es losgeht, ab zum Hausarzt und ein körperlicher Check-Up. So kann herausgefunden werden, welche Belastung für die jeweilige körperliche Konstitution sinnvoll, gesund und besonders effektiv ist.

Was ist eine Herzschallung?

Um ein genaues Bild vom Herzen zu erhalten, kann ein Kardiologe, also ein Herzspezialist, unterschiedlich verfahren: Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, auch Herzecho oder Echokardiografie genannt, gehört mittlerweile zu den Standard-Untersuchungen. Bei zahlreichen Herzkrankheiten trägt diese schonende Prozedur häufig entscheidend zur Diagnose bei.

Ordnet ein Arzt eine Echokardiografie an, möchte er eventuelle anatomische oder funktionale Veränderung des Herzens untersuchen. Im Anschluss kann er so Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen ziehen, die z. B. mit einer Vergrößerung des Herzens oder einzelner Herzkammern oder Bewegungsstörungen einhergehen.

Ruhe- und Stressechokardiographie

Für gewöhnlich wird die Echokardiologie zunächst einmal im Ruhezustand durchgeführt. Um zu sehen, ob der Blutfluss in den Herzkranzgefäßen oder durch die Herzklappen unter Belastung normal funktioniert oder eingeschränkt ist, kann der Arzt dann noch ein sogenanntes "Stress-Echo" durchführen.

Die Belastung kann entweder direkt auf einem Fahrrad-Ergometer erfolgen, oder durch ein Medikament, das den Stress imitiert. Die Belastung mit Fahrrad-Ergometer (oder Laufband) wird allerdings bevorzugt, da das verabreichte Arzneimittel die Symptome einer Herzerkrankung mildern und so das Ergebnis der Untersuchung verzerren kann.

Stand: 28.07.2021, 11:15