10 Jahre nach Fukushima – Deutschland und die Atomenergie

10 Jahre nach Fukushima: Deutschland und die Atomenergie

die story 17.03.2021 43:54 Min. UT Verfügbar bis 11.03.2026 WDR Von Christiane Henningsen, Björn Platz


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10 Jahre nach Fukushima – Deutschland und die Atomenergie

Kurz nach der verheerenden Reaktorkatastrophe in Fukushima im März 2011 verkündete Angela Merkel den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland. Sie sah die Sicherheit für die Bundesrepublik nicht mehr gewährleistet. Zehn Jahre danach zieht die Story eine kritische Bilanz: Ist die Situation wirklich sicherer geworden? Auch mit Blick auf unsere Nachbarländer, die weiter Atomkraftwerke betreiben? Wie wird der deutsche Ausstiegsbeschluss heute vor dem Hintergrund der Klimakrise bewertet? Wo steht Deutschland in Sachen Atom?

Kernkraftwerk Emsland

Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen ist einer von sechs noch aktiven Atomreaktoren in Deutschland

Das Ziel des Ausstiegs, der im Frühjahr 2011 beschlossen wurde, war die Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke bis 2022. Deutschland entschied sich als erste große Industrienation zu diesem Schritt und wollte damit auch Vorreiter für andere Länder werden. Doch die Realität in Europa sieht bis heute anders aus. Was sind die Gründe dafür? Und wie beeinflusst das die Situation in Deutschland? Auf einer Reise durch die Nachbarländer Belgien und Frankreich suchen  die Story-Autoren nach Antworten und treffen dafür Anti-Atom-Aktivisten, Befürworter der Atomenergie, Wissenschaftler und Kraftwerksbetreiber.

Proteste in Frankreich

Proteste gegen einen Transport von Brennstäben in der Nähe des französischen Atomkraftwerks Flamanville

Der französische Präsident Macron hat erst im Dezember 2020 sein klares Bekenntnis zur Atompolitik noch einmal bekräftigt. Ein neuer Reaktor bei Flamanville befindet sich vor der Inbetriebnahme, andere werden vermutlich folgen. Insgesamt sind dort 56 Druckwasserreaktoren am Netz, die fast 72 Prozent der gesamten Stromproduktion des Landes generieren. In Belgien wurde ein Atomausstieg bis zum Jahr 2025 beschlossen, doch der wird gerade heiß diskutiert. Eine Laufzeitverlängerung einiger Reaktoren über 2025 hinaus ist wahrscheinlich. Der belgische Stromnetz-Experte Prof. Damien Ernst von der Universität Liège, ein klarer Fürsprecher der Atomenergie, hält den Ausstieg für falsch: „Ich will mir nicht vorstellen, dass die Belgier so idiotisch sind, aus der Kernenergie auszusteigen. Denn das bedeutet höhere Strompreise, mehr CO2-Emmissionen und den Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Und das ist das, was auch den Deutschen droht.“ Nahe der Grenze zu Deutschland werden also auch in Zukunft Atomkraftwerke stehen, darunter marode Reaktoren, die schon häufiger mit Störfällen auf sich aufmerksam gemacht haben und ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Protestaktion

10 Jahre nach Fukushima - Deutschland und die Atomenergie

 

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht die Haltung der Nachbarländer kritisch: „Auch Frankreich und Belgien müssen die Frage lösen, wo der ganze Atommüll hin kommt. Jedes Jahr kostet uns das in Deutschland 1 Milliarde Euro und ist damit extrem teuer.“ Gleichzeitig ist auch der deutsche Atomausstieg halbherzig. Hier wird weiterhin Uran angereichert, Brennstäbe werden in die ganze Welt exportiert. Und: Mit der Klimadebatte und dem Problem, Wind- und Solarenergie nicht ausreichend ausbauen zu können, hat die Diskussion um die Kernkraft auch hierzulande neuen Schwung bekommen. Länder wie  Frankreich stehen in ihrer CO2-Bilanz deutlich besser da. Deutschland dagegen ist immer wieder gezwungen, Strom zu importieren – und das ist dann oft Atomstrom aus Frankreich.

10 Jahre nach Fukushima. Die Story fragt: Was bringt der Atomausstieg wegen Sicherheitsbedenken, wenn direkt vor unserer Haustür die Meiler weiterlaufen? Und das auch noch mit Technik und Rohstoffen aus deutscher Herstellung. Wurden die richtigen Entscheidungen getroffen? Ist die Strom-Versorgung ausreichend gesichert? Wie groß ist die Bedrohung durch die Reaktoren an der Landesgrenze?

Ein Film von Christiane Henningsen und Björn Platz

Redaktion: Beate Schlanstein

Stand: 03.03.2021, 15:22