Wenn Orte Angst machen – Leben zwischen Furcht und Fakten

Luftaufnahme des Ebertplatzes in Köln.

Wenn Orte Angst machen – Leben zwischen Furcht und Fakten

Der Ebertplatz in Köln ist über Nacht bundesweit berühmt geworden. Am späten Abend des 14. Oktobers 2017 wird hier ein 22-jähriger Dealer aus Guinea erstochen. Mitten in Kölns Innenstadt. Es ist der traurige Höhepunkt eines Niedergangs: Seit Jahren tummeln sich auf dem Ebertplatz immer mehr Dealer, Obdachlose und Süchtige. Dazu kaputte Rolltreppen, defekte Beleuchtung, ein Brunnen, der seit Jahren nicht mehr sprudelt, und in den Passagen ein durchdringender Gestank. Der Kölner Ebertplatz wird sogar bei Tag gemieden. Ein Alptraum. Ein Angst-Raum. Mitten in der Stadt.

Zwei Polizisten gehen über den Ebertplatz in Köln

Auch der Ebertplatz soll videoüberwacht werden

Ein Einzelfall? Von wegen. Die Dortmunder Nordstadt, das Büchel-Quartier in Aachen – nur zwei weitere Beispiele für viele Orte, an denen sich Menschen in NRW so gar nicht mehr wohl fühlen, wo die Welt aus den Fugen geraten scheint. Wie ist das möglich? Und was kann dagegen getan werden?

Story-Autorin Luzia Schmid wohnt am Ebertplatz, hat die Verwahrlosung hautnah mitbekommen und zeigt in ihrem Film, wie Polizei, Stadtverwaltung und die Zivilgesellschaft gemeinsam versuchen, diesen Ort zurück zu erobern und zu befrieden. Ein Prozess mit vielen Rückschlägen, Höhepunkten und Hoffnungen. Gleichzeitig macht sich die Story-Autorin auf die Suche nach den Ursachen von Angst-Räumen. Wie kommt es, dass es in gefühlt allen NRW-Städten Orte gibt, die Menschen meiden? Und sind Angst-Räume wirklich so gefährlich, wie wir fürchten?

Man sieht eine Polizei-Notruftelefonanlage an einem verwahrlosten Platz

Plätze in NRW: Vielen Menschen machen sie Angst

Neueste Studien belegen: Es ist nicht in erster Linie die Verwahrlosung eines Platzes, die Angst macht. Maßgeblich für Unsicherheitsgefühle und Kriminalitätsfurcht sind soziale Ungerechtigkeit und eine schlechte Durchmischung von Quartieren. Was tun? Im Aachener Rotlicht-Quartier im Schatten des Kaiserdoms streitet man seit Jahren um Konzepte. In Altenessen machte sich ein SPD-Politiker unbeliebt, weil er findet, dass in seinem Viertel nicht noch mehr Ausländer wohnen sollten. In der Dortmunder Nordstadt mit ihren Junkies, Dealern, Alkoholkranken fragt sich Polizeipräsident Gregor Lange, wie man Menschen vermitteln kann, dass zwar bei weitem nicht alles gut ist, aber es eine kontinuierliche Verbesserung gibt.

Fotoaufnhame einer Mauer, an die mit Graffiti "Buy drugs here" gesprüht wurde

Werbung für Drogenverkauf auf einem Platz in Essen

Eine Story über Angsträume und Problemviertel in NRW und den mühsamen Weg zurück zur Normalität, der bislang selten gelingt. Was wäre, so fragt sich die Autorin Luzia Schmid, wenn wir uns entscheiden würden, weniger Angst zu haben?

Ein Film von Luzia Schmid
Redaktion: Martin Suckow

Stand: 27.08.2018, 11:22