Was wird aus meiner Rente?

Was wird aus meiner Rente?

Ein Film von Marko Rösseler und Jörg Laaks

Schon bald könnte jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein - so warnen aktuelle Studien. Bereits in der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages hören nämlich die ersten geburtenstarken Jahrgänge auf zu arbeiten. Die Story untersucht, wie es den deutschen Rentnern heute geht und wie die Zukunft aussehen könnte.

Braungebrannt und gut gelaunt blickt das alte Paar in den mallorquinischen Sonnenuntergang. 5000 Euro Rente haben sie monatlich zur Verfügung, um gemeinsam auf der Insel alt zu werden. „Wir haben uns das aber auch redlich verdient“, sagen sie. Doch zukünftig verfügen wohl immer weniger Rentner über ein derart üppiges Einkommen.

Tatsächlich muss eine zunehmende Anzahl von Senioren längst auf jeden Euro schauen. „Ich kann mir keinen Urlaub leisten“, klagt die 65-jährige Rentnerin aus Mettmann, die zwar 50 Jahre in die gesetzliche Versicherung eingezahlt hat, aber trotzdem nur 900 Euro heraus bekommt. Damit liegt sie nur etwa 100 Euro über der Summe, die der Staat mittellosen Senioren als sogenannte Grundsicherung zur Verfügung stellt. „Ich habe ein Leben lang gearbeitet und bekomme trotzdem kaum mehr als jemand, der nie arbeiten gegangen ist. Das ist doch nicht gerecht“, sagt die 65-Jährige. Um ihren Lebensstandard einigermaßen zu halten, geht sie nebenbei Putzen und teilt sich mit ihrer Tochter eine Wohnung. Privat vorsorgen konnte sie nicht. „Wovon denn? Ich habe nebenbei noch zwei Kinder alleine groß gezogen.“

Schon bald könnte jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein - so warnen aktuelle Studien. Bereits in der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages hören nämlich die ersten geburtenstarken Jahrgänge auf zu arbeiten. Dadurch gerät das das gesetzliche Rentensystem zunehmend unter Druck. Immer mehr Alte wollen versorgt werden, immer weniger Junge zahlen ein. Die Folge: Das Rentenniveau wird sinken.

Martina B. mit Putzutensilien im Hausflur

Nach 50 Jahren Arbeit bekommt Martina B. nur 900 Euro Rente im Monat. Das reicht nicht, deshalb geht sie mehrmals die Woche putzen und lebt bei ihrer Tochter zu Untermiete.

Und der Anteil der Rentner, die Grundsicherung bekommen, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet haben, steigt. Für den, der etwas bei Seite legen konnte, schien zunächst die Riesterrente eine Lösung zu sein. 16 Millionen Menschen haben „geriestert“ – doch heute ist die Enttäuschung groß. Denn das angelegte Geld hat nicht die Erträge gebracht, die von der Versicherungswirtschaft einst in Aussicht gestellt wurden. Das ist auch in der Politik endlich angekommen. „Riester ist gescheitert“, darüber sind sich fast alle politischen Parteien einig. Die Frage ist nur: Welche Konsequenzen ziehen sie daraus? Und wie sollen junge Menschen, die heute mit Schaudern auf ihren Rentenbescheid schauen, für das Alter vorsorgen? Und wer hat dafür überhaupt ausreichend Geld übrig?

Marcel Fratzscher sieht da schwarz. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat erschreckende Zahlen: „Die Vermögen in Deutschland sind ungleich verteilt. 40 Prozent der Deutschen haben heute schon keinerlei Vermögen gebildet, das heißt, sie werden später im Alter komplett vom Staat abhängig sein.“ Aus der Traum vom sonnigen Lebensabend auf Mallorca. Und nicht nur das: Kai-Uwe Groll, Betreiber eines Pflegeheims in Bad Sassendorf rechnet vor: „Heute kostet ein Pflegeplatz in etwa 3500,- Euro monatlich, Eigenanteil 1800 Euro, Tendenz steigend. Wer wird das noch aufbringen können?“ Und er verrät: „Wer heute ein neues Pflegeheim baut, der konstruiert es so, dass aus den Einbettzimmern mit wenig Umbau wieder Mehrbettzimmer gemacht werden können.“ Schließlich ist die Versorgung dort billiger.  Kein schöner Ausblick für die Menschen mit wenig Einkommen, die im Alter pflegebedürftig werden.

Soziale Gerechtigkeit ist eines der wichtigsten Schlagworte im Wahlkampf. Doch welchen Stellenwert hat das Thema Rente überhaupt bei der Bundestagswahl? Und welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Wie geht es den deutschen Rentner heute, und wie den Rentnern der Zukunft? Die Story-Autoren Marko Rösseler und Jörg Laaks sind auf die Suche nach Antworten gegangen.

Autoren: Marko Rösseler und Jörg Laaks
Redaktion: Martin Suckow

Stand: 17.07.2017, 11:42

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22 Kommentare

Neuester Kommentar von "UWE A.", 06.02.2018, 19:55 Uhr:

Warum spricht bei der Rente keiner über den Rentenpunkt? 2012 musste man für einen Rentenpunkt 33002 € pro Jahr verdienen. 2018 simd es schon 37873 €. Ein Rentenpunkt liegt zur Zeit bei 31,03 €. Somit würde jemand der immer pro Jahr einen Rentenpunkt erreicht hat, nach z. B. 40 Jahren 1241,20 € an Rente bekommen. Ich würde mir wünschen das man die Leute über den Rentenpunkt mehr aufklären würde.

Kommentar von "AP", 01.01.2018, 09:33 Uhr:

Ohne Rentenbeitrag hat man die besten Karten. Beamte und Politiker halten sich daran und sind gut beraten.

Kommentar von "Obpf", 29.12.2017, 23:12 Uhr:

Was erhält ein Arbeitnehmer mit ehemals unterem - mittlerem Einkommen an Rente der 48 Jahre in Vollzeit gearbeitet hat? angenommener Renteneintritt: Mitte 2017. Bundesland NRW, Hessen der Bayern Hierzu sollte die Deutsche Rente, oder die Wirtschaftsredaktion vom WDR, einen realen Rentenbetrag nennen damit hier eine saubere Diskussion in gang gebracht werden kann. Alles andere ist stochern im Neben.

Kommentar von "Sigrid Sattek", 27.12.2017, 13:47 Uhr:

Gesetzliche freiwillige Krankenversicherung ist das Problem -Rente und Altersvorsorge wird brutal mit Krankenversicherungsbeiträgen belastet und die gesetzlichen Regelungen die dies noch unterstützen sollten schnellsten überarbeitet, abgeschafft bzw. rückgängig gemacht werden

Kommentar von "Obpf", 20.12.2017, 22:25 Uhr:

Hier wird von jeder Seite erheblich geflunkert. Eine echte Basis für einen beispielhaften Rentenbezug folgende Erwerbsbiographie: 3 Jahre Lehrzeit und 44 Jahre in Vollzeit erbracht im niederen bis mittleren Einkommensbereich. Wenn diese Person mit dem Renteneintritt in 2017 nicht auf 1500 Euro kommt muss eine neue Berechnungssystematik geschaffen werden. Interessant wäre auch die Rentenhöhe eines VW Bediensteten aus Wolfsburg mit gleichen Einkommensbereich und der gleichen Arbeitszeit wie oben. Nur hier hatte ich noch bei keiner offiziellen Stelle eine Auskunft erhalten. Dass wäre ein echter Beitrag zum Thema. Ständig Personen mit erheblichen Erwerbsbüchen als Beispiel anzuführen hilft der Sache nicht echt. Außerdem muss für jeden Selbstständigen eine verpflichtende Altersversorgung eingeführt werden. Hier gibt es katastrophale Fälle.

Kommentar von "Tadros , J.", 15.12.2017, 11:51 Uhr:

Ich wundere mich , ein reiches Land , wie Deutschland und die staerkeste Wirtschaft in Europa hat, ein so schlechtes Rentensystem hat im Vergleich zu den Nachbarlaendern , wie z.B. Oesterreich , das viel besseres Rentensystem hat als Deutschland, sodass man keine Sorgen hat im Alter und in Deutschland von einer vermehrten Altersarmut immer spricht und die deutschen Arbeitnehmer spaeter mit boesen Ueberraschungen begegnet werden diesbezueglich! Was machen eigentlich die dafuer zustaendige Politiker ? schlafen sie tief in ihren Hoehlen und leere Versprechungen geben?

Kommentar von "Manfred Reffel", 14.12.2017, 19:50 Uhr:

Ich bin 70 Jahre alt und bekomme heute ganze 600,- EUR an Rente. Nun ist meine Frau ebenfalls 70 Jahre alt und sie darf auch nicht mehr arbeiten. Sie war zuletzt als Reinigungskraft halbtags tätig. (450,-EUR) . Seit Ihren Rentenalter darf Sie auch nicht mehr arbeiten. Ich bin seit 1969 schwer krank und durfte nach einem gerichtlichen Beschluss nicht mehr arbeiten. (Hirntumor) Sozialamt bekomme ich auch nichts. Denn ich solle erst mal unser Haus verkaufen. Wir haben noch 5 Jahre Zeit um meinen Kredit abzubezahlen. Wir mussten ein unserer Bank nachfragen ob wir das Minimum abzahlen dürfen. Heute zahlen wir 450,- EUR monatlich plus all die vielen Nebenkosten! Wie kann man uns helfen?

Kommentar von "Di e Rente ist sicher ...", 08.12.2017, 23:45 Uhr:

hat Minister Norbert Blüm immer gesagt, nur in welcher Höhe? :D Nun ja, die Gretchenfrage steht oben im Text: Was für Lösungen bietet die Politik? Einen schönen 2. Advent!

Kommentar von "cord", 29.11.2017, 02:32 Uhr:

Der neue Schäuble ist Herr Spahn von der CDU. Ihm geht es um eine gute Statistik für die BRD, und die belegt, dass es dem Land gut geht. Wer nach 45 Jahren Arbeit eine Rente am Rande der Sozialhilfe erhält hat keinen Grund mehr den schönen Märchen der gut versorgten "Eliten " zu glauben. Für den hat sich Leistung n i c h t gelohnt. Nur Verluste der "Volksparteien" bei Wahlen können die Politiker zum Umdenken bewegen. Schade, aber es ist die einzige Form der Gewalt, die der Bürger hat. Die Verzweifelten am Flaschen Container hoffen nur noch auf die Erhöhung des Dosenpfandes.

Kommentar von "Rob", 03.09.2017, 16:10 Uhr:

Unsere Regierung hat Geld für alle Menschen nur nicht für das eigene Volk welches das Geld einbringt und um ihren Lohn betrogen wird. Den Ministern und Kanzlerin ist dies aber egal, sie bezahlen nichts aus eigener Kasse und geben nichts auf ihr Volk welches sie bezahlt! Jeder Ausländer kommt zu uns weil sie alles in den Hintern geblasen bekommen ohne etwas dafür getan zu haben da unsere Regierung ein Haufen selbstsüchtiger Blender sind. Armes deutsches Volk was ist aus dir geschehen!

Kommentar von "Anonym", 03.09.2017, 03:22 Uhr:

da ist es wieder, das Märchen von der Alterspyramide!!! Die Rente ist eine Verteilungsfrage!! Es gibt Geld wie Dreck. Die Vermögenden/Unternehmer sind der Meinung, dass die Produktivität ihnen gehört und dass die Rente aus dem Faktor Arbeit gezahlt werden muss. Falsch!! Der Faktor Kapital muss massiv besteuert werden, dasn gibt es auch Geld für eine anständige Rente. Kapiert das endlich.!