Trans* - Der schwierige Weg ins eigene Geschlecht

die story 29.06.2022 44:17 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Christian Pietscher


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Trans* - Der schwierige Weg ins eigene Geschlecht

Stand: 25.05.2022, 16:01 Uhr

„Ich bin trans“ - immer häufiger hört man, dass Jugendliche von sich selbst sagen, dass sie sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. Die Zahlen derjenigen, die deswegen eine Therapie machen, sind in den letzten zehn Jahren stark angestiegen. Leiden diese jungen Menschen massiv unter ihren Geschlechtsmerkmalen, können sie medizinisch behandelt werden. Sie erhalten Hormone und können sich geschlechtsangleichenden Operationen unterziehen - mit oft irreversiblen Folgen.

Eine unglaublich schwierige Entscheidung für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern. Was steckt dahinter? Wann ist der Einsatz von Pubertätsblockern, die teils schon ab dem Grundschulalter gegeben werden, gerechtfertigt? Sind es wirklich vor allem Mädchen, die ihr Geburtsgeschlecht ablehnen? Ist das ein gesellschaftlicher Hype, wie Alice Schwarzer und andere behaupten? Oder wird hier gerade ein Tabu gebrochen? Sind alle Diagnosen, die gestellt werden, auch fundiert und helfen tatsächliches psychisches Leiden zu lindern? Welchen Expert:innen soll man glauben: Soll man lieber abwarten? Oder mit endgültigen Therapien starten? Und wann sind medizinische Eingriffe gerechtfertigt?

Die Story geht diesen Fragen nach und erzählt die Geschichten von Jugendlichen, die einen hautnahen Einblick geben...

… von Noah, einem Trans-Jungen, der sich mit 15 als „trans“ outete und dem dann seine Mutter verbot, Fußball zu spielen. Er war so verzweifelt, dass er versuchte, sich das Leben zu nehmen. Und doch: Seitdem er angefangen hat, seine Rolle als Junge zu leben, ist er „aufgeblüht“ – wie er sagt. Er macht eine Testosteron-Therapie, und der 17-Jährige will mehr. Von einem Chirurgen will er sich die Brüste amputieren lassen.

Mutter, Vater, Bruder und Schwester stehen in ihrem Garten.

Familie Gleisenberg aus Lindenberg i. Allgäu. Julanas Eltern freuen sich über ihre glückliche Tochter und unterstützen sie auf ihrem Weg ins empfundene Geschlecht.

….von Julana, einem Trans-Mädchen, dem schon im Kindergarten klar war, wie es sich fühlt . Julanas Eltern brauchten einige Jahre, bis sie erkannten, was mit ihrem Kind los ist. Jetzt ist Julana 11 und soll mit Pubertätsblockern behandelt werden, damit aus ihr kein Mann wird. Ist das der richtige Weg?

Junge steht auf einem Hügel.

Leon Gärtner (18 Jahre) aus Diebach in Unterfranken. Er ist wütend und traurig, wenn er seinen weiblichen Körper im Spiegel sieht. Beim Surfen im Netz hat er für sich erkannt, dass er trans ist. Für eine Angleichung an das männliche Geschlecht ist er bereit, eine Testosteron-Therapie anzufangen.

… von Leon, der es überhaupt nicht „cool“ findet, trans zu sein. Wenn der 18-Jährige täglich im Spiegel seine weiblichen Geschlechtsmerkmale sieht, ist er einfach nur wütend und traurig.

Frau steht am Ufer des Rhein.

Sabeth (28 Jahre) lebt in Köln und studiert Elektrotechnik. Sie lebt wieder als Frau – so wie sie geboren wurde. Ihre Trans-Phase hat lebenslange Spuren hinterlassen: eine tiefe Stimme und keine weibliche Brust mehr. Sie warnt davor, sich zu schnell für geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe zu entscheiden.

…. und von Sabeth, die auf die große Befreiung gehofft hat. Mit 21 ging es mit Testosteron los, zwei Jahre später die Brustamputation. Jetzt mit 28 weiß sie, es war die falsche Entscheidung mit lebenslangen Folgen. „Von Frau zu Mann zu Frau“ – warum musste ihr das passieren?

Eine Story über den schwierigen Weg von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins eigene Geschlecht.

Ein Film von Christian Pietscher
Redaktion: Sophie Schulenburg