Stadt sucht Bürger - wie sich Altena gegen das Schrumpfen stemmt

Stadt sucht Bürger:innen: Wie sich Altena gegen das Schrumpfen stemmt

die story 10.11.2021 44:10 Min. UT Verfügbar bis 09.11.2099 WDR Von Marko Rösseler


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Stadt sucht Bürger - wie sich Altena gegen das Schrumpfen stemmt

„Schauen Sie sich das an,“ schwärmt Bürgermeister Uwe Kober und deutet mit ausladender Geste auf die wunderbare Kulisse: Die Altstadt Altenas am Fluss, darüber thront majestätisch die Burg, drum herum die dunklen Wälder des Sauerlands. „Das ist doch ein Traum!“.

Der Bürgermeister zeigt auf die Altstadt Altena und den Fluss

„Schauen Sie sich das an,“ schwärmt Bürgermeister Uwe Kober und deutet mit ausladender Geste auf die wunderbare Kulisse: Die Altstadt Altenas am Fluss, darüber thront majestätisch die Burg, drum herum die dunklen Wälder des Sauerlands. „Das ist doch ein Traum!“.

Tatsache ist, wer nicht auf dem Berg steht, sondern treppab in die Innenstadt geht, der sieht überall leere Geschäfte, eine verwaiste Fußgängerzone, bröckelnde Fassaden. Ja, Altena ist spitze – im Schrumpfen. 1970 lebten hier noch 32.000 Menschen, heute zählt die Stadt nur noch 16.500 Einwohner. Negativ-Rekord in NRW! Prognosen sagen: Das wird so weitergehen. Aber stimmen die? Gibt es da nicht diesen neuen Trend, wonach es viele gefrustete Großstädter wieder aufs Land ziehen soll, weil jenseits der Metropolen das Wohnen billiger, die Luft besser und dank Internet auch das Arbeiten von daheim möglich ist? Von einer „Renaissance der Provinz“ ist da bereits die Rede – und weil Altena mit dem Problem des Schrumpfens nicht allein ist, machen sich viele Kommunen Hoffnung. Doch am Beispiel dieser Stadt zeigt die Story: Hoffnung allein reicht nicht, denn die Probleme sind riesig. Zwar lassen sich in Altena Wohnungen für 3,50 Euro pro Quadratmeter mieten - allein sie entsprechen oft nicht mehr den heutigen Standards. In der Innenstadt stehen Gründerzeit-Villen für fast nichts zum Verkauf, gleich daneben rotten die verlassenen 70er Jahre Bausünden. Flussaufwärts der Lenne verfällt malerisch die „Schwarzenstein-Brache“ – wo einst über 3000 Menschen arbeiteten, wachsen nach vier Jahrzehnten Stillstand die Birken aus den Fenstern. Arbeit gäbe es in Altena genug – die hier verbliebenen Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften. Aber der Besitzer einer Drahtzieherei sagt kopfschüttelnd: „Die pendeln lieber aus der Großstadt als nach Altena zu ziehen.“ Wie also Leute hierherlocken? Die Stadt hat da einen verwegenen Plan: Wie wäre es mit einem halben Jahr Probewohnen und -arbeiten in Altena. Wohnungen gibt’s fast gratis und einen Arbeitsplatz dazu. Ein Angebot an Pioniere, die wissen wollen wie es ist, in einem Städtchen zu leben, in dem die Mitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr oder den Schützen irgendwie dazu gehört, wo aber im Gegenzug beim Hochwasser alle ganz selbstverständlich mit anpacken. Ein Film über Prognosen, Erwartungen, Hoffnungen einer kleinen Stadt, die sich bemüht, das Beste aus allem zu machen.

Ein Film von Marko Rösseler
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 27.09.2021, 15:29