Liebe, Sex, Tabu, weltweit: So lebe ich, so liebe ich

die story 23.02.2022 44:18 Min. UT Verfügbar bis 26.01.2025 WDR Von Xenia Böttcher, Susanne Glas, Rebecca Kirkland, Sophie von der Tann, Ina Ruck, Daniel Satra


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So lebe ich, so liebe ich - Liebe, Sex, Tabu - weltweit

Stand: 17.02.2022, 15:13 Uhr

Es ist das eine, das alle Menschen verbindet. Wir alle sind dadurch entstanden. Trotzdem reden wir normalerweise nicht so offen darüber. Für manche ist es völlig normal, für andere ein großes Tabu. Wie läuft Sex in den verschiedenen Ländern der Welt? Eine Reise durch verschiedene Kontinente: Wie funktionieren Liebe, Heiraten, sich selbst verwirklichen?

Yuze Ma in der Maske

Yuze Ma kann seine Homosexualität im Alltag nicht offen leben. Heute erfüllt er sich einen Traum und nimmt an einem Drag Queen Wettbewerb teil.

In China wird das traditionelle Rollen- und Familienmodell groß geschrieben. Aber was, wenn man anders liebt? Yuze Ma führt ein Doppelleben. Der Student aus Shanghai ist homosexuell, aber dies offen zu leben traut er sich nicht. Zu groß ist der Druck in der Gesellschaft. Immer wieder sucht der 21-Jährige nach Möglichkeiten, er selbst zu sein, wie bei einem Auftritt in einer Drag Queen Show. Auf Verständnis seiner Familie kann er nicht setzen. "Wenn Sie mich in meinem Kostüm sehen würden, dann würde ich einfach behaupten, das bin ich nicht", so Yuze Ma.

Nancy Ortiz aus Mexiko hingegen würde alles dafür tun, dass sich ihre Tochter selbst verwirklichen kann. Die alleinerziehende Mutter hat einen anderen Lebensweg gewählt als den, den sich ihre Eltern gewünscht haben. Emanzipiert, jenseits der Traditionen, als studierte Juristin. "Mein Vater denkt, ich hätte an der Uni mit 200 Männern geschlafen. Er sagte mir, ich sei nichts mehr wert", so Nancy. Dabei zeigt das Beispiel ihrer Tante Adelaida, dass eine Hochzeit auch nicht immer alles besser macht. Adelaida wird, wie so viele andere Frauen auch in Mexiko, von ihrem Mann betrogen. Er hat eine Zweitfrau und mit ihr auch Kinder, wollte sogar, dass Adelaida die kennenlernt. Das „große" und das „kleine" Haus, nennen sie das in Mexiko. Das Rollenverständnis dahinter: Der Mann als Macho, Frauenheld und Ernährer.

Doch nicht alle finden das heute noch richtig so, wie zum Beispiel Jaime Sainz, Bauleiter aus Mexiko-City. Er sagt, er war der klassische Macho, hat seine Frau betrogen und sich mit Nachbarn geprügelt. Heute macht er eine „Macho-Therapie", versucht mit Hilfe von Therapeut Ricardo Ayllon weg zu kommen, von dem alten Rollenbild, das noch in so vielen Köpfen in Mexiko vorherrscht.


Itzakh Ravitz und seine Frau Rivka wiederum versuchen möglichst alles genauso zu machen wie ihre Vorfahren. Sie sind ultraorthodoxe Juden und leben nach strengen Regeln, die gelten auch im Liebesleben. „Mir reichte beim ersten Treffen eine Viertelsekunde, um zu wissen, dass wir uns verloben," sagt Itzakh Ravitz. Die beiden wurden von einer Heiratsvermittlerin einander vorgestellt, nach dem vierten Treffen hat auch Rivka der Verlobung zugestimmt. Mittlerweile sind sie seit 25 Jahren verheiratet und haben zwölf Kinder – im Alter zwischen 25 und zwei. Und die Familienplanung ist nicht abgeschlossen. „Gott plant mein Leben, ich nehme jedes Geschenk mit Freude an, das er mir geben will", erklärt Rivka.

Diese Story erzählt von der Liebe und der sexuellen Selbstfindung auf unterschiedlichen Kontinenten im Spannungsfeld zwischen Traditionen und dem Mut zu Veränderung.

Ein Film von Xenia Böttcher, Susanne Glass, Rebecca Kirkland, Sophie von der Tann, Daniel Satra
Redaktion: Nicole Ripperda