Reparieren statt Wegwerfen

Reparieren statt Wegwerfen (auch in UHD)

die story 18.11.2020 43:45 Min. UT Verfügbar bis 18.11.2021 WDR Von Marko Rösseler


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Reparieren statt Wegwerfen

Der Herd ist 7 Jahre alt und schon kaputt. „Das ist kein Zufall, sondern gewollt,“ sagt Heinrich Jung und krempelt die Ärmel hoch. „Die Dinge werden so gebaut, dass sie kaputt gehen. Sie sollen sich ja ein neues Gerät kaufen,“ sagt er und schraubt die Elektronik des Herdes auf. Vor 37 Jahren hat sich der Elektro-Meister mit seiner Reparaturwerkstatt für defekte Elektrogeräte selbständig gemacht. Er ist ein Überzeugungstäter: „Wir schmeißen viel zu viel weg.“ In vielen Dingen, die uns umgeben, sei eine Sollbruchstelle eingebaut, behauptet Jung: Herde, Toaster, Mixer, Waschmaschinen, Smartphones und Rasierapparate würden absichtlich nicht für die Ewigkeit konstruiert.

Reparieren statt Wegwerfen

Vor 37 Jahren hat er sich selbständig gemacht mit seiner „Blitzblume“. Seitdem hat Heinrich Jung knapp 30.000 Geräte wieder zum Leben erweckt

Geplante Obsoleszenz nennt dies der Fachmann, der Verfall soll uns zwingen, wegzuwerfen und zu konsumieren. Aber ist das im Angesicht wachsender Müllberge aus Plastik- und Elektro-Schrott, in Zeiten schwindender Ressourcen noch zeitgemäß? Längst gibt es Menschen, die eine neue „Kultur der Reparatur“ fordern. Die Story stellt sie vor: Den Professor, der lieber an seinem alten Autos schraubt, statt sich einen Neuwagen zu holen. Den Astronauten, der alte Radios wieder zum Laufen bringt. Und den einst arbeitslosen Bastler, der eine Technik gefunden hat, alte Akkus zu erneuern: „Reparieren ist ein lohnendes und zugleich nachhaltiges Geschäft,“ sagt Frank Bräuer, der heute 10 Mitarbeiter beschäftigt.

Reparieren statt Wegwerfen

„Sie glauben gar nicht, wie dankbar die Leute sind! Es gibt keinen schöneren Beruf, als Dinge zu reparieren!“ sagt Heinrich Jung von der Blitzblume.

Doch Reparaturwillige müssen viele Hürden überwinden: Nicht mehr lieferbare Ersatzteile, eigens konstruiertes Spezial-Werkzeug, ohne das die Reparatur unmöglich ist, fest verschweißte Teile, die nicht ausgetauscht werden können – Möglichkeiten der Reparatur-Verhinderung gibt es viele. Was sagen die Hersteller dazu? Und müssten nicht Gesetze gegen solche Praktiken verabschiedet werden? Heinrich Jung ist nicht nur Gründer eines Repair-Cafés, er ist auch Mitglied im „Runden Tisch Reparatur“ – ein Verein, der gesetzliche Veränderungen im Sinne der Nachhaltigkeit fordert. Der Elektro-Meister zieht triumphierend eine kleine Relais-Schaltung aus der Platine des defekten Herdes: „Absichtlich unterdimensioniert, das kenn ich schon!“ Er tauscht das zu kleine Relais gegen ein größeres und der Herd läuft wieder. Materialkosten: keine 4 Euro…

Ein Film von Marko Rösseler
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 22.10.2020, 10:45