Pulverfass Nordirland - wie der Brexit neue Ängste schürt

Pulverfass Nordirland: Wie der Brexit neue Ängste schürt

die story 30.10.2019 44:12 Min. UT Verfügbar bis 30.10.2020 WDR Von Peter Onneken

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Pulverfass Nordirland - wie der Brexit neue Ängste schürt

Es ist die Frage, die über den Brexit entscheidet: Was passiert mit der Grenze zwischen Irland und Nordirland? Die Angst: Drohen neue Unruhen, Bombenterror und Attentate?Der Frieden der dort am Karfreitag 1998 gefunden wurde, war seit Beginn brüchig, aber die Sorge, dass der Terror wie früher zum täglichen Begleiter wird, ist riesengroß.

Story-Reporter Peter Onneken reist nach Nordirland und begleitet die Menschen in ihrem Alltag. Die Diskussion um den Brexit stärkt vor allem die Extremisten. Etwa in Londonderry. Hier explodierte Anfang des Jahres eine Autobombe, die Journalistin Lyra McKee wurde hier im Frühjahr erschossen. Zu beidem bekannte sich die nIRA, die neue Irische Armee Fraktion. Das Stadtbild ist geprägt durch anti-britische Graffitis und Unterstützungsbekundungen für den "irischen Freiheitskampf". Es ist die Stadt, in der sich 1972 der Bloody Sunday ereignete, als 13 unbewaffnete irische Demonstranten erschossen wurden. Schon der Name symbolisiert den Konflikt: Auf dem Weg nach Londonderry ist auf den Autobahnschildern London oft übersprüht oder durchstrichen. Londonderry liegt dicht an der Grenze zu Irland, die viele hier niemals akzeptieren würden, wie etwa Patrick. Er ist Ende Zwanzig und Sprecher des politischen Arms der nIRA. Er sei, so sagt er, in einem besetzten Land geboren und wolle die Briten mit allen Mitteln vertreiben. Auf der anderen Seite stehen loyalistische Scharfmacher, die bis heute nicht einsehen wollen, dass sie etwa die Regierungsmacht mit den irischen Republikanern teilen müssen.

Die Stadt Londonderry an der Grenze zwischen Irland und Nordirland

Londonderry liegt an der Grenze zwischen Irland und Nordirland. Immer wieder kam und kommt es hier zu Unruhen zwischen Protestanten und Katholiken.

Der junge Vater Jamie versuchte das Belfaster Rathaus zu stürmen, weil dort die britische Flagge nicht mehr täglich gehisst werden sollte. Viele Loyalisten haben für den Brexit gestimmt. Sie haben noch immer die Sorge, dass sich die Republikaner durchsetzen könnten und sie plötzlich in einem vereinten Irland leben müssten.

Für die Story "Pulverfass Nordirland" quartiert sich unser Autor in der Stadt ein, denn an diesem Ort, an dieser Grenze zeigt sich besonders deutlich, wie der Brexit Menschen und das Land spaltet, wie er Ängste schürt, was er für den Alltag der Menschen bedeuten könnte und welche gefährlichen Konsequenzen ein ungeregelter Brexit haben könnte.

Ein Film von Peter Onneken
Redaktion: Nicole Ripperda

Stand: 18.10.2019, 15:41