Buschbrände, Australien, Klimawandel

Leben bei 50°C - Wenn Hitze zur Bedrohung wird

Die letzten sieben Jahre waren die heißesten, die jemals in Folge auf unserem Planeten gemessen wurden. Die Zahl der Tage, an denen die Temperatur an einigen Orten der Erde 50 °C und mehr erreicht, hat sich seit den 1980er Jahren verdoppelt. Welche Auswirkungen hat das auf die Menschen, die an der „vordersten Front“ des Klimawandels leben? Die Story ‚Leben bei 50 Grad‘ zeigt in einer eindrücklichen Reportage, wie sich der Alltag von Menschen durch die extreme Hitze verändert, wie der Zugang zu Wasser und erträglichen Lebensbedingungen – besonders für arme Menschen – immer schwieriger wird.

Patrick Michells Familie lebt schon immer in Lytton, Kanada, so erzählen sie es sich, von Generation zu Generation. In den letzten Jahren hat Patrick beobachtet, dass sich der Ort durch den Klimawandel verändert. Im letzten Jahr dann, diese ungewöhnlich heißen Tage, um die 50 Grad. Und unmittelbar danach das Feuer, das innerhalb von wenigen Stunden fast den ganzen Ort zerstörte. Auch das Haus von Patrick Michell.

Verzweifelte Suche nach Wasser

Mohammed Cheikh Choumouh lebt in der Sahara und ist extreme Hitze gewöhnt. Doch die steigenden Temperaturen der letzten Jahre haben sein Leben verändert. Es fehlt an Wasser, an Regen. Seine Ziegen finden nichts mehr zu fressen. So groß ist die Not, dass er beschlossen hat, die Tiere mit Pappe zu füttern. Zuerst wollten sie nicht, berichtet er, aber vor lauter Hunger fingen sie schließlich an zu fressen. Aber: Welche Zukunft hat er so? Zusammen mit anderen Männern und etlichen Ziegen macht er sich auf den Weg aus der Wüste an die Küste. Es ist eine unwirklich erscheinende Reise, über mehrere Tage im Güterzug mitten durch die Sahara. Mit dem Ziel: Ein lebenswertes Leben aufzubauen.

Wüste, Hitze, Weizen

Ein Landwirt steht in einem ehemaligen Weizenbaugebiet, das durch die steigenden Temperaturen zu einer Wüste geworden ist. | Bild: WDR

Der Punkt, an dem sie jetzt angekommen seien, sei beängstigend, berichtet Faroud Barke. In seinem Dorf in Nigeria graben die Männer nach Wasser, sie brauchen einen neuen Brunnen. Sie graben tiefer und tiefer, aber da ist noch kein Wasser. Neun Tage werden sie schließlich gegraben haben, bis sie Erfolg haben, in über 8 Metern Tiefe. So tief mussten sie noch nie runter, und mit Sorgenfalten auf der Stirn überlegen die Männer, wie lange sie noch hier leben können. Wie lange sie überhaupt noch Wasser finden werden, angesichts des sich verändernden Klimas.

Trockenes Flussbett wurde wieder geflutet

In Nord-Mexiko, dort wo der Stamm der Cucapah lebt, ist der Colorado seit Jahren ausgetrocknet, ein sandiges und staubiges Flussbett. Das Wasser nutzen die US-Amerikaner, weiter den Fluss hoch, so der Vorwurf von Antonia Gonzales Torres,  die mit ihrer Familie hier wohnt. Früher waren sie Fischer, haben vom Fluss gelebt. Doch es ist heißer geworden, und trockener, der Fluss führt hier längst kein Wasser mehr. Auch Antonias Mutter Innocencia träumt von den alten Zeiten – jahrelang hat auch sie sich dafür eingesetzt, dass das trockene Flussbett endlich wieder geflutet wird. Und tatsächlich hatten Aktivisten Erfolg – letzten Sommer ließen die USA 43 Millionen Kubikmeter Wasser in das Colorado-Becken fließen. Innocencia ist glücklich, ein letztes Mal kann sie noch die Fluten bewundern, bevor sie wenig später nach langer Krankheit stirbt.

„Leben bei 50 Grad“ erzählt Geschichten von Menschen an extrem heißen Orten, die mit Einfallsreichtum und Widerstandsfähigkeit um ihr Überleben kämpfen oder um Anpassung ringen. Die Story begleitet sie in Mexiko, dem Irak, Australien und anderen Orten auf der Welt, an denen es 50 Grad heiß wird.

Ein Film von Gavin Searle

Redaktion: Nicole Ripperda/Beate Schlanstein