Laboraffe Nr. 30.003 - Müssen Tierversuche sein?

Laboraffe Nr. 30.003 - Müssen Tierversuche sein?

Seit Abgasversuche für VW an Affen in den USA bekannt wurden, ist auch die Diskussion um Tierversuche in Deutschland wieder entflammt. Gibt es Alternativen zu Tierexperimenten im Auftrag der Pharmaindustrie? Rechtfertigt Grundlagenforschung das Leid der Versuchstiere?

30.003 ist ein Javaner-Affe. Einen Namen hat er nicht. 30.003 lebt in einem Käfig im Labor der Uni Münster und dient, wie andere Affen auch, als Versuchstier der Grundlagenforschung. Zwar sind die gesetzlichen Hürden für Tierversuche mit Affen in Deutschland besonders hoch. Trotzdem wurden 2016 in Deutschland 2462 Affen für Versuche eingesetzt. Knapp die Hälfte davon wird jedes Jahr für die Forschung getötet. Muss das wirklich sein? Lassen sich Tierversuche tatsächlich nicht durch andere Methoden ersetzen?

Demenzforschung im Tierversuch mit Javaner-Affendame Leni am Deutschen Primatenzentrum GmbH, Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen.

Demenzforschung im Tierversuch mit Javaner-Affendame Leni am Deutschen Primatenzentrum GmbH, Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen.

Laboraffen und die Unfruchtbarkeit von Männern

In Münster dient Affe 30.003 der Erforschung der Unfruchtbarkeit: Wissenschaftler Stefan Schlatt sucht im Tierversuch nach Methoden, Männern wieder zur Zeugungsfähigkeit zu verhelfen. Am deutschen Primatenzentrum in Göttingen werden alte Javaner-Äffchen zur Demenzforschung eingesetzt. Ob ihre Versuche erfolgreich sind und einen Nutzen für die Behandlung von Menschen haben, wissen die Wissenschaftler immer erst hinterher.

Lassen sich die beim Affen gewonnenen Erkenntnisse überhaupt auf den Menschen übertragen? Rechtfertigt Grundlagenforschung wie diese den Tierversuch und das Leid der Affen? Die Forscher sind überzeugt, richtig zu handeln, solange es keine Alternativen gibt – auch wenn längst an neuen Methoden geforscht wird, die den Tierversuch eines Tages ersetzen könnten.

Haltungseinrichtung für Javaner-Affen an der Uni Münster.

Haltungseinrichtung für Javaner-Affen an der Uni Münster.

Tierversuch und Medikamententest

In Deutschland werden Laboraffen außerdem eingesetzt, um die Verträglichkeit von Medikamenten zu testen. Das heißt „Giftigkeitsprüfung“ und ist gesetzlich vorgeschrieben, bevor Medikamente im klinischen Versuch an Patienten ausprobiert werden. Könnte man darauf überhaupt verzichten? Kritiker wie „Ärzte gegen Tierversuche“ fordern das.

Die Angst vor militanten Tierschützern ist groß in den Versuchslaboren – ein Jahr hat es gedauert, bis die Story die Dreherlaubnis bekam und einen Tierversuch mit Affen begleiten durfte. Die Dokumentation gibt seltene Einblicke in den Alltag der Versuchsaffen in deutschen Laboren und will wissen, ob Tierversuche tatsächlich so unersetzlich sind wie behauptet.

Ein Film von Manuel Gerber


Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 18.01.2018, 09:57

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27 Kommentare

Neuester Kommentar von "Dr. Gaby Neumann, Ärzte gegen Tierversuche e.V.", heute, 12:36 Uhr:

Lieber Herr "Stefan", die tierversuchsfreien Methoden sind zwar noch recht "jung", trotzdem haben sie -im Gegensatz zu jahrzehntelangen Tierversuchen- bereits viele wertvolle Erkenntnisse geliefert. Und was bringt es Ihnen, wenn Sie wissen, wie ein Tier auf ein bestimmtes Medikament reagiert? Dann weiß ich immer noch nicht, wie dieses Medikament beim Menschen wirkt. In Frankreich haben die Probanden z.B. nur die 1/650tel Dosis bekommen, die vorher Affen bekommen haben. Trotzdem gab es einen Toten und 5 Schwerverletzte. Und wie viele Medikamente sind beim Menschen wirksam und gut verträglich (z.B. Penicillin, Aspirin) und verursachen bei verschiedenen Tierarten zum Teil hochgradige Schäden. Bezüglich der Grundlagenforschung: Mehrere Übersichtsstudien zeigen, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen bei weit unter einem Prozent liegt. Rein aus Patientenethik und -sicherheit sollte auf Tierversuche verzichtet werden!

Kommentar von "Daniela Fischer", heute, 11:36 Uhr:

... zu den erwähnten früheren Tierversuchen von S. Schlatt an 64 Weißbüscheläffchen (2013): die "Pille für den Mann" funktionierte beim Affen natürlich nicht. Solche und zahlreiche weitere Infos zu Tierversuchen, die Deutschland durchgeführt werden, findet man übrigens in der datenbank-tierversuche.de !

Kommentar von "Stefan", 22.02.2018, 17:19 Uhr:

Lieber Frau Neumann, die von ihnen gelangen "Alternativen" sind alle leider noch in dem Versuchsstadium und noch nicht bereit Tierversuche zu ersetzten. Mehr Medikamentstudien am Menschen ohne vorhergehende Toxikologische Untersuchung am Tier, würde zu noch mehr Leiden bei dem Beteiligten Probanden führen und solche Skandale wie in Frankreich wären die Regel und nicht die Ausnahme. Für die Grundlagenforschung sind Menschenversuche nicht moralisch vertretbar. Vielen Dank liebes WDR Team. Ein guter unpolimischer Beitrag.

Kommentar von "Dr. Gaby Neumann, Ärzte gegen Tierversuche e.V.", 22.02.2018, 14:57 Uhr:

Moderne tierversuchsfreie, humanrelevante Methoden wie u. a. Multi-Organ-Chips, 3D-Zellkulturen, Computersimulation, Miniorgane führen zu besseren, verlässlicheren Ergebnissen für den Menschen. Auch dann kommen wir um die Phase der klinischen Erprobung nicht herum - dies aber mit deutlich geringerem Risiko für die Probanden. Unsere Aufklärung und unser Einsatz sind stets im Interesse von Mensch und Tier. Unser Fazit lautet: Der Tierversuch ist eine unnötige, nicht auf den Menschen übertragbare und sogar gefährliche Testmethode, ein Relikt vergangener Zeiten, das im 21. Jahrhundert keinen Platz haben darf – im Sinne von Mensch und Tier. Was wir brauchen ist ein Paradigmenwechsel hin zu moderner, tierleidfreier Forschung. Diese muss allerdings finanziell noch deutlich besser gefördert werden. Wirklich schade, dass ihr das in eurem Beitrag nicht besser herausgestellt habt. Wir haben den Beitrag leider als recht tendenziös und Pro-Tierversuch empfunden.

Kommentar von "Dr. Gaby Neumann, Ärzte gegen Tierversuche e.V.", 22.02.2018, 14:56 Uhr:

Aktuell werden ja bereits durch das "System Tierversuch" Menschenversuche unter hohem Risiko gemacht, was Dr. Stefan Schlatt von der Universität Münster fälschlicherweise und irreführenderweise verneint. Der derzeitige Ablauf in der Medikamentenentwicklung ist so, dass nach dem Tierversuch die Medikamente in der 1. klinischen Phase an Probanden, die sich freiwillig (und gegen Bezahlung) melden, getestet werden. Und dies unter hohem Risiko für die teilnehmenden Menschen. Hier kann es neben schweren Erkrankungen sogar zu Todesfällen kommen, siehe z.B. der Arzneimittelskandal in Frankreich 2016 in der 1. klinischen Phase. 95% der im Tierversuch als sicher und wirksam geltenden neuen Medikamente fallen durch die 4 Phasen der klinischen Prüfung (= “Menschenversuche“), entweder wegen fataler Nebenwirkungen oder weil sie nicht wirken.

Kommentar von "Dr. Gaby Neumann, Ärzte gegen Tierversuche e.V.", 22.02.2018, 14:55 Uhr:

Liebes WDR-Team, danke für den Beitrag. Allerdings ist der TV-Beitrag an vielen Stellen sehr ungünstig zusammengeschnitten und vermittelt dadurch einen völlig falschen Eindruck im Hinblick auf unsere Einstellung gegenüber Versuchen, die den Menschen involvieren (ab 9:58 Minute). Das finden wir sehr fatal und sind entsetzt über einen derartigen Zusammenschnitt. Als Ärzteverein möchten wir nun gerne offiziell Stellung zu dem Punkt "Menschenversuche" nehmen. Aufgrund der Zeichenbegrenzung teile ich unsere Stellungnahme in 3 Teile. Wer sich für unsere Arbeit interessiert, ist herzlich eingeladen mit uns auf folgendem Weg in Kontakt zu treten: Webseite: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de Facebook: https://www.facebook.com/aerztegegentierversuche YouTube: https://www.youtube.com/NeinZuTierversuchen Wir freuen uns auf den Austausch mit euch! Liebe Grüße euer Team von Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Kommentar von "Dagegen", 22.02.2018, 14:00 Uhr:

Lieber „Anton“..Danke für Ihre „Belehrung“..ich sag „nur“ Contergan Skandal!..leider mit sehr vielen menschlichen Opfern, trotz Tierversuche! Mag sein, daß ich das „eine oder andere“ benutzt habe, was leider an Tieren getestet wurde..in Bezug im medizinischen Bereich habe ich in der Tat (leider) keinen Einfluß und verlange Tierversuche auch nicht! Da ich eine enorm hohe Medikamentenunvertröglichkeit habe, ist mir selber u.a. ASS „verwehrt“.(auch pflanzliche Präparate)..was die Kosmetikprodukte angeht, gibt es genügend gute Alternative Naturkosmetik OHNE Tierversuche, man muß natürlich auch auf die Grundsubstanzen achten, die nicht schon als einzelende mal irgendwann getestet wurden..nun gut, jetzt ist es ja leider schon geschehen..darüber hinaus halte ich Tierversuche in der Kosmetikbranche für eh total überflüssig, da es sich hier zum größten Teil um Eigenverantwortung handelt! Und dafür kein Tier leiden muss! OK, so hat jeder seine Meinung..ich bleibe dabei: STOPPT TIERVERSUCHE!

Kommentar von "Anton", 22.02.2018, 11:54 Uhr:

@ Dagegen Schade, dass Sie vermutlich zu den Menschen gehören die lieber jegliche Art von Fakten und Zahlen ignorieren. Sie sollten sich erst informieren bevor Sie sich in diese Diskussion mit einbringen. Auch Haustiere profitieren von Erkenntnissen aus Tierversuchen (bspw. Operationstechniken/Medikamente). Es ist leicht immer dagegen zu sein und zu behaupten alle Alternativen wären schon da. Das ist aber eine extreme Lüge. Und wenn Sie denken, dass Ihnen Tierversuche noch nie im Leben geholfen haben belügen Sie sich ebenso selbst. Aber Gott sei Dank sprechen Forscher und Ärzte Ihnen nicht das Recht ab auf dieses Wissen zurückzugreifen. Und wenn ich behaupte ich teste ein Medikament mit evtl. tödlichen Folgen lieber an Mäusen und Affen anstatt an Verbrechern im Gefängnis dann halte ich meine Meinung durchaus für die bessere.

Kommentar von "Dagegen", 22.02.2018, 11:45 Uhr:

Danke an „Uta Schwegmann“..genau meine Meinung! Gott sei Dank gibt es noch Menschen die „Klartext“ reden!!!..bitte mehr davon und es besteht Hoffnung, daß das ganze Tierleid irgendwann ein Ende hat!!! STOPPT TIERLEID in jeglicher Form! Letztendlich war das Tier vor uns auf dieser Erde!..und dann kam der Mensch, damit die Tierversuche, Ferkelzucht, Massentierhaltung, Pelzfarmen, Trophäensammlung, Wildtiere im Zirkus und Zoos , „Delikatessen“, Wundermittelchen und Accessoires aus tierischen Bestandteile und und..sicherlich, wahrscheinlich kann sich keiner so richtig davon „freisprechen“, es kommt aber auf den respektvollen Umgang mit unseren „tierischen Liegeranten“ (ironisch gemeint) an..und Tierversuche an unseren Mitgeschöpfe mit Leib und Seele gehört einfach NICHT dazu!!!..und unser Schöpfer hat dies sicherlich auch nicht so gewollt, daß wir mit unseren Mitgeschöpfen so umgehen, mißhandeln, ausbeuten, töten etc..Meine Meinung!

Kommentar von "Dagegen", 22.02.2018, 11:27 Uhr:

Lieber „Anton“,ich will Ihnen ja nicht „zu nahe treten“..aber sind Sie einer von „denen“ die das grausame Tierleid praktizieren? Sorry, ich denke KEIN Mensch sollte das Recht haben, den „Homosapien“ als was „Besseres“ anzusehen,so unter dem Motto: sind ja „nur“ Tiere und damit Tierleid im Sinne der Wissenschaft (und nicht nur da) vertretbar..ist diese Meinung wirklich besser als die Meinung von der „Ärztin aus Leipzig“?Hmmm nun gut (oder nicht)..solange es auch in der Politik kein Umdenken statt findet und nicht noch mehr alternativen Methoden gefördert werden, werden die grausamen Tierversuche und damit das „bewußte“ Zufügen von Schmerzen oder auch töten(!) an „untergeordneten“ Lebewesen (Ansicht der Menschen!) immer weitergehen.Schade, daß Tier ist durchaus in der Lage dem Menschen positiv zu helfen.DAS kann jeder bestätigen der ein Haustier zu Hause hat und damit auch Verantwortungsbewußt umgeht!Pferde, Hunde und co werden übrigens auch gerne zu therapeutischen Zwecke eingesetzt

Kommentar von "Liane Ehrmann", 22.02.2018, 10:46 Uhr:

Der Tag wird kommen und man wird euch für diese Versuche bestrafen.