Kritisch Reisen:  Bulgarien – Urlaubsflaute am Goldstrand

Kritisch Reisen: Bulgarien – Urlaubsflaute am Goldstrand

die story 26.08.2020 43:40 Min. UT Verfügbar bis 26.08.2021 WDR Von Marion Försching, Nicole Kohnert, Daniel Rosenkranz


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Kritisch Reisen:  Bulgarien – Urlaubsflaute am Goldstrand

„Bulle“ statt „Malle“, „Goldstrand“ statt „Ballermann“ – das war in den letzten Jahren das Motto vieler deutscher Partyurlauber. In Bulgarien ist der Alkohol günstiger als auf Mallorca und man kann feiern ohne Ende, sagen die, die da waren. Auch Party-Schlagerstars wie Ikke Hüftgold zieht es längst ans Schwarze Meer, im vergangenen Jahr hat er sogar eine Chartermaschine gemietet, um mit 150 Fans an den Goldstrand zu fliegen. Und 2020? Obwohl Bulgarien von Covid-19 weniger stark betroffen war als andere Länder, waren die Badeorte im Juni wie ausgestorben, viele Hotels hatten noch nicht einmal geöffnet. Dabei feiern um diese Zeit normalerweise Tausende von Abiturientinnen und Abiturienten an der Schwarzmeerküste ihren Schulabschluss. Auch Ikke Hüftgold hat seine Auftritte in diesem Sommer abgesagt, will erst im September nach Bulgarien kommen. Er hat Angst, dass es bei einem seiner Auftritte zu einem Corona-Ausbruch kommen könnte.

2019 haben 9,3 Millionen ausländische Touristen Bulgarien besucht. Die meisten kamen aus Rumänien. Deutschland lag hinter Griechenland mit knapp über 761.000 Urlaubern an dritter Stelle. Für dieses Jahr wagt niemand eine Prognose abzugeben, aber bereits im Mai gab es bei den Hotelbuchungen einen Umsatzrückgang von mehr als 92 Prozent gegenüber 2019. Bulgarien ist das ärmste EU-Land und setzt auf den Massentourismus, auch wenn das Geschäft mit den Urlaubern seine Schattenseiten hat. Viele Investoren wittern das Geschäft und bauen Hotels – legal, aber auch illegal. „Sie nutzen Gesetzeslücken aus“, erklärt Assen Jordanov, einer der führenden Investigativ-Journalisten im Land. „Wir haben hier ein korruptes System, alles ist möglich.“ Ein eindrucksvolles Beispiel ist Dead City, eine Geisterstadt – mehrere Hektar Bau-Ruinen. Eigentlich hätten hier Hotels, Wohnungen und ein Casino gebaut werden sollen. Doch 2009 war Baustopp - die Bauunternehmer waren Mitglieder der russischen Mafia und landeten im Gefängnis. Bis heute steht der Komplex leer. 

Auch Plovdiv, die zweitgrößte Stadt Bulgariens, hofft auf Touristen. 2019 war sie EU-Kulturhauptstadt. Ihre malerische Altstadt hat auch viele Menschen aus Deutschland angezogen. Doch was ist in diesem Sommer? Haben Kultureinrichtungen überhaupt geöffnet, gibt es Veranstaltungen? Ja, heißt es, aber wie viele Touristen werden kommen?

Bunte Häuser in der Innenstadt von Plovdiv

Plovdiv, die zweitgrößte Stadt Bulgariens, hofft auf Touristen. 2019 war sie EU-Kulturhauptstadt und vor allem ein Touristenmagnet für Urlauber aus Deutschland.

Ende Juni trafen die ersten Charterflüge aus Deutschland in Bulgarien ein. In diesem Jahr soll es eine verlängerte Sommersaison geben, um die Ausfälle im Mai und Juni zumindest teilweise ausgleichen zu können. Doch wie groß sind die Ängste in Bulgarien vor weiteren Corona-Krisen? Wie sieht ein Urlaub im Pandemie-Sommer aus? Wie viele deutsche Touristen kommen in diesem Jahr überhaupt an den Goldstrand? Für Stimmung ist gesorgt – die Auftritte von Ikke Hüftgold übernimmt Almklausi. Aber halten sich die Urlauber an die Abstandsregeln oder gibt es Partyexzesse wie schon in Kroatien und auf Mallorca?

Ein Film von Marion Försching, Nicole Kohnert und Daniel Rosenkranz
Redaktion: Gudrun Wolter, Beate Schlanstein

Stand: 22.07.2020, 13:33