Kleines Dorf, große Ideen - Wie ein Dorfladen das Leben verändert

Kleines Dorf, große Ideen: Wie ein Dorfladen das Leben verändert

die story 17.02.2021 44:01 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Erika Fehse


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Kleines Dorf, große Ideen - Wie ein Dorfladen das Leben verändert

Ottfingen - ein hübsches Dorf im Sauerland: Doch die 2.200 Bewohner*innen mussten in den vergangenen Jahren herbe Verluste einstecken: Metzgerei, Schuhgeschäft, Blumenladen, Elektrobedarf, Post – alles weg. Die mitten im Dorf gelegene Grundschule wurde trotz heftiger Proteste nach 240 Jahren geschlossen. Die Volksbank machte dicht. Ende 2019 folgten die letzte Gastwirtschaft und das einzig verbliebene Lebensmittelgeschäft im Ort.

Gab es 1990 deutschlandweit noch über 66.400 kleine Lebensmittelgeschäfte, waren es 2017 nur noch 8.650.

Einige Bürger*innen Ottfingens wollen die Verödung ihres Dorfes nicht hinnehmen. Sie wehrten sich gegen die Schließung der Grundschule und gründeten die „Zukunfts-Werkstatt Ottfingen“. Das Ziel: Menschen zusammenzubringen, die sich über Partei- und Vereinsgrenzen hinweg für bessere Lebensqualität in ihrem Dorf engagieren – ehrenamtlich! In der ehemaligen Grundschule wollen sie ein Kulturzentrum aufbauen.

Ein Regal, auf dem Brot liegt. Daneben eine Tafel mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen im Dorfladen"

Der neue Dorfladen. Tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit, das Geld der Genossen und die Förderung durch LEADER, einem Förderprogramm der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raumes, haben den Umbau ermöglicht.

Ein weiteres Projekt der Zukunfts-Werkstatt: Die Gründung eines genossenschaftlich organisierten Dorfladens. Der Plan: Ein „Meeting Point“ soll entstehen, das „Facebook von Ottfingen“, ein Laden in mediterranem Landhausstil mit Bistro, regionalen und Bioprodukten, einer großen Frischetheke, Schreibwaren, Getränkemarkt und Bargeldausgabe.

Doch einen genossenschaftlich organisierten Dorfladen aufzubauen, das macht man nicht mit links: Förderungen beantragen, Business- und Baupläne erstellen, die Prüfung des Genossenschaftsverbandes bestehen, Menschen finden, die Verantwortung im Vorstand und im Aufsichtsrat übernehmen – das alles ehrenamtlich.

Olaf und Jochen sitzen im Dorfladen.

Geschafft! Olaf Arns und Jochen Bruch sind zufrieden.

Fast ein Jahr lang begleitet WDR-Autorin Erika Fehse die Aktivist*innen beim Aufbau ihres Dorfladens. Über 400 Dorfbewohner*innen sind durch ihre Genossenschaftsanteile am Laden beteiligt. Doch werden die Ottfinger*innen jetzt wirklich in ihrem Dorfladen anstatt im nächsten großen Supermarkt einkaufen? Kann das Projekt auf Dauer bestehen? Und wäre Ottfingen damit vielleicht ein Vorbild für viele andere kleine Dörfer?

Ein Film von Erika Fehse
Redaktion: Britta Windhoff

Stand: 15.01.2021, 14:14