Glückauf und vorbei: Das Ruhrgebiet nach der Kohle

Glückauf und vorbei: Das Ruhrgebiet nach der Kohle

Unter dem Ruhrgebiet liegt heute ein zehntausende Kilometer langes Labyrinth aus Schächten und Stollen, die bis in eine Tiefe von weit über einen Kilometer reichen. Große Teile der Landschaft sind abgesackt, manche Stadtteile über 25 Meter. Wenn nicht dauerhaft Deiche gepflegt und hunderte Pumpen laufen würden, würden Bäche rückwärts fließen und Emscher und Lippe sich in die Großstädte ergießen. Auch unter Tage muss kontinuierlich gepumpt werden, damit salziges und zum Teil mit Giftstoffen kontaminiertes Grubenwasser das Trinkwasser an der Oberfläche nicht vergiftet. Allein die Pumpkosten über und unter Tage verschlingen - Jahr für Jahr, bis in alle Ewigkeit - über 200 Millionen Euro. Das alles gehört zum kostspieligen Erbe von 200 Jahren industriellem Bergbau.

Man sieht zwei Bergarbeiter, die in einem Stollen unter der Erde sitzen

14 Meter unter der Erde - Heinz-Ludwig Bücking sitzt in einem Stollen, der typisch ist für so genannte „Tagesbrüche“: uralter Bergbau, der knapp unter der Erdoberfläche verläuft. Hier aber besteht keine Gefahr - die Grube haben er und seine Mitstreiter aufwändig restauriert.

In einem Jahr voller Nostalgie und Steigerlied-Romantik beim Schließen des letzten Pütts schaut DIE STORY nach vorn und fragt: Was kommt noch alles auf das Ruhrgebiet zu? Wie lange müssen die Bewohner noch damit rechnen, dass der Boden unter ihren Füßen nachgibt? Wie lebt es sich in einem schiefen Haus? Und was haben Erdbeerfelder mit Bergbau und Kohle zu tun? Wir begleiten Forscher, die einen Kilometer unter der Erde Tiefsee-Sonden verteilen und zugleich per Satellit auf das Land zwischen Ruhr und Lippe blicken. Wir suchen mit Experten der Bezirksregierung nach den Ursachen für Tagesbrüche, die ein ganzes Haus verschlingen können, erkunden uralte Stollen, so eng, dass ein Mensch kaum hindurch passt, und fahren einen Kilometer hinab in die gigantische Untertage-Infrastruktur, wo in U-Bahn großen Schächten dunkel wummernd riesige Pumpen das Trinkwasser vor Verunreinigung bewahren sollen.

Man sieht eine große Lagerhalle, in der Pumpen stehen

1000 Meter unter dem dem Unesco Welterbe „Zeche Zollverein“ stehen diese riesigen Pumpen, die das Grubenwasser im Ruhrgebiet niedrig halten sollen. Nicht mehr lange und diese Pumpen werden abgestellt.

Die über- und unterirdische Reise durch das Revier nach der Kohle dokumentiert in aufwändigen Grafiken: Das Ruhrgebiet wäre schon heute eine beeindruckende Seenlandschaft – wenn jemand auf die Idee käme, die Pumpen abzustellen.

Ein Film von Marko Rösseler
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 25.09.2018, 13:11