Die Todesermittler – Wenn Morde unentdeckt bleiben

Die Todesermittler – Wenn Morde unentdeckt bleiben

Laut einer aktuellen Studie der Uni Rostock sind gerade mal 2% aller Bescheinigungen fehlerfrei. Rechtsmediziner sprechen in Deutschland von 1.200 unentdeckten Tötungsdelikten pro Jahr.

Kurz bevor sie eingeäschert werden soll, wird eine Leiche im Hamburger Krematorium von einer Rechtsmedizinerin angehalten. Der Grund: bei der Leichenschau hat ein Arzt einen natürlichen Tod bescheinigt. Alle äußeren Zeichen der Leiche weisen aber auf eine andere Todesursache hin. Der Fehler fällt erst jetzt auf. Ein Fall für Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin. Um die wahre Todesursache herauszufinden, beginnen die Ermittlungen, die Leiche muss obduziert werden.

Leichenschau

Laut einer Rostocker Studie sind nur etwa zwei Prozent aller Todesbescheinigungen fehlerfrei.

Ein klassischer Fall von Fehldiagnose auf der Todesbescheinigung. Laut einer aktuellen Studie der Uni Rostock sind gerade mal 2% aller Bescheinigungen fehlerfrei. Rechtsmediziner sprechen in Deutschland von 1.200 unentdeckten Tötungsdelikten pro Jahr. Erbmorde in Familien, überforderte Pflegekräfte im Pflegeheim oder sogenannte Todesengel im Krankenhaus - ein Tötungsdelikt kann jeden treffen. Besonders bei Menschen im hohen Alter ist die Dunkelziffer hoch. Doch auch ärztliche Behandlungsfehler oder Spätfolgen von Verkehrsunfällen können einen nicht natürlichen Tod bedeuten und sich auf Versicherungsansprüche der Angehörigen auswirken. Dass die Ärzte, die bei Verstorbenen die Leichenschau durchführen, unter Stress stehen, ist lange bekannt: Sie fühlen sich von Polizeibeamten und Angehörigen unter Druck gesetzt, sind häufig schlecht in der Leichenschau ausgebildet und werden zu gering bezahlt. Alle Beteiligten fordern dringende Reformen, doch seit Jahrzehnten tut sich wenig bis nichts. Die Story fragt, warum.

Leichenschau

Mehrere Personen sind zum Anheben des Sarges notwendig. Die anschließende qualifizierte Leichenschau muss in dabei in Bremen seit August von einem Profi durchgeführt werden. So sollen beispielsweise Tötungsserien wie beim Patientenmörder Niels H. erkannt und verhindert werden.

Die Dokumentation begleitet den bekannten Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel und den Leiter der Todesermittlung des Hamburger LKA, Uwe Chrobok, bei der Todesermittlung. In Bonn erzählt der Rechtsmediziner Burkhard Madea einen Fall nach, bei dem er mit seinem Team einen Mord aufgeklärt hat, nachdem ursprünglich von einem Selbstmord ausgegangen war.

Der Film zeigt die Fehler, die Ärzte bei der Leichenschau machen und thematisiert die Probleme, die daraus folgen. Braucht Deutschland auch einen unabhängigen Leichenbeschauer, wie es ihn in England gibt? Oder reicht das kürzlich in Bremen eingeführte System des qualifizierten Leichenschauers?

Ein Film von Maryam Bonakdar und Lucas Maximillian Stratmann


Redaktion: Nicole Ripperda (WDR) und Christian von Brockhausen (NDR)

Stand: 16.02.2018, 12:48

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

Unsere Netiquette

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

Welches Wort passt nicht in die Reihe: Maus Elefant Ente Bus

Warum stellt der WDR diese Fragen?

2 Kommentare

  • 2 Hannelore Hommers 12.03.2018, 06:26 Uhr

    Meine Mutter verstarb 1976, 54 jährig, nach einem Sturz von der Treppe zuhause. Mir kam es sehr merkwürdig vor und ich hatte meinen Vater in Verdacht. Ich habe es der Kripo in Nordenham mitgeteilt, was sich im Vorfeld abgespielt hatte. Es ist nichts passiert. Jetzt nach 42 Jahren kommen durch meine jüngeren Geschwister viele Ungereimtheiten ans Tageslicht, was auf einen vorsätzlichen Tod schließen läßt. Zwei meiner Geschwister befinden sich immer noch in phychologischer Behandlung. Mein Vater, zu dem ich bis zu seinem Tod zehn Jahre später, keinen Kontakt mehr hatte, hat sich zwei Tage vor seinem Tod entschuldigt, mit den Worten: es tut mir Leid, was damals mit unserer Mutter passiert sei. Es ist für mich und meine Geschwister die Hölle, auch nach so vielen Jahren noch, das es nicht aufgeklärt wurde.

  • 1 Anonym 19.02.2018, 22:00 Uhr

    Guter Film wichtiges Thema