Die Saat der Gier – Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will

Die Saat der Gier – Wie Bayer mit Monsanto die Landwirtschaft verändern will

Ein Film von Michael Heussen und Ingolf Gritschneder

Auf dem Weg zur Fusion lauern große Risiken: Warum nimmt Bayer-Chef Werner Baumann in Kauf, dass das Negativ-Image von Monsanto auf die Traditionsmarke Bayer abfärbt? Was bedeutet das alles für Verbraucher, für die Bauern – oder gar die Welternährung?

Es soll die größte Fusion der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden: Für unglaubliche 66 Milliarden Dollar will Bayer aus Leverkusen den US-Konzern Monsanto übernehmen. Ein neuer Rekord, ein Riesen-Deal. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann würde dann den weltweit größten Anbieter für Agrarchemie lenken.

Bayer und Monsanto – ein deutsches Traditionsunternehmen mit solidem Ruf schluckt den amerikanischen Konzern, der den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat herstellt. Für viele Landwirte ein effektives Mittel; für Kritiker jedoch ein Stoff, der aus ihrer Sicht krebserregend ist. In Brüssel wurde der Einsatz von Glyphosat gerade für weitere fünf Jahre zugelassen. Aller Bedenken zum Trotz. Und aus deutscher Sicht im Alleingang von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der damit den Koalitionspartner SPD und die Kanzlerin düpierte. Welche Folgen sein Abstimmungsverhalten auf die Regierungsbildung in Berlin und sein Amt hat, ist noch gar nicht absehbar.

Amerikanischer Landwirt beim Nachfüllen von Glyphosat.

Amerikanischer Landwirt beim Nachfüllen von Glyphosat.

Die Unternehmen setzen weiter auf Chemie in der Landwirtschaft, wenn auch moderner und effektiver als bisher: „Digital Farming“ heißt das Zauberwort. Die digitale Landwirtschaft liefert den Bauern per App alle wichtigen Daten für Aussaat und Ernte direkt aufs Smartphone oder Tablet im Traktor – auch Daten für den Chemieeinsatz. Und natürlich werden dabei die eigenen Produkte beworben und verkauft.

Auf dem Weg zur Fusion lauern große Risiken: Warum nimmt Bayer-Chef Werner Baumann in Kauf, dass das Negativ-Image von Monsanto auf die Traditionsmarke Bayer abfärbt? Was bedeutet das alles für Verbraucher, für die Bauern – oder gar die Welternährung?

Einsatz von Glyphosat in Illinois (USA).

Einsatz von Glyphosat in Illinois (USA).

Die Story-Autoren Ingolf Gritschneder und Michael Heussen haben mit Befürwortern und Kritikern der Mega-Fusion gesprochen und in den Forschungslaboren von Monsanto in den USA gedreht. In Südamerika und Indien trafen sie Wissenschaftler und Bauern, die bereits eigene Erfahrungen mit Monokulturen, Monsanto-Saatgut und -Pestiziden gemacht haben.

Autoren: Michael Heussen und Ingolf Gritschneder
Redaktion: Norbert Hahn, Angela Jaenke

Stand: 29.11.2017, 14:31

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15 Kommentare

  • 15 Aktueller 10.03.2018, 20:07 Uhr

    Aktueller und interessanter Film mit vielen Akteuren und Institutionen, die sonst im medialen Mainstream untergehen. Vielen Dank! Mehr davon! So macht der Rundfunk Sinn!

  • 14 Tom 10.03.2018, 20:05 Uhr

    @Tim: ...weil die Bauern durch die gekauften Saaten überschuldet sind.

  • 13 nochmal Tim 02.02.2018, 19:17 Uhr

    Die Selbstmorde wurden widerlegt (http://www.keine-gentechnik.de/fileadmin/files/Infodienst/Dokumente/08_10_ifpri_bt_cotton_farmer_suicides.pdf) Fall Percy Schmeisser: ihm wurde nicht bloß Monsanto-Pollen vom Nachbarfeld auf seinen Raps geweht, er hat diese Pflanzen bewusst mit RoundUp selektiert und im nächsten Jahr ausgesät, obwohl er wusste dass darauf Patente liegen, für die er Nutzungsgebühren zahlen müsste. Er musste letztendlich nichts zahlen, weil er die entscheidende Eigenschaft der Sorte (Herbizidresistenz) nicht zu seinem Vorteil genutzt hat 40:00 - die Aussage verstehe ich nicht. Sind sie wirklich gezwungen? Sie könnten doch anderes Saatgut nehmen und ein altes, bewährtes Anbausystem wählen. Ich hätte gerne mal ein praktisches Beispiel, warum die Bauern GEZWUNGEN sind

  • 12 Tim Schaare 02.02.2018, 18:45 Uhr

    Ein paar Sachen kommen mir hier etwas seltsam vor, vielleicht kann mir das irgendwer erläutern: 23:00 - er sagt, sie können kein eigenes Saatgut mehr verwenden. Warum ist das so? Haben sie langjährige Knebelverträge? Sind in Bt-Baumwolle jetzt auch noch Gene, die den Boden für andere Samen unfruchtbar machen (ja, Ironie). Warum säen die Landwirte im Folgejahr nicht anderes Saatgut aus, das nicht von Monanto stammt? Trotz des Monopols wird es ja wohl irgendwo auf der Welt noch altes Saatgut geben 24:00 - KANN nicht oder DARF nicht nachgebaut werden? Meines Wissens wurde der Terminator Trait nie auf den Markt gebracht. Ich glaube er meint das Hybridsaatgut. Natürlich ist es fertil, durch den Heterosis-Effekt hat das Saatgut aus eigener Ernte aber krasse Ertrags- und Qualitätseinbußen. Das hat absolut nichts mit Gentechnik zu tun. Die Farmer müssten einfach auf eine Liniensorte zurückgreifen, hätten damit aber tendenziell weniger Ertrag.

  • 11 Anne Rüffer 01.02.2018, 20:03 Uhr

    Grossartig! Sehr fundiert recherchiert, und ein Dank für die Wortmeldungen der Alternativen Nobelpreisträger, die sich - wie das Bauernpaar Schmeisser - wehren, obwohl sie dabei nahezu ruiniert wurden. Anne Rüffer, Verlegerin und Mitglied der Jury Alternativer Nobelpreis, Zürich

  • 10 Anonym 01.02.2018, 19:03 Uhr

    Ich sage nur:Giftgas 1.und2.WK,Vietnam (Agent Orange)etc.Da haben sich ja zwei gefunden.Dank Pesdiziden sterben die Insekten,dann die Vögel,die Kleintiere ....und bald sind alle Tod,wegen völlig Wahnhaften Größenwahnsinnigen Psychopathen.

  • 9 Antonietta 21.01.2018, 10:51 Uhr

    Monsanto steht für Gentechnik, für Patente auf Lebensformen und für giftige Pflanzenschutzmittel. Auch Korruption und Bestechung sollen immer wieder zum Repertoire des weltweit agierenden Konzerns gehören.

  • 8 Haid Gabi 19.01.2018, 17:37 Uhr

    Die langjährige Debatte über Monsanto hat mich bis vor einigen Monaten aufgebracht und unglaublich verärgert. Jetzt aber macht es mich nur noch unendlich traurig, wie mit Menschen, Tieren und Pflanzen kaltblütig umgegangen wird. Eine gute Dokumentation nach der anderen, dann das Monsanto-Tribunal, dieses Elend in den Familien bei dieser sozialen Absicherung und der Gesundheitsversorgung in den armen Ländern, eine in der heutigen Zeit unmenschliche, unchristliche und abscheuliche Geschäftspraxis dieses Konzern, der nur furchtbares Leid auf die Welt bringt. Erst gestern die Nachricht, dass sich 300.000 indische Bauern das Leben nahmen aus Verzweiflung, die Familien bleiben zurück. Eigentlich ein Krieg gegen Traditionen in der Landwirtschaft, Genügsamkeit, ein Krieg gegen alte Sorten und Arbeitspraktiken, ein Krieg gegen Familienglück, Zufriedenheit, Ehrlichkeit, Artenschutz, gegen wertvolle und saubere Nahrung und Wasser. Bitte lasst uns die friedliche Revolution beginnen. Jetzt - Alle!

  • 7 Jürgen Kruse 18.01.2018, 19:17 Uhr

    Wir brauchen eine Landwirtschaft ohne Kunstdünger, ohne Gülle und ohne Pestizide! Stattdessen ist eine Humusrevolution erforderlich (siehe: Scheub/Schwarzer, Humusrevolution, oekom Verlag, München 2017)!

  • 6 Wolfgang Manuel Simon 18.01.2018, 11:04 Uhr

    "Wir haben es satt" - Mehr denn je gilt es "Das Wunder von Mals" überall in jeder Kommune, Stadt, in jedem Landkreis und Bundesland zu multiplizieren. Denn dieser Agroindustrie müssen wir die Stirn bieten - im Namen unserer Kinder und Enkelkinder egal wo sie leben auf diesem wunderbaren Planeten. Empören und engagieren wir uns, damit der Boden, die Arbeit der Kleinbauern weltweit nicht noch mehr zerstört wird. Eine andere Welt ist möglich! Dies machen seit Jahren WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus aller Welt im Weltagrarbericht deutlich. Die Fusion zu BAYSANTO kann und muss gestoppt werden.

  • 5 Camou Flage 17.01.2018, 20:56 Uhr

    Endlich mal ein kritischer Beitrag.. BAYER soll untergehn mit diesen Praktiken.. Da geht es wie gehabt nur um den eigenen Profit und die Macht.. Möchte mal gerne wissen, ob die das Zeug auch selber essen, oder wie DIE sich ernähren...