Die Lachs-Industrie

Die Lachs-Industrie

Ein Film von Andrea Hauner

Rund 400 Millionen Lachse schwimmen in Norwegen in Netzgehegen. Kann man Zuchtlachs unbedenklich essen? Es ist die Rede von Antibiotika, Pestiziden und sogar "giftigem Lachs". Aber stimmen die Vorwürfe wirklich?

Früher war Lachs eine besondere Delikatesse, heute ist er ein Massenprodukt. Auch, weil er in riesigen Aquakulturen gezüchtet wird und deshalb preiswerter ist als zum Beispiel Kabeljau oder Heilbutt. Aber in den letzten Jahren ist der Zuchtlachs immer wieder in Verruf geraten. Es ist die Rede von Antibiotika, Pestiziden und sogar "giftigem Lachs". Was ist dran an diesen Vorwürfen? Der Hamburger Küchenchef Thomas Sampl macht sich auf den Weg zu Lachsfarmern, Wissenschaftlern und Händlern, um Antworten auf diese Frage zu finden.

Thomas Sampl mit einem Gefäß halbvoll mit einer gelben Flüssigkeit

Küchenchef Thomas Sampl will wissen, wie gefährlich das Ethoxyquin im Lachs wirklich ist.

Lachs, der in Deutschland verzehrt wird, kommt zu über 90 Prozent aus Norwegen. Rund 400 Millionen Lachse schwimmen hier in Meeresgehegen. Die Aquakultur hat zwar Fortschritte gemacht, aber es gibt auch noch jede Menge Probleme. Der Lachs ist ein Raubfisch und ernährt sich in freier Wildbahn vor allem durch andere Fische. Doch in der Zucht ist Futter aus Fischen limitiert. Deshalb stellen die Lachsfarmer auf vegetarisches Futter um. Das hat Konsequenzen, vor allem auf den Omega-3-Gehalt des Lachses. Das Pestizid Ethoxyquin, mit dem das Futter haltbar gemacht wird, ist in Europa eigentlich verboten. Als Konservierungsmittel ist es nur erlaubt, weil es bisher keine Alternative gibt. Wie viel giftiges Ethoxyquin ist im Lachs nachweisbar? Und wie gefährlich ist das?

Lachs-Verarbeitung in einer norwegischen Fabrik

Die Lachse werden gleich in Norwegen zu Filets weiterverarbeitet.

Das Hauptproblem der Züchter sind Lachsläuse, die sich als Folge der Massenzucht ausbreiten. Eine Plage, die sie bislang nicht in Griff bekommen - und die einen Verdacht nährt: Die Lachszucht in den Fjorden könnte ausgereizt sein. Dennoch: Die Züchter in Norwegen wollen noch mehr Lachs produzieren. Denn durch die wachsende Nachfrage steigt der Lachspreis. Mehrere Firmen sind bereits an der Börse. Sie wollen mit "Meeresfabriken" die Lachszucht revolutionieren. Die Story über ein Geschäft, das mit seinem eigenen Erfolg zu kämpfen hat.

Autorin: Andrea Hauner
Redaktion: Barbara Schmitz (WDR) und Jochen Graebert (NDR)

Stand: 12.06.2017, 15:26

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1 Kommentar

Neuester Kommentar von "Antonietta", 10.07.2017, 17:56 Uhr:

Die Aquakultur (Fischzucht) ist eine Millionen-Industrie geworden. Fast die Hälfte der heute konsumierten Lachse, 40 Prozent der Weichtiere und 65 Prozent der Süßwasserfische verbringen den Großteil ihres Lebens in Gefangenschaft. Das National Fisheries Institute bezeichnet die Aquakultur als "einen der am schnellsten wachsenden Lebensmittelproduktionssektoren der Welt." Die auf Aquafarmen gezüchteten Fische sind ebenso bewegungslos zusammengepfercht wie Hühner in der Massentierhaltung. Hightech-Massensysteme kontrollieren Futter, Licht und Wachstumsstimulation. Es werden Medikamente, Antibiotika und Gentechnik eingesetzt, um das Wachstum zu beschleunigen und das Fortpflanzungsverhalten zu verändern. Durch die Enge erleiden die Fische Verletzungen am ganzen Körper und stehen unter extremem Stress, was zur raschen Ausbreitung von Krankheiten führt.