Die Kanaren – Inseln der Arbeitslosen

Die Kanaren – Inseln der Arbeitslosen

Ein Film von Johannes Höflich und Jo Angerer

Der Film zeigt die Kehrseite des Massentourismus: Arbeit gibt es allenfalls zum Billiglohn, über die Hälfte der Einheimischen unter 24 Jahren ist arbeitslos. Die Einwohner konkurrieren mit zugewanderten Deutschen und Engländern, die gern als „Native Speaker“ eingekauft werden.

Massentourismus auf den Kanaren: Viele Millionen Deutsche besuchen vor allem im Winter die Inseln mit dem sommerlichen Klima. Doch den Einheimischen bringt der Tourismus nur wenig. Die meisten Gäste buchen all-inklusiv. Daran verdienen vor allem die großen Touristikkonzerne – nicht die Restaurants und Bars auf den Inseln. Hunderttausende Kreuzfahrt-Touristen kommen für ein paar Stunden nach La Gomera, Gran Canaria oder Teneriffa. Viel Geld lassen sie nicht da.

Der Film zeigt die Kehrseite des Massentourismus: Arbeit gibt es allenfalls zum Billiglohn, über die Hälfte der Einheimischen unter 24 Jahren ist arbeitslos. Die Einwohner konkurrieren mit zugewanderten Deutschen und Engländern, die gern als „Native Speaker“ für Jobs als Reiseleiter, Tauchlehrer, Empfangschef, Mitarbeiter einer Autovermietung oder auch als Hoteldirektor eingekauft werden.

Statt vom Tourismus zu profitieren müssen die Menschen auf den Kanaren mit den negativen Folgen leben. 57 Millionen Liter Abwasser werden Tag für Tag allein auf Teneriffa nur unzureichend geklärt ins Meer geleitet. Strände müssen zeitweise gesperrt werden, gegen die Verschmutzung protestierten im September 2017 fast 5.000 Menschen in Santa Cruz.

Der boomende Tourismus treibt nicht nur die Preise in die Höhe, auch die Mieten steigen. Zehntausende Wohnungen auf den Kanaren werden dauerhaft über Airbnb an Urlauber vermietet. Touristenzentren und Wohngegenden vermischen sich immer mehr. Das führt zu Spannungen. Manche Lokalpolitiker fürchten sich inzwischen vor sozialen Unruhen. „Alemanes fuera – Deutsche raus“, dieses einst auf La Palma verbreitete Graffiti, taucht inzwischen überall auf.

Autoren: Johannes Höflich und Jo Angerer
Redaktion: Norbert Hahn

Stand: 15.11.2017, 13:38

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17 Kommentare

  • 17 Sandra Urban Batzelt 09.04.2018, 18:59 Uhr

    Ja. Wir leben auf Lanzarote, an der Costa Teguise. Wir haben eine Vermietungsgesellschaft, die IVV Ferienhäuser, die Vermieten seit über 10 Jahren insgesamt 11 Häuser illegal, also ohne Lizenz. Im September 2017 wurde diese Vermietung von Las Palmas für illegal erklärt. Es wurde eine Strafe gezahlt und weiter vermietet. Hier gibt es kaum noch Residenten und Kinder schon garnicht. Es werden dort auch keine Spanier beschäftigt. Die Gemeinde verdient immer mit und fühlt sich nicht zuständig. Manchmal schäme ich mich für meine deutschen Mitmenschen. Auch hier wächst der Unmut gegenüber den Touristen, doch wie sagt man hier, wir leben in Africa. Hand auf und weiter gehts.

  • 16 Teneriffaner 18.02.2018, 22:34 Uhr

    Wer helfen will, kann eine der lokalen Organisationen unterstützen, die Essenstüten an Bedürftige (mit Bescheinigung vom Sozialarbeiter). Z.B. www.asociacionkairostenerife.org Unter "contactanos" gibt es eine email-Adresse. Ich denke, man kann auf Deutsch schreiben.

  • 15 Michael Stade 13.02.2018, 22:56 Uhr

    ich bin begeisterter Kanarenfan, bin einmal im Jahr für 3 Wochen auf einer der Inseln. Das es vielen Canarios nicht so gut geht, wusste ich. Das es jedoch so extrem erschütternd ist, wusste ich nicht Habe die Sendung eben erst gesehen und habe sofort nach Patenschaften für arme einheimische Menschen auf den Kanaren gesucht und was soll ich sagen, nichts gefunden ( ausser arme Hunde für die man spenden kann) Klar, auch dere Schicksal ist erschütternd, aber es geht hier um Menschen und ihre Kultur, die wir Touristen mit Füßen treten. Ich suche schon immer einheimische kleine Restaurants, Bäcker, Friseure etc auf, miete eine kleine Wohnung meist ausserhalb und verpflege mich selber. Nach diesem Bericht weiß ich aber, daß das nicht genug ist und möchte eine Familie mit einem kleinen Obulus monatlich unterstützen ( viel Geld besitze ich leider auch nicht). Kann mir jemand vom WDR oder auch privat hier Einrichtungen oder Vereine nennen, die die armen Menschen unterstützen. Dank für jede Info

  • 14 Jürgen Roth 21.01.2018, 14:23 Uhr

    Leere Bergdörfer auf der einen und zu wenig bezahlbarer Wohnraum auf der anderen Seite - wie passt das zusammen? Na ja, es ist halt körperlich leichter als Taxifahrer, Kellner, Verkäuferin und Zimmermädchen zu arbeiten als auf einer Finca in Hanglage zu ackern. Das Problem der Abwanderung aus ländlichen Regionen kennen wir in Deutschland ja auch. Und vor allem: Viele kanarische Inseln sind schlichtweg überbesiedelt (in den letzten 40 Jahren eine Verdopplung der Bevölkerung auf Teneriffa und Gran Canaria, auf Lanzarote 11 mal soviel!), denn der Archipel ist politisch stabil, hat eine (zu) gute Verkehrsinfrastruktur, bietet ein gutes Biildungs- und Gesundheitswesen und hat ein angenehmes Klima. Aber wo sollen die Arbeitsplätze für diese vielen Zuwanderer (im Filmbericht wird immer nur von *Einheimischen" gesprochen, wer ist das denn?) herkommen: Die Fixierung auf eine touristische Monostruktur, wie sie sich auch durch den Bericht zieht, schafft das nicht.

  • 13 Robertoxl 14.01.2018, 14:24 Uhr

    Warum wurde eigentlich nicht einer der größten EU Geldverschwendungen auf den Kanaren gezeigt Der total Nutzlose und verplante Millionen Bau auf La Palma _ Hafen Puerto Tazzacorte

  • 12 Silvio Feist 14.01.2018, 14:04 Uhr

    Liebe WDR Redaktoren, ich arbeite seit 19 Jahren auf den Kanaren als deutscher Küchenchef und bin mit Ihrerem Bericht nicht ganz einverstanden. Wenn sie als Urlauber ins Ausland fliegen ,ist es schon besser eine Person zu haben ,die der Sprache des Gastes mächtig ist,so kann man Missverständnisse bei der Ankunft vermeiden. Es ist wahr dass wir ca. 25% Jugendarbeitslosigkeit haben,da haben aber nicht die Ausländischen Fachkräfte Schuld. Seit ca.5 Jahren ,werden erst Fachkräfte für die Hotellerie ausgebildet ,deshalb holt man sich geschultes Personal aus dem Ausland. Auf Gran Canaria ,wurde so weit wie ich weiss noch kein Strand ,wegen Verschmutzung geschlossen. Vielleicht sollten aber auch die "Tourismuskonzerne",darauf mehr Wert legen ,dass bestimmte Umweltverordnungen eingehalten werden und ihrerseites Druck auf die Lokalpolitiker ausüben. Die von Ihnen angeführte Billiglöhne ,haben wir unter anderem der Spanischen Regierung zu verdanken.

  • 11 Conrado 13.01.2018, 19:49 Uhr

    ich wohne und arbeite als kellner auf Lanzarote, und habe auch eine Zeit im Hotel hinter mir. das geld der Touris bleibt nicht auf der Insel. Kreuzfahrttouristen und all inclusive Touristen lassen ihr geld bei internationalen konzernen, suchen Malls statt kleine Läden. Die gut Bezahlten führungspositionen haben Deutsche, Engländer, z.T. Russen etc. Man kann man als Angestellter nur zwischen Pest und Cholera wählen wenn man sich zwischen Jobs entscheiden kann. Sprich verarscht wird man überall, wenn auch unterschiedlich dreist.Durch die Not wird die Moral auch im Mittelstand versaut Es kommen aber mehr Probleme zusammen, wie Bildung und Ausbildung, gerade in Sprachen. Es gibt hier kein System wie in D die Lehre. Entweder man studiert oder absolviert privat teure Kurse die keine Arbeitserfahrung bringen und nicht ist jeder für die Tourismusbrange geschaffen; die Löhne wären nicht so dramatisch wenn Mieten wegen RBnB etc nicht so stiegen; der Binnenmarkt ist tot, da Import billiger kommt.

  • 10 Daphne 13.01.2018, 18:01 Uhr

    Guter Bericht, der sicher nicht alle Probleme aufdecken konnte, aber zumindest ein Bewusstsein schafft. Zur (berechtigten) Frage von Alessandro - die Antwort ist einfach: keine Billig- bzw. Pauschalreisen buchen, "sanfter Tourismus", lokal einkaufen und vieles mehr.

  • 9 Alessandro 11.01.2018, 23:23 Uhr

    Wie bereits von den Vorkommentatoren beschrieben stellt der Bericht die Missstände gut dar. Das Problem ist außer dem schlechtem Gefühl wird den meisten Zuschauern unklar sein wie sie persönlich das Problem lösen können. Ich fände es daher wünschswert, wenn eine solche Sendung sich genauso damit beschäftigen würde wie Touristen ihrerseits zu einer Verbesserung beitragen könnten. Das wäre sicher hilfreicher als das kurzzeitige schlechte Gewissen nach der Sendung.

  • 8 chris tine 11.01.2018, 14:15 Uhr

    Ein sehr guter Beitrag des WDR! Genau so sieht es aus. Ich wohne auf Teneriffa seit 25 Jahren und es geht stetig bergab... Ich kenne hier genügend Menschen, sowohl Einheimische als auch Zugewanderte, die finanziell AM MINIMUM ODER sorry AM ARSCH sind. Die Arbeitsbedingungen sind so, wie im Film dargestellt: lange Arbeitszeiten zu Hungerlöhnen! Doch glücklich ist, wer überhaupt Arbeit hat. Die Menschen hier machen sich kaputt! Kellner, die 12 Std täglich rennen und weniger verdienen als jeder Azubi in Deutschland! HALLO????? Und dann wird noch mit dem Trinkgeld gegeizt! Es ist echt traurig! Bezüglich der Kommentare von anderen hier: 1) Natürlich gibt es solche Zustände auch anderswo, aber dies hier ist ja nun mal eine Reportage über die Kanaren! 2) Schön, dass es unter euch Touris echt noch Leute gibt, die vor Ort mal 'ne Eintrittskarte kaufen, eine Tour buchen oder ein Auto mieten. Aber DAS REICHT NICHT! 3) Natürlich stecken Politiker dahinter IMMER! 4) Uschi Mayr: gute Idee!

  • 7 alexander 11.01.2018, 14:11 Uhr

    ergaenzung zu meinem kommentar: ein denkbarer ausweg, den zu favorisieren unausweichlich scheint, waere die touristikkonzerne fuer die von ihnen ruecksichtslos verursachte situation und schaeden zur kasse zu bitten. sie benutzen und missbrauchen die hiesige infrastruktur also sollen sie sie auch unterhalten. lg alexander schöneborn