Der Bluttest: Entscheidungsdrama vor der Geburt

die story 16.02.2022 43:48 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Ilka aus der Mark


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Der Bluttest – Entscheidungsdrama vor der Geburt

Stand: 28.01.2022, 11:50 Uhr

Im Frühjahr 2022 könnte es zu einer Wende in der Schwangerenvorsorge kommen, sobald der „Bluttest auf Trisomien“ von den Krankenkassen übernommen wird. Sehr treffsicher, kostenlos und ohne Gefahr fürs Baby können Schwangere damit prüfen lassen, ob ihr Kind im Bauch eine Behinderung hat.

Durch die Kassenübernahme des Bluttests wird die Nachfrage steigen. Dann kommen werdende Eltern vermutlich häufiger in ein Dilemma: Sollen sie das behinderte Kind bekommen oder die Schwangerschaft abbrechen? „Eltern in eine Situation zu bringen, in der sie darüber entscheiden, ob ihr Kind leben darf oder nicht, ist die schwierigste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann. Wir mussten sie meistern“, sagen Patricia und ihr Mann Clemens. Als sie durch den Bluttest erfuhren, dass ihre ungeborene Tochter das Downsyndrom hat, überkamen sie Ängste. Was wird mit dem Job? Werden sie mit einem behinderten Kind stigmatisiert?

Mann und Frau schauen sich an.

Patricia und Clemens

Schon heute entscheiden sich die meisten werdenden Eltern nach der Diagnose Downsyndrom für einen Abbruch. Das liegt auch an einer halbherzig betriebenen Inklusion und der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit Behinderung. Die Kassenzulassung des Bluttests könnte deshalb zur Folge haben, dass in Zukunft nur noch Kinder geboren werden, wenn sie den Erwartungen der Eltern entsprechen. Damit Schwangere sich gut informiert und selbstbestimmt für oder gegen ein behindertes Kind entscheiden können, sind eine gute Aufklärung vor dem Test und eine gute Betreuung danach entscheidend. Doch jeder, der zum Arzt oder zur Ärztin geht, weiß, dass sie kaum Zeit haben, um in ein intensives persönliches Gespräch zu gehen.

Schon jetzt, wo Schwangere den Test noch selbst zahlen müssen, klagen sie über mangelhafte Aufklärung und eine fehlende Vermittlung zu Beratungsstellen. Übernimmt die Kasse den Test, sind auch Politikerinnen und Politiker gefragt – sie müssen die Rahmenbedingungen neu festlegen.

Filmemacherin Ilka aus der Mark hat ein Jahr lang werdende Eltern begleitet und bei Ärzt:innen, Politiker:innen und Ethiker:innen nachgeforscht, was nötig ist, um mit dieser neuen Dimension von Schwangerschaftsvorsorge verantwortungsvoll umzugehen.

Ein Film von Ilka aus der Mark
Redaktion: Christiane Mausbach