Das kurze Leben der Rennpferde

Das kurze Leben der Rennpferde

Antonia Coenen und Wilm Huygen haben eine Saison lang in der deutschen Galopp-Szene recherchiert und Rennveranstaltungen, Trainingsställe und Auktionen im ganzen Land besucht. Sie haben die kurze Karriere der Rennpferde in Deutschland beobachtet.

Galopprennen in Deutschland: Schnelle Pferde, große Hüte, Champagner, Geld und beste Unterhaltung. Große Events mit Tradition und Prestige, die Jahr für Jahr rund eine Million Zuschauer anziehen. Nur Fußball ist für das Publikum noch attraktiver.

Für die Rennpferde, die tierischen Athleten im Galopp-Zirkus, geht es allerdings weniger um Spaß als um höchsten Stress, und nicht selten ums Leben. Jedes Jahr sterben Tiere nach Stürzen direkt auf der Rennbahn. Viele Galopper verletzen sich tödlich beim Training oder werden wegen Leistungsschwäche und Verletzungen aussortiert und frühzeitig billig an Hobbyreiter verkauft.

Mann auf einem Pferd

Galopprennen, sagen Funktionäre, liegen dem Naturell der Pferde am nächsten von allen Pferdesportarten

So auch Aspantau, ein Wallach bester Abstammung. Der junge, einst hoch gehandelte Galopper, war nach dem Ausscheiden aus dem Sport mit nur vier Jahren ein körperliches und seelisches Wrack. Viel zu früh antrainiert, lief er in England das erste Rennen schon mit zwei Jahren. Ohne Erfolg. Ein rapider Wertverlust war die Folge, er wurde billig nach Deutschland verkauft und hier bei kleinen Rennen förmlich zugrunde geritten. Seine Biographie ist exemplarisch für einen Großteil der etwa 2.400 Rennpferde, die in den Boxen der deutschen Rennställe stehen.

Gegner des Galoppsports, wie der ehemalige Rennbahntierarzt Dr. Maximilian Pick, äußern heftige Kritik am System. Viele Dinge, die Rennbahnbesucher ganz normal finden, erscheinen aus seinem Blickwinkel höchst fragwürdig: Vom Rennbahn-Einsatz zweijähriger Jungpferde, die praktisch noch „Kinder“ sind, über den Peitschengebrauch, bis hin zum Aussortieren der Pferde, die keine Leistung mehr bringen.

Pferd Aspantau auf einer Weide

Der Ex-Galopper Aspantau bekommt mit acht Jahren sein Gnadenbrot.

Antonia Coenen und Wilm Huygen haben eine Saison lang in der deutschen Galopp-Szene recherchiert und Rennveranstaltungen, Trainingsställe und Auktionen im ganzen Land besucht. Sie haben die kurze Karriere der Rennpferde in Deutschland beobachtet. Es heißt, der Galoppersport käme von allen Pferdesportarten der Natur des Pferdes am nächsten. Die beiden Autoren haben anderes erlebt. Das edle Vollblut ist Sportgerät, Prestigeobjekt und Spekulationsobjekt zugleich.

Ein Film von Antonia Coenen und Wilm Huygen


Redaktion: Angela Jaenke (WDR) und Barbara Denz (NDR)

Stand: 23.01.2018, 11:11

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5 Kommentare

  • 5 Julia Honig 10.03.2018, 21:41 Uhr

    Ich kümmere mich seit 30 Jahren um diese armen geschändeten & vergewaltigten Geschöpfe.. mich machen diese Bilder einfach unsagbar wütend ?????? und traurig ?????? Bei einigen Züchtern gibt es zum Glück ein Umdenken.. so hat Flying Blue "Bubbele" auch den Weg in meinen Stall gefunden. Das er noch lebt, hat er nur seiner Züchterin zu verdanken, die ihn frei gekauft und wieder aufgepäppelt hat, bevor er dann zu mir kam... Soviel Herz & Verstand haben leider die wenigsten! Es ist absolut richtig, dass nur die wenigsten Freizeitreiter in der Lage sind einem Galopper a.D ein vernünftiges neues zu Hause zu bieten. Die Erlebnisse wiegen meist zu schwer... und sind für einen Laien nicht händelbar.

  • 4 Franzi Hoffmann 07.03.2018, 13:03 Uhr

    Ich finde es sehr gut dass das thematisiert wird. Es muss immer und immer wieder geschehen bis es auch der letzte mitbekommen hat. Die Zuschauer sind genauso Mittäter wie Trainer Besitzer Reiter e.c. So lange wie wir Tiere vor dem Menschen schützen müssen , auch vor denen die alles richtig zu machen glauben, müssen solche Beiträge in die Öffentlichkeit. Danke dafür.

  • 3 Renate Schulz 05.03.2018, 18:37 Uhr

    Solange wir Gott aus unserem Leben ausschließen, kann auch nichts Gutes in uns sein. (Ich rede nicht von Kirche) Wir werden uns aber einmal für alles verantworten müssen. Liebe Segensgrüße Renate Schulz

  • 2 Klaus Kracht 05.03.2018, 10:48 Uhr

    Hallo.. freue mich dass Sie das Thema beobachtet haben... ein ähnliches Thema sind die WINDHUNDRENNEN u das Ende der Tiere vielleicht ist das auch mal ein Thema für Sie mit freundlichen Grüßen Klaus Kracht

  • 1 Antonietta 22.02.2018, 07:02 Uhr

    Für sogenannte Rennpferde liegen Verletzungen und Tod immer nur einen Hufschlag entfernt, denn den Tieren werden Höchstleistungen abverlangt, die sie sehr oft überfordern. Die Folge sind Verletzungen oder Stürze, die für das Pferd häufig den frühzeitigen Tod im Schlachthaus bedeuten und sie somit z.B. als Wurst auf dem Teller landen. Pferde werden im Galopp- oder Trabrennsport viel zu früh antrainiert. Sie sind teilweise erst zwei oder drei Jahre alt – also noch nicht ausgewachsen –, wenn sie zu tierwidrigen und unnatürlichen Leistungen gezwungen werden. Die Folge sind Sehnenschäden und Knochenbrüche, da das Skelett und die Sehnen noch nicht richtig ausgebildet sind. Außerdem ist immer wieder zu sehen, dass Jockeys permanent mit der Peitsche auf die Pferde einschlagen und sie mit Zungenbändern, Ohrenstöpseln oder Scheuklappen gefügig machen.