Das Geschäft mit dem Fischsiegel – Die dunkle Seite des MSC

Das Geschäft mit dem Fischsiegel – Die dunkle Seite des MSC

Fisch gilt als gesund. Doch welchen Fisch kann man mit gutem Gewissen essen, um das Leben im Meer nicht zu zerstören? Welche Fangmethoden sind nachhaltig? Viele Verbraucher orientieren sich bei dieser Frage an dem blauen Fischsiegel des MSC, des Marine Stewardship Council. Es gilt als erfolgreichstes Öko-Siegel der Welt und ziert in Deutschland mehr als die Hälfte aller verkauften Fischprodukte. Ganze Supermarktketten bieten nur noch MSC-zertifizierte Ware an. 41% der Käufer kennen das Siegel und vertrauen ihm. „Man muss das glauben“, sagt dazu eine Kundin im Supermarkt. „Das ist wie mit Bio, das ist ‚ne Glaubenssache. Und MSC hat es irgendwie geschafft, mich zu überzeugen.“

Weltweite Recherche

Eigentlich garantiert das MSC-Siegel: Dieser Fisch kommt nicht aus überfischten Beständen und bei seinem Fang ist das Ökosystem Meer nicht beschädigt worden. Doch: Stimmt das auch? Schon länger gibt es Kritik an dem Siegel. Die Standards seien zu lasch, heißt es von Meeresschützern. Story-Autor Wilfried Huismann fühlt mit seiner aufwendigen, weltweiten Recherche dem MSC auf den Zahn.

Unzählige kleine Haie liegen in einer Halle auf einem Haufen.

Die Hai-Auktionshalle in Vigo. Flossenhandel womöglich bald mit MSC.

Ein Siegel aus Marketinggründen?

Das Story-Team findet Beispiele, die zeigen, wie fragwürdig die Siegelvergabe durch den MSC ist. Er trifft Fischer, die das Fischsiegel vor allem aus Marketinggründen haben wollten und es auch bekommen haben, obwohl ihre Fangmethode den Meeresboden beschädigt. „Wenn das MSC-Siegel drauf ist, gibt es keine Fragen mehr“, sagt dazu der Geschäftsführer einer Schollenfischerei.

Ein Siegel, um Fisch besser zu verkaufen? Ein galizischer Kleinfischer, der Oktopus und andere Arten auf traditionelle Art fängt, lehnt das MSC-Siegel kategorisch ab. Er und seine Kollegen hätten es beantragen können. Doch der MSC habe auch mit den Eignern großer Fangschiffe verhandelt, die die Bestände allein aufgrund ihrer Größe gefährden würden. „Wenn es dem MSC nur darum geht, den Bestand einer Art zu zertifizieren, aber nicht die Fangmethode, dann wollen wir kein MSC“, sagt der Fischer.

Eine Verpackung mit dem WWF-Logo und dem MSC-Logo.

MSC- ein Gemeinschaftsprojekt von Industrie und WWF.

Ökostandards oder Industrieinteressen?

Immer wieder begegnet Huismann auf seiner Recherchereise der Vorwurf, der MSC halte seine selbst gesetzten Standards nicht mehr ein. Einer der Mitbegründer des Ökosiegels wirft dem MSC gar vor, mittlerweile mehr den Industrieinteressen als den eigenen Ökostandards zu folgen. Das MSC sei „auf die dunkle Seite“ gewechselt. Was ist dran an diesem Vorwurf? „Die Story im Ersten“ liefert überraschende und ernüchternde Erkenntnisse.

Ein Film von Wilfried Huismann
Redaktion: Anna Herbst, Nicole Ripperda, Martin Suckow

Stand: 27.07.2018, 14:25