Corona - Tagebuch einer Klinik

Corona: Tagebuch einer Klinik Verfügbar bis 08.04.2021 WDR Von Fritz Sprengart, Dirk Bitzer

Corona - Tagebuch einer Klinik

Ja, er kann kommen. Allein, mit seiner Kamera, einer Reisetasche mit dem Nötigsten und einem Corona-Test mit dem Ergebnis “negativ“. Für 10 Tage zieht der WDR-Autor in das evangelische Krankenhaus in Mettmann und darf dokumentieren, wie sich die Klinik und all ihre Mitarbeiter*innen vorbereiten, damit sie nicht am Ende Entscheidungen fällen müssen wie ihre Kollegen in Italien. Am ersten Tag liegen 4 Patienten auf der Coronastation, aber jeden Tag werden es mehr.

„Wenn wir irgendwann entscheiden müssen, wer beatmet wird und wer nicht, weil es nicht genug Beatmungsgeräte gibt, das ist schwer,“ gesteht Chefarzt Andreas Brauksiepe. „In die Situation will ich nicht geraten. Das macht mir große Angst.“ Jeden Morgen tagt eine Task Force, trifft neue Entscheidungen für den Tag und bewertet die Vorbereitungen von gestern.

Ärtzinnen und Ärzte in ihrem Besprechungsraum. Alle tragen Gesichtsmasken.

Das Team der Intensivstation muss dauerhaft Masken tragen, weil sie ungeschützten Kontakt zu einem Covid-Patienten hatten.

Sie sei bereit, dauerhaft auf die neue Isolierstation zu ziehen, sagt Krankenpflegerin Virginia Bernstein: „Meine Tasche ist gepackt“. Zusammen mit fünf Kolleginnen bereitet sie sich auf den Ernstfall vor, wenn die Zahl der Corona-Patienten weiter ansteigt und deren Versorgung nur noch unter persönlichen Opfern des Pflegepersonals möglich ist. Dann werden sie mit den infizierten Patienten auf der Station wohnen.

Nur eine von vielen Entscheidungen, mit denen Pflegekräfte, Ärzte und Verwaltung sich auf den befürchteten Anstieg der Corona-Patienten-Zahlen vorbereiten: Ganze Abteilungen werden umgeräumt, die Notaufnahme in zwei Bereiche geteilt - infektiöse und nichtinfektiöse Fälle - eine zweite Intensivstation soll es auch geben.

Einige Ressourcen sind jetzt schon knapp. Vor allem Gesichtsmasken, und das trifft alle. Im Extremfall ist keine Patientenversorgung möglich, wenn die Mitarbeiter nicht geschützt sind, sagt Geschäftsführer Bernd Huckels. Umso ärgerlicher, wenn bürokratische Entscheidungen den Materialnachschub verhindern. Doch Hygieniker Boris Ulitzka ist erfinderisch. Er war im Baumarkt – und bastelt jetzt 30 Masken aus Plexiglas. „Das dient als Spritzschutz, kann aber eine Atemschutzmaske nicht ersetzen.“

Ein Patient sitzt mit einer Atemmaske auf einem Krankenhausbett. Ebenfalls im Raum sind eine Ärtzin und ein Kameramann in Schutzkleidung.

Coronapatient Klaus-Dieter Holst (Mitte) auf der Isolierstation.

Auf der Isolierstation liegt der Corona-Patient Klaus-Dieter Holst und lobt das Personal: „Sie machen einen super Job!“ Dabei ist das EVK Mettmann mit im Normalbetrieb 250 Betten keines der ganz großen Häuser. Die Krise bringt das Team aus Ärzt*innen und Pflegekräften an ihre Belastungsgrenzen.

WDR-Autor Fritz Spengart ist mit der Kamera unmittelbar dabei, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden, Patienten getröstet, kreative Lösungen gefunden werden müssen für eine Situation, die es noch nie gab. Hautnah erlebt er mit, wie sehr es von klugen und opferbereiten Menschen abhängt, ob die Krise gemeistert werden kann. Als er die Klinik nach 10 Tagen wieder verlässt, sind es schon 15 Corona-Patienten, die auf der Isolierstation liegen. Doch die Menschen hier geben nicht auf.

Ein Film von Fritz Sprengart und Dirk Bitzer
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 03.04.2020, 13:26