Frau mit Demostrationsschild sitzt vor Brunnen.

Bis zum letzten Tropfen

Stand: 25.04.2022, 13:10 Uhr

Die Doku beruht auf exklusiven Recherchen, die in den gleichnamigen Fernsehfilm eingeflossen sind. Der preisgekrönte Autor Daniel Harrich zeigt die Wirklichkeit hinter der Fiktion: Jahrelang hat ein internationaler Getränkekonzern sich bemüht, für seine Abfüllanlage bei Lüneburg ein großes Grundwasserreservoir zu erschließen. Das Wasser liegt so tief, dass der Konzern und die zuständigen Behörden davon ausgehen, dass die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nicht angegriffen wird.

Frau mit Kescher läuft durch einen Bach.

Andrea Sundermann untersucht seit Jahren den Urselbach nahe Frankfurt für die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Sie dokumentiert, dass die Biodiversität durch menschliches Einwirken enorm abnimmt.

Der Konzern hat auf ein von ihm vorgelegtes Gutachten verwiesen, das die Unbedenklichkeit der Wasserentnahme bestätigen soll. Doch daran gibt es schon lange Zweifel. Eine örtliche Bürgerinitiative traut dem Gutachten nicht. Sie will das laufende Genehmigungsverfahren stoppen. "Wir verkaufen nicht!" und "Es gibt keinen Planet B" steht auf ihren Plakaten. Daniel Harrich geht mit Hilfe von Wissenschaftlern der Frage nach, wie kritisch die Lage durch das geplante Abpumpen der Wasservorräte tatsächlich werden könnte.

Dabei stößt der Filmemacher auf eine Reihe von besorgniserregenden neuen Daten und Erkenntnissen. Harrich begleitet den Grundwasserökologen PD Dr. Hans Jürgen Hahn von der Universität Koblenz-Landau, der den Zusammenhang zwischen Oberflächen- und Grundwasser untersucht. Seine Sorge: Die Entnahme von Grundwasser kann sich, bedingt durch den Klimawandel, fatal auf den Wasserhaushalt an der Oberfläche auswirken.

Fünf Männer stehen vor einem Loch im Boden.

Klaus Arzet, Michael Belau und Matthias Schrepfermann begutachten eine trocken gefallene Quelle im bayerischen Teuschnitz. Der Stadt reicht die lokale Wassergewinnung nicht mehr, weil, bedingt durch den Klimawandel, immer weniger Wasserneubildung stattfindet.

Klaus Arzet, Michael Belau und Matthias Schrepfermann begutachten eine trocken gefallene Quelle im bayerischen Teuschnitz. Der Stadt reicht die lokale Wassergewinnung nicht mehr, weil, bedingt durch den Klimawandel, immer weniger Wasserneubildung stattfindet.

Der Fall zeigt, was uns allen bevorsteht, wenn es zunehmend Verteilungskämpfe um die knapper werdenden Grundwasservorräte gibt. Kurz gesagt: Wem gehört das Trinkwasser? Während der Dreharbeiten kündigt der Konzern an, dass er das Vorhaben, das er "jahrelang mit großer Anstrengung verfolgt hat", nun "vorerst" einstellen will. Begründung: Der Mineralwassermarkt habe sich rückläufig entwickelt. Die Bürgerinitiative erklärt auf Anfrage, sie halte diese Ankündigung für einen taktischen Schachzug. Wie der Streit um das Wasser bei Lüneburg ausgeht, bleibt demnach möglicherweise weiter offen.

Ein Film von Daniel Harrich
Redaktion: Thomas Reutter und Teresa Marleen Bechtold