Bauer, Gärtner, Parkinson - Die Bedrohung auf dem Land

Vergiftetes Land? Parkinson, die Bauern und die Gärtner die story 31.03.2021 44:04 Min. UT Verfügbar bis 31.03.2099 WDR Von Elke Brandstätter, Marko Rösseler

Bauer, Gärtner, Parkinson - Die Bedrohung auf dem Land

„Ich habe es beim Rosenschneiden gemerkt“, sagt Ulrich Elixmann. Seine Hände funktionierten einfach nicht mehr. Er ließ sich untersuchen, die Diagnose war ein Schock: Parkinson. Heute ist er 60, nimmt 13 Tabletten am Tag, macht Gymnastik, Ergotherapie, Logopädie. Er hofft, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, das starre Gesicht, die zunehmende Bewegungslosigkeit. Eine Frage aber lässt ihn nicht los: Warum Parkinson? Warum er? Und warum sind auch andere Gärtner und Landwirte in seinem Bekanntenkreis betroffen?

Der Protagonist Ulrich Elixmann.

Der ehemalige Gärtner Ulrich Elixmann hat Parkinson. Er fragt sich, ob seine Erkrankung mit dem früheren Einsatz von Spritzmitteln zu tun hat.

 

Tatsächlich hat sich die Zahl der Parkinsonerkrankten seit den 1990er Jahren weltweit verdoppelt. Forscher wie Bas Bloem von der Radboud-Universität in den Niederlanden sprechen sogar von einer Pandemie: Es sei die am schnellsten wachsende neurologische Erkrankung der Welt, die vorwiegend durch Faktoren in der Umgebung verursacht sei. Vor allem stark industrialisierte Länder sind betroffen, in denen viele verschiedene Chemikalien in die Umwelt gelangen. Pestizide zum Beispiel.

Pestizide werden auf einem Feld verteilt.

Ein Bauer in Deutschland bringt Wirkstoffe auf seinem Feld aus. Ohne Pestizide sei ein wirtschaftlicher Anbau kaum möglich sagen Viele.

Den Zusammenhang zwischen Parkinson und Pestiziden hat Beate Ritz, eine Epidemologin der University of California in Los Angeles, untersucht. Siekonnte einen einzigartigen Datenschatz auswerten: Im kalifornischen Central Valley, einer riesigen intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche, wurde seit Anfang der siebziger Jahre genau erfasst, wann wo welche Stoffe gegen Pilze, Unkraut und Insekten ausgebracht wurden. Sie verglich die Daten mit Wohnorten von Parkinsonpatienten – und tatsächlich lebten diese Menschen viel näher an den Feldern als nicht erkrankte. Inzwischen wurden über 20 Wirkstoffe, die jahrzehntelang eingesetzt wurden, gesondert untersucht: Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass sie in den Hirnstoffwechsel eingreifen und Parkinson auslösen können.

Parkinsonforscherin Beate Ritz

 

Auch Ulrich Elixmann hatte während seines 40jährigen Berufslebens mit vielen Substanzen Kontakt, die als problematisch gelten. Heute bedauert er seinensorglosen Umgang mit Pestiziden. Und obwohl es immer mehr Studien gibt, die ein höheres Risiko für Landwirte und Gärtner zeigen, gilt Parkinson in Deutschland bisher noch nicht als Berufskrankheit. In Frankreich ist das anders: Dort ist Parkinson als Berufskrankheit längst anerkannt. Zum Beispiel bei Sylvie Berger aus dem Bordelais, einer der teuersten Weinbauregionen Europas.

Dort werden besonders hohe Mengen Pestizide ausgebracht. Sylvie Berger hat im Weinbau gearbeitet, heute leidet sie an Parkinson. Sie bekommt eine Berufsunfähigkeitsrente, warum der Gärtner Ulrich Elixmann aus Deutschland nicht?

Ein Film von Elke Brandstätter und Marko Rösseler
Redaktion: Gudrun Wolter

Stand: 24.02.2021, 13:39