10 Jahre nach der Finanzkrise: Die Party der Banker geht weiter

10 Jahre nach der Finanzkrise: Die Party der Banker geht weiter

New York, 2018. „Es gab genug Warnhinweise, dass es zum Crash kommt. Doch die Gier war größer. Und auch jetzt lechzen die Anleger da drüben wieder nach mehr Rendite!“, erzählt Larry McDonald, ehemaliger Vize-Präsident bei der US-Bank Lehman Brothers. Er sitzt im 50. Stock eines schicken Apartmenthauses am Hudson River. Von seinem Schreibtisch kann er bis zum Financial District der Wall Street schauen. Er beobachtet heute als Autor den Markt und schreibt Investment Reports.

Zehn Jahre zuvor, am 15. September 2008, meldeten die Agenturen die Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Es war die größte Pleite eines Unternehmens, die die Welt je gesehen hat – und hatte fatale Folgen für die ganze Welt. Am Ende mussten weltweit Banken gerettet werden – durch das Geld der Steuerzahler.

Ein Mann in Anzug und Krawatte wird von einem Reporter in einem Apartment interviewt, um in herum stehen Kameras und ein Mikrofon

Larry McDonald (l) - Ex Lehmann Banker – Risiken wie eh und jeh.

Das sollte sich nie mehr wiederholen. Angela Merkel versprach: „Wir wollen nicht, dass die Steuerzahler Banken retten müssen, sondern dass Banken sich selber retten.“ Was ist das Versprechen wert? Sind die Banken unter Kontrolle? Was hat die Branche aus der Finanzkrise gelernt?

„Die Story“-Autoren begeben sich auf Spurensuche, treffen Finanzbranchen-Insider und Betroffene.

Immer wieder stoßen die Autoren auf deutliche Indizien, dass die Finanzkrise keineswegs vorbei ist. Im Gegenteil. Heute, 2018, gibt es erstaunliche Parallelen zu der Zeit kurz vor dem Mega-Crash.

Man sieht drei Computerbildschirme in einem Büro, auf denen Graphen abgebildet sind

Heilige Halle der EZB - Handelsraum für Anleihenkäufe.

Riskante Finanzgeschäfte gehören für Banker weiter zum Alltag. Private Schulden, billiges Geld und undurchsichtige Finanzprodukte – eine gefährliche Mischung, die in einem explosiven Umfeld aus Gier und Wahnsinn schon bald den nächsten Crash auslösen könnten. Christoph Kaserer von der TU München erklärt diese Entwicklung so: "Die großen internationalen Banken haben – wie fast alle Banken – ihre Bilanzsummen kräftig ausgedehnt. Das heißt, wenn eine dieser großen Banken in eine Schieflage gerät, werden wir auch heute nicht drum herumkommen, dass es eine Rettung durch den Steuerzahler gibt."

Ein Film von Thomas G. Becker und Michael Houben
Redaktion: Nicole Kohnert, Nicole Ripperda

Stand: 27.07.2018, 14:08