Die neue Schokolade! Süße Schokotrends im Qualitätscheck

Die neue Schokolade! Süße Schokotrends im Qualitätscheck Der Vorkoster 29.03.2021 44:14 Min. UT Verfügbar bis 29.03.2022 WDR

Die neue Schokolade! Süße Schokotrends im Qualitätscheck

Schokolade – pro Kopf essen wir Deutschen pro Jahr fast 10 Kilogramm dieser Leckerei. Aber was genau ist Schokolade? Das legt die „Verordnung über Kakao- und Schokoladenerzeugnisse“ des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz fest. Primär muss Schokolade aus Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker bestehen. Die Kakaomasse wird aus Kakaobohnen hergestellt, die geröstet und gemahlen werden.

Für die Herstellung von Schokolade kann Kakao mit beliebigen Zutaten kombiniert werden. Wichtig ist nur eins: Mindestens 1 Prozent Zucker muss enthalten sein, sonst darf sich das Produkt nicht Schokolade nennen, sondern lediglich Kakao. (Quelle: Bundeszentrum für Ernährung)

Die Siegel

Die Produktion von Schokolade bringt auch negative Aspekte mit sich: 5,5 Mio. Kakaobauer*innen  leiden weltweit unter niedrigen Einkommen und schlechten Arbeitsbedingungen.

Um dem entgegenzuwirken, finden sich auf den Schokoladenverpackungen immer mehr Nachhaltigkeitssiegel, die den Verbraucher*innen einen fairen Anbau bestätigen wollen. Doch was sagen sie genau aus? Ein Überblick.

Zu den bekanntesten Siegeln gehören Fairtrade, Fairtrade Cocoa Program und UTZ/Rainforest Alliance.

  • Das Fairtrade Siegel wird von der Organisation TransFair vergeben und setzt sich zum Ziel, Kakaobauer*innen entwicklungspolitisch zu unterstützen. Durch die Zahlung eines Mindestabnahmepreises von 2.400 US$ pro Tonne Kakao soll ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Als eines der ersten Siegel führte Fairtrade zudem eine fixe Prämie von 240 US$ pro Tonne ein (Quelle: Inkota Netzwerk, Zertifizierte Schokolade, 2020). Entwicklungspolitische Organisationen wie das Inkota Netzwerk kritisieren jedoch, dass der von Fairtrade angesetzte Mindestpreis nicht ausreicht, um den Produzent*innen ein existenzsicherndes Einkommen zu sichern.
  • Während sich das Fairtrade Siegel auf alle im Endprodukt enthaltenen Zutaten bezieht, konzentriert sich das Fairtrade Cocoa Program ausschließlich auf die Zertifizierung des enthaltenen Kakaos der Produkte. Alle anderen Zutaten müssen demnach nicht zertifiziert sein. 
  • Eine weitere Orientierungshilfe bieten Rainforest Alliance und die UTZ Organisation. Die beiden Siegel gelten als weltweit größte Zertifizierungsprogramme für Kakao und werden aktuell zu einem Programm zusammengelegt. Bestehend aus in der Schokoladenindustrie tätigen Unternehmen, Nachhaltigkeitsexperten*innen und Auditor*innen setzen sich UTZ und Rainforest Alliance für eine Professionalisierung der Bauer*innen durch Schulungen ein, um somit deren Ertrag aus der Kakaoernte zu steigern. In der Kritik steht allerdings, dass das Zertifizierungsprogramm weder Abnahmemindestpreise, noch Kakao-Prämien zahlt.
Das Bild zeigt die Fairtrade Siegel UTZ Certified und Rainforest Alliance.

(Quellen: Inkota Online-Seminar: Make Chocolate fair - Zertifizierte Schokolade (2020); Inkota Infoblatt: Zertifizierte Schokolade: was steckt hinter den Siegeln? Antonie Fountain, Friedel Huetz-Adams (2018): Cocoa Barometer 2018, S. 19; Forum Nachhaltiger Kakao, Stiftung Warentest: Können Verbraucher Fairtrade, UTZ & Co vertrauen? (05.2020))

In den letzten Jahren setzen auch immer mehr Unternehmen auf eigene Zertifizierungssysteme, anstatt sich auf externe Siegel zu beziehen. Lindt, Milka und Rittersport wollen dabei insbesondere durch gezielte Schulungen vor Ort die Erträge steigern. Als problematisch gilt allerdings die mangelnde Transparenz im Zuge einer fehlenden unabhängigen Kontroll-Instanz.

Dass unternehmenseigene Zertifizierungssysteme auch positiver abschneiden können als externe, zeigen die Siegel von Tony’s Chocolonely, Gepa und Fairafric. Da sie sich aktiv für eine faire Bezahlung der Bauern einsetzen, empfiehlt das Inkota Netzwerk beim Schokoladenkauf auf diese Siegel zu achten. Allerdings gelten die entsprechenden Marken aktuell noch als Nischenprodukte.

  • Die Gepa ist ein geprüftes Unternehmen des Garantiesystems der WFTO. Sie gilt als Fairhandelshaus und zahlt einen Mindestpreis pro Tonne Kakao, der teilweise über den von Fairtrade gesetzten Mindeststandard hinausgeht.
  • Das hauseigene Siegel der niederländischen Marke Tony’s Chocolonely möchte den Kakaobauern*innen ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen, indem sie ihnen neben einem Referenzpreis pro Tonne Kakao eine Zusatzprämie von bis zu 590 US$ zahlen.
  • Das Münchner Unternehmen Fairafric hat seine Schokoladenproduktion in das Herkunftsland der Kakaobohnen verlagert. Die Produktion in Afrika ermöglicht Fairafric den Ertrag pro Tonne um etwa 10.000€ zu steigern. Zusätzlich zahlt das Unternehmen seinen Bauern eine Prämie von 600 US$ und liegt damit deutlich höher als andere Zertifizierungsgesellschaften.
Das Bild zeigt drei verschiedene fairtrade Siegel.

(Quellen: Gepa, Verbraucherzentrale; Inkota Online-Seminar: Zertifizierte Schokolade (2020); Fairafric; Johannis Schorling, Promoter der Kampagne "Make Chocolate fair!")

Stand: 23.03.2021, 13:00

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