Lust auf Äpfel – Wie gut ist unser Lieblingsobst?

Lust auf Äpfel – Wie gut ist unser Lieblingsobst?

Wieso schaffen es nur bestimmte Sorten auf die Verkaufstische? Der Apfel gilt zudem als besonders gesunder Genuss. Doch welcher schmeckt am besten und stimmt es, dass der Verzehr eines Apfels pro Tag den Arztbesuch erspart?

Seit jeher hat der Apfel für den Menschen eine besondere Bedeutung. Er wurde als verbotene, wie verführerische Leckerei gesehen, die Adam und Eva das Paradies kostete. Fürsten trugen den "Reichsapfel" als Zeichen ihrer Herrschaft, der Schriftsteller Edward S. Martin gab New York den Namen "Big Apple" und auch in der deutschen Literatur ist der Apfel kein unbeschriebenes Blatt: Friedrich Schiller (der selbst ein großer Apfelliebhaber gewesen ist und in seiner Schreibtischschublade überreife Äpfel gehortet haben soll) ließ in "Wilhelm Tell" den gleichnamigen Held (inspiriert von vielen früheren "Apfelschuss"-Sagen) einen Apfel vom Kopf eines Kindes schießen.

Kulturell wie kulinarisch ist der Apfel nicht wegzudenken. Insgesamt 9,1 kg frische Äpfel isst der Deutsche durchschnittlich pro Jahr - und ganze 24,7 kg sind es, wenn man den Verzehr von Apfelmus, Apfelsaft oder sonstigen Apfelprodukten miteinbezieht. Lieblingsapfel der Deutschen ist der "Elstar". Knapp 20 Prozent des Apfelkonsums entfallen allein auf diese Sorte. Auf den Plätzen zwei und drei der "Apfel-Hitliste" folgen "Braeburn" und "Gala".

Alte Sorten wie "Königlicher Kurzstiel", "Geflammter Kardinal", "Gelber Richard", "Finkenwerder Prinzenapfel" oder "Champagnerrenette" sind hingegen weitläufig unbekannt.

Apfel am Baum.

Apfel am Baum.

20.000 Sorten - und vom Aussterben bedroht?

Weltweit wird die Anzahl der Apfelsorten auf circa 20.000 geschätzt. Eine genauere Bezifferung ist kaum möglich, da der Apfel von Natur aus ein sehr sortenreiches Obstgehölz ist. Weil jeder Apfelbaum zur Fortpflanzung eine andere Sorte als Pollenspender benötigt, entstehen zahlreiche Zufallssorten. Doch viele Wildäpfel eignen sich nicht als "Elternteil" wirtschaftlich erfolgreicher Äpfel, da ihre Nachkommen oft klein und zum Teil ungenießbar sind. Andere Apfelsorten hingegen sind zwar schmackhaft und weisen eine ansprechende Größe auf, sind jedoch anfällig für Krankheiten.

Um einen geschmacklich ansprechenden und auf natürliche Weise gegen Krankheiten resistenten Apfel zu erhalten, versuchten sich bereits in früheren Jahrhunderten Pastoren in Klöstern und Lehrer an der Apfelzucht.

Bis heute - wenngleich unter kommerzielleren Gesichtspunkten - versuchen Forscher, Firmen oder Hobbygärtner verbesserte Äpfel zu züchten. Sie investieren für die Kreuzung, Zucht kleiner Bäume und Begutachtung der neuen Früchte dabei schon einmal bis zu 25 Jahre Arbeit pro Sorte. Erst wenn Optik, Geschmack, Widerstandsfähigkeit, Ertragssicherheit und -menge überzeugen werden die Bäume durch "Veredelung" vermehrt.

Das bedeutet, dass ein Apfelzweig auf den Stamm eines anderen Apfels aufgepfropft und derart umwickelt wird, dass beide verwachsen. Der aufgepfropfte Apfelzweig bestimmt dabei die Art der Früchte. Nur so kann ein und derselbe Apfel kopiert werden. Landwirte können nun sicher sein, dass ihre Apfelbäume zahlreiche und qualitativ hochwertige Früchte tragen. Ertragsmenge und Ertragssicherheit sorgen dafür, dass der Preis niedrig und stabil bleibt.

Viele Züchter lassen sich ihren Apfel lizensieren und verdienen an den verkauften Bäumen. Wird eine bestimmte lizensierte Apfelsorte nur an eine begrenzte Anzahl von Landwirten zum Anbau verkauft und dürfen diese ihre Äpfel dann nur über eine Vermarktungsgesellschaft vertreiben, nennt man sie "Clubsorte". Eine der bekanntesten Clubsorten ist "Pink Lady". Nur die schönsten Äpfel der Sorte "Cripps Pink" werden unter dem Namen "Pink Lady" verkauft.

Doch nicht jeder Apfel ist eine Schönheitskönigin (einige neigen dazu, regelrechte "Hautprobleme" zu entwickeln und werden zum Beispiel schorfig). Manche Apfelbäume tragen nicht jedes Jahr - oder nur in kleinen Mengen. Ihre Früchte hängen hoch in verzweigten Baumkronen und sind schwer zu ernten. Ein rentabler Anbau lohnt sich so bei vielen alten Sorten nicht, so dass diese nur von Liebhabern im Garten oder auf Streuobstwiesen angebaut werden.

Bestimmte Sorten sind sogar vom Aussterben bedroht oder wurden absichtlich vernichtet. In den 1940er und 1960er Jahren fand in Deutschland jeweils eine "Sortenbereinigung" statt. Das Landwirtschaftsministerium zahlte Prämien für gerodete Apfelbäume. Die Gründe hierfür waren jedoch denkbar verschieden.

In den 1940ern dehnte sich der Rassenwahn der Nationalsozialisten auch auf Apfelbäume aus, so dass nur noch deutsche Apfelsorten erwünscht waren.

In den 1960ern hingegen galten moderne, ertragsreiche und niederstämmige Monokulturen als fortschrittlich. Die damals weit verbreiteten Streuobstwiesen fielen den großen Plantagen zum Opfer. Heute jedoch versuchen Naturschützer vereinzelt diese einzigartigen Biotope wiederaufzubauen.

Welcher Apfel schmeckt am besten?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten - auch bei Äpfeln. Gerade bei einem Naturprodukt wie dem Apfel kann es zu Schwankungen im Geschmack kommen. Nicht nur die Sorte, sondern auch das Klima während der Reifezeit, der Zeitpunkt der Ernte und die Dauer der Lagerung führen hier zu Unterschieden.

Um seinen persönlichen Lieblingsapfel zu finden, sollte man seine Vorlieben kennen oder herausfinden.

  • Mag man eher süße oder saure Äpfel?
  • Und wie wichtig ist die Konsistenz?

Wer saure Äpfel bevorzugt, sollte saisonal frische Äpfel kaufen, da Äpfel bei der Lagerung nachreifen und nachsüßen können. "Boskoop", "Granny Smith" oder "Santana" gelten als saure Sorten.

Liebhaber süßer Äpfel sollten zu Sorten wie "Gala" oder "Golden Delicious" greifen. Gerade Kinder bevorzugen den oft milden und süßlichen Geschmack.

Äpfel im Supermarkt.

Äpfel im Supermarkt.

Je länger Äpfel gelagert werden, desto süßer werden sie, bedingt durch Umbauprozesse im Apfel. Sie verlieren jedoch häufig ihre knackige Konsistenz. Süße Äpfel müssen dabei nicht immer diejenigen mit dem höchsten Zuckeranteil sein. Manch süß wirkendem Apfel mangelt es einfach nur an der Säure.

Als Apfel mit einem ausgewogenen Süße-Säure-Verhältnis gilt zum Beispiel der "Elstar".

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Präferenzen Sie hinsichtlich des Geschmacks haben, testen Sie einfach einmal mehrere Sorten nacheinander aus. Sie werden überrascht sein, wie unterschiedlich Äpfel hinsichtlich ihrer Säure, Süße oder im Aroma schmecken können.

Stand: 24.07.2018, 12:00

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