Schweinefleisch im Check – Wie günstig darf‘s sein?

Schweinefleisch im Check – Wie günstig darf‘s sein? Der Vorkoster 07.10.2019 44:08 Min. UT Verfügbar bis 07.10.2020 WDR

Schweinefleisch im Check – Wie günstig darf‘s sein?

Filet, Schnitzel, Gulasch, Rippchen oder Braten – wir Deutschen lieben Schweinefleisch und essen fast 37 kg davon pro Jahr. Aber woran erkennt man gute Fleischqualität und welche Siegel geben Auskunft über die Haltung der Tiere? Björn Freitag findet es heraus!

Vom Wild- zum Hybridschwein

Alle Schweinerassen, die heute existieren, stammen von Wildschweinen ab, die teilweise aus dem ostasiatischen Raum von Seefahrern mit nach Europa gebracht wurden. Wälder und Sumpflandschaften gehören zum idealen Lebensraum für Schweine, in dem die sozialen Tiere in Gemeinschaften leben und so bis zu zwanzig Jahre alt werden können. In Deutschland fing man Mitte des neunzehnten Jahrhunderts damit an, Schweine aus kommerziellen Gründen zu züchten. Man kreuzte Rassen, die schnell an Gewicht zulegen, um in kürzester Zeit maximal viel Fleisch zu erzeugen. Die so gezüchteten Schweine bezeichnet man auch als „Hybridschweine“. Sie sind heute in maximal einem halben Jahr schlachtreif. Waren die alten Schweinerassen eher rundlich, haben die heutigen Schweine aus den Intensivmast-Betrieben in der Regel ein viel schmaleres und länglicheres Erscheinungsbild – durch die Zucht besitzen sie zusätzliche Rippenpaare, damit mehr Koteletts verkauft werden können.

Deutschland – Die Nummer Eins in der EU

Wir Deutschen sind echte Experten, wenn es um die Schweinezucht geht. In der EU produzieren wir das meiste Schweinefleisch und weltweit liegen wir auf Platz drei. Hierzulande wurden 2017 mehr als 27 Millionen Schweine gehalten. Die meisten davon kommen sogar aus NRW. Der überwiegende Anteil wird auf konventionelle Art gehalten. Nur 3 Prozent des Marktes werden von Bio und anderen Haltungsformen bedient.

Wie gesund ist Schweinefleisch?

Schweinefleisch liefert viele hochwertige Proteine und je nach Teilstück unterschiedlich viel Fett. So haben zwar Haxe oder Kotelett deutlich mehr Fett als z.B. Filet oder Schnitzel, aber die Fettsäure-Zusammensetzung ist beim Schweinefleisch dennoch günstiger als gemeinhin angenommen. Der Anteil der „schlechten“ gesättigten Fettsäuren liegt bei 40 Prozent, der der „guten“ ungesättigten Fettsäuren liegt bei 60 Prozent – davon sind sogar immerhin 18 Prozent mehrfach ungesättigt. Zwar sind in Schweinefleisch viele gute B-Vitamine enthalten, jedoch steht rotes Fleisch immer wieder im Verdacht, bei übermäßigem Verzehr krebserregend zu sein. Aufpassen sollten außerdem Gicht- und Rheumapatienten. Diese Krankheiten werden durch Purin und Arachidonsäure im Schweinefleisch verschlimmert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 g bis 600 g Fleisch wöchentlich zu konsumieren.

Der Siegeldschungel: Woran erkennt man Tierwohl?

Für den Verbraucher ist es gar nicht so einfach, beim Einkauf zu erkennen, wie ein Tier gelebt hat. Gerade bei abgepacktem Fleisch gibt es einen regelrechten Siegel-Dschungel. Björn Freitag klärt auf, was die einzelnen Siegel bedeuten:

  • Bio: Hier können Sie sicher sein, dass die Tiere unter artgerechten Bedingungen gelebt haben. Durch die gesetzlichen Vorgaben bei der Bio-Haltung haben die Tiere mehr Platz, können an die frische Luft und werden beispielsweise nur im Ausnahmefall mit Antibiotika behandelt. Von den Bio-Siegeln hat Demeter die strengsten Auflagen.
  • Neuland: Auch das Neuland-Siegel gibt Aufschluss darüber, dass das Tier artgerechter gehalten wurde. Neuland-Fleisch steht unter der Kontrolle des Deutschen Tierschutzbundes. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es sich um eine Bio-Haltung handelt.
  • Für mehr Tierschutz: Das blaue Tierschutz-Label besagt, dass das Fleisch aus einem Betrieb kommt, der den Anforderungen des Deutschen Tierschutzbundes entspricht. Unterschied zu Neuland: Es gibt eine Einstiegs- und eine Premiumstufe.
  • Haltungskennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH): Im April 2019 schlossen sich diverse Handelsketten zusammen, um eine einheitliche Haltungskennzeichnung auf ihren Fleischprodukten auszuweisen – davor hatte nämlich so gut wie jede Kette ein eigenes Symbol. Das einheitliche System soll anhand von vier Stufen verdeutlichen, welche Tiere besser gehalten wurden als andere. So ist Stufe eins mit dem gesetzlichen Mindeststandard gleichzusetzen und Stufe vier in etwa mit biologischer Haltung.
  • Staatliches Tierwohllabel: Auch der Staat will ein einheitliches Tierwohllabel herausbringen, dem sich Betriebe ab 2020 anschließen können. Das staatliche Tierwohllabel soll drei Stufen umfassen, aber als Mehrwert gegenüber der Haltungskennzeichnung des LEHs die gesamte Lebensspanne des Tieres abdecken, wie z.B. auch die Aufzucht der Ferkel und den Transport zum Schlachthof. Die Kriterien der Haltungskennzeichnung des LEHs gelten nur für die Mastperiode. Bereits die Einstiegsstufe des neuen staatlichen Siegels liegt über den gesetzlichen Mindestanforderungen an die Tierhaltung. Die Teilnahme an dem Siegel wird aber freiwillig sein, denn die Maßnahmen für besseres Tierwohl bedeuten für den Landwirt einen erheblichen finanziellen Aufwand, das kann sich nicht jeder Betrieb erlauben.

Stand: 30.09.2019, 21:00

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