Wie will ich im Alter leben?

Das Experiment: Wie will ich im ALTER leben? WDR 14.08.2019 44:47 Min. UT Verfügbar bis 14.08.2020 WDR

Wie will ich im Alter leben?

Schon mal drüber nachgedacht: Wie will ich später als alter Mensch leben? Das Experiment: Eine Familie probiert einfach mal einiges aus.

Wie wäre es damit, dort alt werden, wo andere Urlaub machen? Oder welche Herausforderungen gibt es, wenn man das Zuhause fürs Alter herrichten will? Und gibt es zum Heim, wo eigentlich keiner rein will, noch ganz andere Alternativen?

Mehrgenerationen-Häuser & -Wohnprojekte

Gut 550 "Mehrgenerationenhäuser" gibt es in Deutschland – damit sind offene Treffpunkte für alle Generationen z.B. in einem Stadtteil gemeint. Beim "Mehrgenerationen-Wohnen" geht es um mehr. Hier leben Paare, Familien und Singles in ihrer eigenen Wohnung, sind aber doch (fast) jederzeit ansprechbar und unterstützen sich gegenseitig. Projekte wie den Glockenhof Bochum ausder Reportage gibt es über 700 in Deutschland.

Wir haben einige nützliche Links zusammengestellt:

Glockenhof Bochum

Drei ehemalige Schulgebäude wurden zu 18 Wohnungen unterschiedlicher Größe (45-120 qm) umgebaut, in denen gut 50 Menschen im Alter von 1 bis 92 Jahren leben. Alle Bewohner sind Mitglieder einer Genossenschaft und verwalten sich selbst. Bei Einzug kaufen sie einen Genossenschaftsanteil von 500 Euro pro Quadratmeter.

Das Geld wird bei Auszug zurück gezahlt. Zusätzlich zahlen sie ein monatliches Nutzungsentgelt — ungefähr in Höhe einer ortsüblichen Miete. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung sind das etwa 500 Euro. In der „Pflege-WG“ ist Platz für neun Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf. Jeder hat ein eigenes Zimmer. Bad, Küche und Wohnzimmer werden geteilt.

Eine 24-Stunden-Betreuung und eine professionelle Qualitätssicherung sind fester Bestandteil des Konzeptes. Auch die Bewohner der Pflege-WG kaufen Genossenschaftsanteile (ca. 10.000 Euro), die bei Auszug oder Tod zurückgezahlt werden. Pro Monat kostet ein Zimmer 420 Euro.

wohnprojekte-portal.de

Das Portal für gemeinschaftliches Wohnen der Stiftung Trias aus Hattingen. Hier gibt es Antworten auf diese Fragen: Wie gründe ich ein Wohnprojekt? Gibt es bereits ähnliche Projekte wie meines? Gibt es Mit-Macher*innen-Projekte im Aufbau oder eine gerade leer gewordene Wohnung in meiner Nähe? Wo kann ich mich erkundigen? Wer hilft mir?

neue-wohnformen.de

Hier gibt es ein Verzeichnis von Wohnprojekten, die von den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege (Kirchen, AWO, Johanniter etc.) und privaten Investoren gegründet wurden. Daneben Wohnresidenzen, Heime und gewerbliche Anbieter von Dienstleistungen rund um dieses Thema.

fgw-ev.de

Die Bundesvereinigung "Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V." ist ein überregionaler Zusammenschluss von Menschen und Organisationen mit Interesse an selbst organisierten und gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Der Verein zeigt die Vielfalt der Wohnprojekte auf und unterstützt Interessierte dabei, die ihnen gemäße Form zu finden. Das Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. und andere Experten gehen von bis zu 5.000 gemeinschaftlichen Wohnprojekten deutschlandweit aus.

wohnprogramm.fgw-ev.de

Im Rahmen des Modellprogramms "Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben" werden bis 2019 bundesweit 29 Projekte gefördert, die zeigen, wie gemeinschaftliches Wohnen für unterschiedliche Zielgruppen geöffnet und zugleich ein Beitrag zum Zusammenhalt im Wohnumfeld geleistet werden kann.

Das Modellprogramm wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung.

Alt werden im Ausland

Wer im EU-Ausland leben möchte, hat auch als Pflegebedürftiger Anspruch auf bestimmte Leistungen aus der deutschen gesetzlichen Pflegeversicherung. Dabei geht es vor allem um das Pflegegeld: Je nach Pflegegrad können bis zu 901 Euro direkt an den Versicherten überwiesen werden. Dieses Geld hilft dann bei der Finanzierung der Pflege- und Unterbringungskosten.

Die sind besonders im osteuropäischen Ausland aufgrund der niedrigen Lohn- und Lebenshaltungskosten niedriger als in Deutschland. Je nach Art der Unterbringung können sie bis gut 50 Prozent niedriger sein. Pflegesachleistungen im Ausland werden in der Regel nicht übernommen. Und es gilt: Wer sein Leben im Alter ausserhalb der EU verbringen möchte, z.B. in Thailand, hat keinen Anspruch auf die Leistungen der Pflegeversicherung.

Wie findet man ein gutes Heim?

Das raten Verbraucherschützer:

  • Erst mal eine persönliche Checkliste erstellen: Was ist mir persönlich wichtig? Zum Beispiel wie ist die Lage des Heims, die Anbindung mit ÖPNV? Gibt es (ausreichend) Einzel- oder Mehrbettzimmer? Wie ist der genaue Tagesablauf? Welche Serviceangebote und Angebote an Infrastruktur sind mir wichtig?
  • Ganz wichtig: ein Besuch vor Ort. Wie ist die Atmosphäre, welchen Eindruck macht das Personal, welche Beschäftigungsangebote gibt es?
  • Die Pflegenoten für Heime und Pflegedienste der Pflegekassen bringen im Übrigen wenig bis gar nichts. Sie sind in die Kritik geraten und sollen eh ab November durch ein neues System ersetzt werden.

BIVA-Pflegeschutzbund

Überblick und Fachwissen zum Thema Pflege im Alter bietet auch der BIVA-Pflegeschutzbund. Seit 1974 vertritt er nach eigenen Angaben die Interessen von Menschen, die Hilfe oder Pflege benötigen und daher in betreuten Wohnformen leben. Er setzt sich für die Stärkung der Rechte von Bewohnerinnen und Bewohnern aller Heimarten und Wohnformen ein und kämpft erfolgreich für Menschenwürde und Selbstbestimmtheit im Alter und bei Behinderung. Der BIVA-Pflegeschutzbund ist unabhängig und gemeinnützig. Er bietet auch Angehörigen Rat und Information in schwierigen Situationen bei Pflege und Betreuung.

Zentrum für Qualität in der Pflege

Eine unabhängige Pflegeberatung – zum Beispiel der nächste Pflegestützpunkt – informiert darüber, welche Pflegeheime es in der näheren Umgebung gibt und mit welcher finanziellen Unterstützung Sie durch die Pflegekassen rechnen können. Adressen der Pflegestützpunkte bietet das Zentrum für Qualität in der Pflege, ein unabhängiges Portal zum Thema Qualität in der Pflege.

Informationen zur 24-Stunden-Betreuung

Wer beim Thema „Pflege zu Hause“ auf eine Rund-um-die-Uhr-Pflege setzen möchte, muss nach Anggaben der Verbraucherzentrale mit Kosten von bis zu 3.000 Euro für eine legale osteuropäische Hilfskraft rechnen. Auf der Seite der Verbraucherzentrale steht eine umfangreiche Broschüre zum Download bereit. Das Wichtigste zum Thema beschreibt die Verbraucherzentrale so:

• Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit kann ein EU-Bürger in einem Privathaushalt ohne besondere Arbeitserlaubnis beschäftigt werden.
• Alternativ können ausländische Unternehmen ihre Mitarbeiter in einen deutschen Haushalt entsenden. Dabei helfen Vermittlungsagenturen.
• Bei der Beschäftigung ausländischer Hilfskräfte gilt deutsches Arbeitsrecht.
• Wer eine osteuropäische Hilfskraft in Vollzeit beschäftigen möchte, muss mit Kosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro pro Monat rechnen.

Informationen zum Elternunterhalt

Kinder haften für ihre Eltern - wann müssen Kinder zahlen? Darüber denken vielen Familien nach, wenn es um das Thema Pflege geht. Denn dass das Alter arm machen kann, ist angesichts der Kosten für Pflege, betreutes Wohnen oder Heimunterbringung mehr als bekannt.

Grundsätzlich gilt: Kinder sind gesetzlich verpflichtet, für den Unterhalt der Eltern zu sorgen, wenn es ihre finanziellen Möglichkeiten zulassen. Übersteigen die Kosten für die Pflege die Mittel aus Rente und Pflegeversicherung, zahlt zunächst der Sozialhilfeträger. Der holt sich das Geld u.U. bei den Kindern zurück.

Das Argument, man habe zu seinen Eltern überhaupt keinen Kontakt mehr, zieht in der Regel nicht; nur in ganz seltenen und extremen Fällen können Kinder eine Zahlung verweigern.

Entscheidend ist das bereinigte Nettoeinkommen der Kinder. Zur Orientierung: Alleinstehende müssen alles über 1.800 Euro netto zur Hälfte abgeben; bei Verheirateten alles über 3.240 €. Dabei müssen die Kinder auch auf eigenes Vermögen zurückgreifen, wenn es nicht der eigenen Altersvorsorge dient. Sie können nicht gezwungen werden, ihr Haus oder ihre Wohnung zu verkaufen. Andere Vermögenswerte schützt der Gesetzgeber aber nicht.

Stand: 19.07.2019, 14:37