Auflösung: Wie klappt's mit dem Müll?

Müllposse

Auflösung: Wie klappt's mit dem Müll?

Warum sind Müllgebühren von Stadt zu Stadt so unterschiedlich? Wer ist für wilde Müllkippen zuständig? Was, wenn die Tonne nicht geleert wird? Antworten vom Experten auf Ihre Fragen.

Hans Peter Winkels ist Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln. Hier klärt er die Fragen der Aktuelle Stunde-Zuschauer.

Frage 1: Müllgebühren sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich hoch. Wie kommt’s?

Hans Peter Winkels: Bei Gebührenvergleichen wird üblicherweise vom klassischem Vier-Personehaushalt mit einer 80-Liter-Tonne in einen Einfamilienhaus ausgegangen ("Musterfamilie"). Bei den Gebührenvergleichen werden dann "Äpfel und Birnen" verglichen. Die folgenden Aspekte werden nahezu nie in den Vergleichen berücksichtigt:  

Die Konstellation des genannten Musterhaushalts ist für eine Großstadt die Ausnahme, da dort die meisten Vier-Personen-Haushalte in Mehrfamilienhäusern oder Großwohnanlagen wohnen, die große Abfallbehälter haben (am häufigsten die 1.100-Liter-Tonne) deren Literpreis zum Beispiel beim Kölner Gebührensystem ungefähr nur halb so teuer wie der einer 80-Liter-Tonne ist. Würde man also in Köln die "Musterfamilie" in einer Großwohnanlage wohnen lassen, wären die Jahresmüllgebühren nur halb so teuer wie beim Einfamilienhaus.

In Köln wohnen nur etwa 20 Prozent der Haushalte in Ein- und Zwei-Familienhäusern., der Rest in Mehrfamilienhäusern und Großwohnanlagen. Bei anderen Großstädten ist es ähnlich.

Müllgebühren setzen sich aus drei Kostenblöcken zusammen:

  1. Kosten für die Müllabfuhr (in Köln ca. 20 % der Gebühren) Wichtig dabei: Werden Tarif- oder Billiglöhne gezahlt?
  2. Kosten für die Müllverbrennung (in Köln ca. 30 %) Wichtig dabei: Sind die Anlagen schon abgeschrieben; sind es teure, mit hochmoderner kostenintensiver Abgasreinigungstechnik, oder billige, die gerade die Umweltstandards erfüllen?
  3. Querfinanzierte Zusatzleistungen (in Köln ca. 50 %) Hierzu zählen zum Beispiel: keine Gebühren für die blaue und braune Tonne, keine Gebühren für Sperrmüll, Schadstoff- und Elektroschrottentsorgung, Vorhandensein von Müllumladestationen (um den Abfall über die Schiene zur Müllverbrennung zu fahren), Wertstoffcenter, Beseitigung wilden Mülls in der Stadt.

Wenn man auf die unterschiedlichen Kostenstrukturen der einzelnen Kommunen nicht eingeht und  bei einer Großstadt nur den Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus heranzieht und nicht darauf hinweist, dass dieser Sachverhalt in einer Großstadt nur in prozentual wenigen Fällen vorliegt, im Übrigen aber die Müllgebühren deutlich billiger sind, verfälscht man die Aussage. Aber eine solche Recherche ist aufwendig und wird nicht gemacht.

Frage 2: Wie groß ist das Problem wilder Müllkippen? Wie groß ist das Problem und wer ist für die Beseitigung verantwortlich?

Hans Peter Winkels: Eigentlich ist der Verursacher verantwortlich. Den erwischt man aber nahezu nie. Ansonsten ist der Eigentümer der Fläche verantwortlich. Viele Kommunen haben das Problem so gelöst, dass die Beseitigung entweder über den städtischen Haushalt oder die Müllgebühren finanziert wird, um ein sauberes Stadtbild zu behalten. Je größer eine Kommune ist, umso größer ist mittlerweile das Problem, weil öffentlichen Parks und Grünanlagen heute durch das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung wesentlich intensiver in Anspruch genommen werden als früher.

Frage 3: Was kann ich tun, wenn mein Müll nicht abgeholt wird?

Hans Peter Winkels: Ein Anruf bei der Müllabfuhr genügt in der Regel. Man kann auch die Kommune (Bereich: Abfallwirtschaft) informieren. Die kümmert sich darum. Dann kommt nochmal ein Müllfahrzeug. Es passiert nur in ganz wenigen Ausnahmefällen, dass Abfall nicht abgeholt wird. In Köln gibt es vielleicht zwei Beschwerden jährlich. Grund kann eine bestimmte extreme Wettersituation (Glatteis) oder ein Maschinenausfall sein oder der Fall, dass beispielsweise der Bürger in einem Teilservicegebiet die Mülltonne nicht rechtzeitig auf den Bürgersteig gestellt hat.

Stand: 17.01.2017, 19:35