Tabakwerbeverbot: Überall, nur nicht in Deutschland

Tabakwerbeverbot: Überall, nur nicht in Deutschland

Leute in lässiger Pose auf Plakaten, die fürs Rauchen werben. Das ist überall in Europa verboten. Überall? Nein, in Deutschland nicht - mit fatalen Auswirkungen.

In Deutschland sterben jedes Jahr 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Eine Zahl, die eigentlich abschrecken sollte. Und trotzdem: Die Deutschen haben 2015 wieder mehr Zigaretten gekauft. Zum ersten Mal seit vier Jahren. Welche Rolle spielt da die Werbung - und warum kriegen wir ein Verbot der Tabakplakate nicht hin, wie es das in anderen Ländern gibt?

Der Bundestag hatte im Januar 2016 erstmals über ein neue Gesetz debattiert. Es geht darum, eine Richtline der Europäischen Union in deutsches Recht zu übertragen. Die sieht weitere Verbote für Tabakwerbung vor. Sie soll künftig von Straßen, aus Kiosken und Kinos verbannt werden.

Einfluss der Tabakindustrie verzögert neues Gesetz?

Fakt ist: Das Kabinett hat Zigarettenplakat-Werbeverbot längst beschlossen. Doch in der ersten Lesung im Bundestags wurde das Thema diesen Sommer "wegen große Vorbehalte einiger Abgeordneter", von der Tagesordnung gestrichen. Gibt es Vorbehalte - oder ist es schlicht der Einfluss der Tabakindustrie?

Verbraucherschutzminister Christian Schmidt, dessen Ministerium den Gesetzentwurf erarbeitet hatte, antwortet der Aktuellen Stunde auf Anfrage vage: Es lägen keine Informationen darüber vor, ob und inwiefern die Tabakwirtschaft den Zeitplan für das parlamentarische Verfahren beeinflusst hat.

Und jetzt? Einen neuen Termin für eine Lesung gibt noch es nicht. Klar ist aber die Tabakindustrie tut alles dafür, weiter werben zu dürfen. Noch darf sie es. Wie stark Werbung wirkt, ist vielen nicht bewusst.

Werbung wirkt subtil

So sagen Kinder und Jugendliche, nicht durch die Reklame beeinflusst zu werden, doch Experten sehen das anders. Etwa der Werbewirkungsforscher Professor Dietmar Barzen von der Rheinischen Fachhochschule in Köln: "Es gibt im Gehirn Prozesse kognitive und vor allem emotionale Aktivierungen, die zum Kaufverhalten führen, auch sehr subtil." Dass es eine Verbindung gibt, belegen auch Zahlen. Nach der letzten Werbebeschränkung sank der Tabakkonsum bei Jugendlichen deutlich ab. Nur noch 12 Prozent der 17-Jährigen griffen noch zur Zigarette.

Einfluss von Freunden und Clique

Das Rauchen ist bei vielen jungen Menschen inzwischen aber auch nicht mehr so angesagt. "Die Zigarette ist geächtet und wenn die Freunde und Clique auch nicht raucht, dann hat das einen großen Einfluss", erklärt Suchtberater Jürgen Meisenbach. Hinzu kommen die Schockbilder von durch Tabak geschädigten Körperteilen, die ab Mai auf den Schachteln abgedrucht werden müssen.

Verbot kommt später als zuerst geplant

Ausgearbeitet wurde der Gesetzesentwurf vom Verbraucherschutzministerium. Eigentlich sollte das weitreichende Verbot bereits Mitte 2018 in Kraft treten. Doch das Kanzleramt und das Wirschaftministerium hatten Einwände, ebenso die Tabakindustrie, so Zeitungsberichte. Im Bundeskabinett wurde schließlich ein Kompromisdatum ausgehandelt, der Juli 2020. Das Gesetz dazu soll aber bereits in ein paar Wochen vom Bundestag beschlossen werden.

Stand: 07.08.2016, 14:39