Was tun, wenn Baby oder Kleinkind bewusstlos werden?

Was tun, wenn Baby oder Kleinkind bewusstlos werden?

Von Matthias Goergens und Maike Knorre

Dank der Telefon-Anleitung eines Rettungssanitäters gelang es einem Neunjährigen, seinem bewusstlosen Bruder das Leben zu retten. Ohne den Erste-Hilfe-Einsatz via Telefon wäre der zweijährige Junge vielleicht gestorben. Hätten Sie gewusst, was zu tun ist?

Manchmal muss es schnell gehen - wie im Fall des zwei Jahre alten Jungen, der im hessischen Korbach in einen Pool fiel und regungslos im Wasser schwamm. Sein neunjähriger Bruder reagierte gedankenschnell: Gemeinsam mit der Oma zog er den bewusstlosen Jungen aus dem Wasser, wählte den Notruf und begann die Reanimation. Wie, das erklärte ihm der Rettungsassistent am anderen Ende der Leitung.

Die Telefonreanimation (112) unterstützt überforderte Ersthelfer vor Ort. So auch die Kölner Rettungsdienststelle, bei der täglich 1.000 Notrufe eingehen. Inzwischen sind die Kollegen routiniert, eine Expertise wie in Köln können jedoch nicht alle Leitstellen in NRW vorweisen. Deutschlandweit leisten laut dem Deutschen Rat für Wiederbelebung weniger als 30 Prozent der Leitstellen telefonische Anleitung.

Erste Hilfe ist nicht gleich erste Hilfe - darauf weist Melanie Käpple auf der Facebook-Seite der Aktuellen Stunde hin: "Bei Babys und Kleinkindern gibt es ganz andere Sachen zu beachten als bei Erwachsenen." Sie hat einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Dazu rät auch Mark O'Richards, selbst Dozent beim Deutschen Roten Kreuz für Erste-Hilfe-Maßnahmen: "Im Schnitt 25 bis 30 Euro und ein Samstag, den man investieren muss. Meiner Meinung nach eine gute und sinnvolle Investition." Nebem dem DRK bieten auch Malteser, Johanniter oder der Arbeiter-Samariter-Bund entsprechende Kurse an.

Wie man auf Bewusstlosigkeit von Kleinkindern reagieren sollte

In den entsprechenden Kursen geht es dann nicht nur um die Reaktion bei Schock, Bewusstseinsstörung sowie Herz-Kreislauf-Stillstand, sondern auch um Wundversorgung, Knochenbruch, Allergische Reaktion, Vebrennung oder Vergiftung. Auch Stefanie Lorenz besucht als Erzieherin regelmäßig Schulungen. "Ich hoffe aber inständig, dass ich die Wiederbelebung niemals anwenden muss", kommentiert sie auf der Facebook-Seite der Aktuellen Stunde.

Wenn es doch zum zum Ernstfall kommt: Mit den folgenden Tipps von Johanniter-Rettungssanitäter Julian Pape (Videos) können auch Sie ohne telefonische Unterstützung der Notrufzentrale auf die Bewusstlosigkeit Ihres Kindes reagieren:

1. Atemkontrolle - in zehn Sekunden Klarheit haben

Was bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter zu tun ist: Das Kind mit dem Rücken auf eine harte Fläche wie Tisch oder Boden legen, Kinn anheben, Hals etwas überstrecken und Mund leicht öffnen. Kontrolle der Atmung durch Sehen, Hören und Fühlen: Hebt und senkt sich der Brustkorb? Ohr über Mund und Nase legen und entweder Atemgeräusche hören oder mit der Wange einen Luftstrom wahrnehmen. Alles muss innerhalb von zehn Sekunden passieren. Ist keine normale Atmung festzustellen, ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen. Dann sollte sofort mit der Beatmung begonnen werden.

2. Beatmung - Kinderlungen fassen weniger Luft als bei Erwachsenen

Achtung: Kleine Kinder-Lungen können nicht so viel Luft aufnehmen, wie die eines Erwachsenen. Den eigenen Mund über Mund und Nase des Säuglings aufsetzen, Blick auf den Brustkorb des Säuglings richten, behutsam und gleichmäßig über eine Sekunde lang Luft einblasen, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt und senkt. Eine Mundfüllung reicht. Insgesamt fünf Mal beatmen. Bei wieder vorhandener Atmung erfolgt die stabile Seitenlage, anderenfalls ist die Herzdruckmassage der nächste Schritt.

3. Herzdruckmassage - Baby-Brust mit zwei Fingern kräftig massieren

Zwei Fingerkuppen einer Hand auf die Mitte des Brustkorbs im unteren Drittel des Brustbeins platzieren, bei größeren Kindern den Handballen. Mit zwei Fingern oder der Hand das Brustbein etwa zwei bis drei Zentimeter, zwei Mal pro Sekunde und insgesamt 15 Mal nach unten drücken. Danach wieder beatmen, im Verhältnis von 15 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen im schnellen Wechsel über etwa eine Minute durchführen. Falls noch kein Notruf erfolgt, spätestens nach einer Minute unterbrechen und 112 wählen.

Stand: 05.09.2016, 14:30