Wildes Ruhrgebiet

Luftaufnahme von einem Zechengelände, das von Pflanzen zurückerobert wurde.

Wildes Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet: Seit Jahrhunderten baute der Mensch hier Kohle ab, bis in die 1970er Jahre. Da hatte Natur wenig Platz. Die Landschaft verwandelte sich von grün nach grau.

Nahaufnahme von einem Fuchskopf.

Rotfuchs: Er ist, wie kaum ein anderes Tier, dafür bekannt, Neuland zu erobern.

Doch seitdem Zechen und Schwerindustrie aufgegeben wurden, erobert die Natur, weitgehend ungestört, verlorenes Terrain zurück. Mehr noch: Industrieruinen und Brachen bieten Tieren wie Fuchs, Steinmarder und Igel eine neue Heimat.

Von Jägern und Gejagten

Aber auch der fast ausgestorbene Wanderfalke wird von den stillgelegten Hüttenwerken geradezu magisch angezogen. Sie sind der Grund, dass er im "Pott" wieder brütet.

Großaufnahme: Der Kopf eines Wanderfalken. Um seinen Schnabel herum sind Fleischfetzen.

Wanderfalke: Mit großem Einsatz ist es Naturschützern gelungen, dass im Ruhrgebiet heute mehr der eleganten Flieger leben als irgendwo sonst in Deutschland.

Die hohen Türme und Schornsteine sind für die schnellen Flieger ideale Nistplätze und die wiederergrünten Industriegelände begehrte Jagdreviere. Oft zum Kummer der Brieftaubenzüchter, die so manchen ihrer Lieblinge an die Neuankömmlinge verlieren.

Hügel der Verlockung

Abraumhalden beraubten einst die Landschaft jeglicher Lieblichkeit. Doch genau diese heißen Schotterflächen sind heute bei den seltenen Ödland- und Sandschrecken beliebt. Sie sind ideale Terrains für ihre beeindruckende Balz.

Nahaufnahme einer Sandschrecke auf einem Stein.

Sandschrecke: Die eigentlich auf natürliches Ödland angewiesene Schrecke kann auf den Halden des Ruhrpotts perfekt überleben.

Auch die staunenswerten Kreuzkröten nutzen die Halden für ihre Familienplanung. Sie laichen in großen Pfützen. Auf dem harten Untergrund überdauert das Wasser einige Wochen und das reicht den Kaulquappen, um sich zu Kröten zu entwickelt. In nur wenigen Jahrzehnten hat sich das Ruhrgebiet vom Kohlenpott zur Heimat für tierische Raritäten und Anpassungskünstler entwickelt. Wer den Wandel zu nutzen versteht, für den ist das Land an der Ruhr ein perfektes wildes Revier.

Ein Film von Christian Baumeister

Redaktion: Klaus Kunde-Neimöth

Stand: 08.02.2019, 15:33