Kroatiens Auenland

Kroatiens Auenland

Eine Herde brauner Posavina Pferde kühlt sich auf einer überfluteten Wiese ab.

Mitten in Kroatien heißt es „Land unter“. Denn die unberechenbaren Wasser der Save fließen ohne Korsett und schaffen eine amphibische Welt in der Posavina, ein Landstrich im Nordosten Kroatiens. Monatelang überschwemmt hier der Fluss das Naturschutzgebiet Lonjsko Polje. Die Schwemmwiesen bieten Nahrung in Fülle: Fische für Reiher und Ringelnattern und frisches Grün im Wasser für Wildschweine und Hirsche. Hunderte von Wasservögeln, wie der Haubentaucher, haben hier ihre Kinderstube und über 700 Storchenpaare bauen schon seit Generationen ihre Nester in den anliegenden Dörfern. Selbst der in vielen Sumpfgebieten Europas äußerst selten gewordene Löffler durchpflügt mit seinem breiten Schnabel wieder den Untergrund der Auwiesen auf der Suche nach Wasserinsekten.

Ein Wels schwimmt durch glasklares Wasser in einem Unterwasserlabyrinth von Ästen und Wasserpflanzen.

Wels: Der Raubfisch kann bis zu drei Meter lang werden.

Seeadler, Wachtelkönig und Rallenreiher sind im Auenland so zahlreich, wie an keinem anderen Ort in Europa. Auch unter Wasser hat die Save einiges zu bieten. Huchen, die größten Forellen, die es gibt, gehen hier auf Jagd und werden von noch größeren Räubern gejagt. Denn in den Saveauen lebt eine der größten Wels-Populationen Europas. Doch diese märchenhafte Wasserlandschaft auf Zeit ist nicht nur Rückzugsort zahlloser Wildtiere. Das Turopolje-Schwein und das Posavina Pferd, alte Nutztierrassen, leben das ganze Jahr über hier genauso frei wie ihre wilden Nachbarn. Die Natur dieses einmaligen Überschwemmungsgebietes erinnert an ein Gemälde alter Landschaftsmaler. Was kein Zufall ist. Denn so wie in diesem Auenland, sah es früher in weiten Teilen Europas aus - als die Flüsse noch nicht in ein Korsett gezwängt wurden und Überschwemmungen normal waren. Bis heute sind die Save-Auen eine Einheit geblieben: aus Fluss und Überschwemmung, landwirtschaftlicher Nutzung und artenreicher Natur.

Ein Film von Sigurd Tesche

Redaktion: Klaus Kunde-Neimöth

Stand: 02.01.2021, 09:00