Der unsichtbare Fluss

Der unsichtbare Fluss

Das Oberrheintal ist wie ein riesiger Kessel umrahmt von Bergen, dem Schwarzwald im Osten und den Vogesen im Westen. Dort beginnt die Reise des unsichtbaren Flusses. Quellwasser wird zu Gebirgsbächen und daraus entstehen kleine Flüsse, die in den Rhein fließen. Doch ein Teil des Wassers bewegt sich unterirdisch ins Oberrheintal und erstreckt sich unsichtbarer über die ganze Ebene. Es ist das größte Grundwasserreservoir Europas. Auf seinem Weg trifft der unsichtbare Fluss auf lockeren Boden, dringt dort ans Licht. Sein Wasser füllt Kiesgruben, lässt Weiher, Donnerlöcher genannt, Seen und Schilfgürtel entstehen und bewahrt isolierte Rheinarme vor dem Austrocknen.

Nahaufnahme einer europäischen Sumpfschildkröte.

Europäische Sumpfschildkröte: Sie war im Oberrheintal ausgestorben - Naturschützern haben sie gezüchtet und in alten Rheinarmen und Baggerseen wieder angesiedelt.

Das Grundwasser sorgt dafür, dass ein kleines Stückchen artenreicher Wildnis entsteht - perfekte Jagdreviere für Wasservögel und Fische. Paradiese für Kormorane und Haubentaucher. Das immer gleich warme Grundwasser schätzen nicht nur Hechte. Stichlinge brüten direkt neben den Unterwasserquellen. Manchmal besucht eine Nutria das Gewässer. Die südamerikanischen Nager sind aus Pelzfarmen entwischt und vermehren sich prächtig. Störche finden auf den umliegenden Wiesen genug Frösche, Würmer und Mäuse für ihre Brut. Die Gießen, vom Rhein getrennte Flussarme, haben sich zu verschlungenen Labyrinthen aus Wasser und Land entwickelt. Ohne das Grundwasser gäbe es die Rheinarme, Baggerseen und Donnerlöcher, voller seltener Pflanzen und Tiere, nicht. Ihre Existenz und einzigartige Schönheit ist der sichtbare Beweis für den unsichtbaren Fluss im Oberrheintal.

Ein Film von Serge Dumont

Redaktion: Klaus Kunde-Neimöth

Stand: 04.03.2021, 09:00